Mi, 18. Juli 2018

Verschollene Kunst

13.02.2018 16:42

Sekretärin hatte Klimt-Bild daheim versteckt

Man dachte, die Geschichte um die in Linz verschwundenen Schiele- und Klimt-Bilder sei bereits ein veritabler Kunstkrimi. Doch das Verfahren ist gerade um eine Facette reicher geworden: zumindest das Klimt-Bild „Zwei Liegende“ ist jetzt aufgetaucht, versteckt im Schrank einer verstorbenen Museums-Sekretärin.

Die Vorgeschichte des Linzer Bilderstreites wurde zumindest für die Stadt Linz sehr, sehr teuer. Sie musste für vier verschollene Bilder – drei Schieles und den gerade wieder aufgetauchten Klimt – an die Erben insgesamt 8,3 Millionen Euro zurückzahlen. Diese hatten behauptet, ihre Mutter Olga Jäger habe die Bilder 1951 der damaligen Neuen Galerie geliehen – die Kunstwerke seien aber den Erben niemals zurückgegeben worden.

Klimt als "Schweigegeld"
Dass jetzt das Klimt Bild – eine Bleistiftzeichnung von zwei Liegenden – wieder aufgetaucht ist, entbehrt nicht einer gewissen Skurrilität. Die 1977 pensionierte Sekretärin von Walter Kasten, dem damaligen Leiter der Neuen Galerie, hatte den (damals bei weitem noch nicht so wertvollen) Klimt quasi als „Schweigegeld“ erhalten. Sie behauptet in ihrem Testament, dass sie den schlampigen Umgang von Kasten mit den Leihgaben gerügt hätte – worauf er sie um Stillschweigen bat und ihr den Klimt schenkte.

Im Schrank versteckt
Die alte Dame wusste zumindest in den letzten Jahren um die Brisanz ihres Bildes, denn sie versteckte das Corpus Delicti zuletzt in einem Schrank und verfügte in ihrem Testament, dass es nach ihrem Tod zurück an die Stadt Linz gehen solle. Als sie im Dezember des Vorjahres fast hundertjährig starb, machte sich ein Wiener Anwalt auf den Weg – und gab das Bild beim Magistrat Linz zurück. Für Bruno Binder, der die Stadt im Bilderprozess vertreten hat, ist das „ein historischer Fall“. Ein Strafverfahren kann es gegen die Tote nicht mehr geben, aber die Staatsanwaltschaft Linz wird jetzt ihre Erhebungen wieder aufnehmen.

Ab Freitag im Lentos
An der Echtheit der Zeichnung gibt es für Lentos-Restaurator Andreas Strohhammer keine Zweifel: „Es ist eindeutig ein Original, sogar mit Nachlassstempel“, bekräftigt er – und dieses wird ab Freitag auch in der neuen Ausstellung „Klimt.Moser.Schiele“ zu sehen sein. Den Wert schätzt Strohhammer auf „zwischen 60.000 und 100.000 Euro“.

Milli Hornegger, Kronen Zeitung

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