Justizanstalt-Chefin

„Unsere Betriebe sind mir so wichtig“

Iris Hofer (44), Offizierin der Justizwache, ist die neue Leiterin der Justizanstalt Linz. Ihr Ziel: „Ich will jeden Tag einen sicheren Rahmen für unsere Arbeit schaffen“, sagt sie zur „Krone“. Derzeit werden knapp 470 Personen von 149 Beamten betreut.

"Krone": Sind Sie schon lange im Strafvollzug tätig. Ihr erster Tag im Häf’n?

Iris Hofer: Der liegt 22 Jahre zurück. Ich bin als junge Aspirantin eingestiegen. Ich hatte mir ein Buch gekauft über „Leben hinter den Mauern“. Und ich merkte dann sofort: Hier ist es so anders als in den amerikanischen Serien – viel angenehmer.

"Krone": Sie arbeiteten während Ihrer Offizierskarriere ja auch im Ausland

Hofer: Ja, ich hatte drei Auslandseinsätze im Zuge der United Mission im Kosovo. Ich war fast fünf Jahre in Ex-Jugoslawien, direkt nach dem Krieg. Wir bauten Gefängnisse auf, bildeten Justizwachebeamte aus und sorgten dafür, dass sie weiterarbeiten konnten.

"Krone": Gab es Situationen, die Sie besonders herausforderten?

Hofer: Natürlich, einmal haben Insassen auf dem Dach rebelliert. Und jeden Tag musste ich mit 60 Nationalitäten zusammenarbeiten, musste diese teilweise führen. Ich weiß jetzt: Ich bin stolz, Österreicherin zu sein! Ich bin dann gerne nach Hause gegangen, bei uns ist vieles wirklich sehr gut.

"Krone": Sie bekleideten anschließend leitende Aufgaben in den Justizanstalten Innsbruck und Linz

Hofer: Ja, erst jetzt habe ich die Uniform abgelegt!

"Krone": Was sind denn die ganz besonderen Herausforderungen für Sie jetzt?

Hofer: Ich will für meine Kollegen die Rahmenbedingungen erhalten, dass sie gut arbeiten können. Ich möchte, dass jeder am Abend gesund nach Hause geht und am nächsten Tag gerne wieder kommt.

"Krone": Befürchten Sie Einsparungen im Strafvollzug?

Hofer: Nein, momentan versuchen wir, in Linz vier Planstellen nachzubesetzen.

"Krone": Wie viele Personen sind hier inhaftiert?

Hofer: Knapp 470 Insassen – Männer, Frauen, Jugendliche. Wir haben Untersuchungshaft und Strafhaft. Sie warten bei uns auf die Verurteilung. Wenn sie die Zeit bei uns sinnvoll nutzen können, hilft ihnen das oft weiter. Darum sind mir unsere Betriebe für die Resozialisierung so wichtig.

"Krone": Welche Betriebe?

Hofer: Die Justizanstalt ist einerseits eine kleine Stadt in der Stadt, mit Wäscherei, Tischlerei, Küche und so weiter. Andererseits bieten wir auch Dienstleistungen für Firmen an und führen eine bio-zertifizierte Landwirtschaft. Hier können auch Analphabeten mitarbeiten.

E. Rathenböck

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Donnerstag, 21. Jänner 2021
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