Fr, 21. September 2018

Anti-Terror-Chef warnt

09.02.2018 06:00

„Wir rechnen mit komplexen Anschlägen“

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat der Präsident der neuen Bundespolizei-Direktion Spezialkräfte in Deutschland vor Terroranschlägen in unserem Nachbarland gewarnt. "Wir sind glücklicherweise in Deutschland bisher von einem großen komplexen Szenario verschont geblieben, das heißt aber nicht, dass es in Zukunft, vielleicht sogar in naher Zukunft, nicht auf uns zukommt", sagte Olaf Lindner am Europäischen Polizeikongress in Berlin.

Laut Lindner führt kein Weg mehr daran vorbei, dass man sich stärker national und international vernetze. "Da sehe ich eine dringende Notwendigkeit, nicht nur polizeilich betrachtet, sondern, insbesondere auch zwischen Nachrichtendiensten und den Polizeieinheiten, aber auch dem Militär. Das muss ausgebaut werden", sagte er gegenüber der "Berliner Zeitung". Ziel sei es, gemeinsame Standards für Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzverfahren zu entwickeln.

Als Reaktion auf die jüngsten Terroranschläge in Deutschland und Europa hat die Bundespolizei im August 2017 eine neue Direktion in Berlin eingerichtet. Von dort aus sollen künftig unter anderem komplexe Einsätze gesteuert werden. Der Direktion sind Spezialeinheiten der Bundespolizei unterstellt - etwa die Elitetruppe GSG9, der Flugdienst oder Fachleute zur Bombenentschärfung.

Aufholbedarf bei Erstversorgung von Terroropfern
Zudem sieht Lindner noch Nachholbedarf in den eigenen Reihen bei der medizinischen Erstversorgung von Terroropfern. Die Auswertung von Anschlägen habe ergeben, dass die meisten Opfer an schwersten Blutungen unmittelbar nach den Anschlägen gestorben seien. Einsatzkräfte seien nicht ausreichend ausgebildet und ausgerüstet gewesen, um diese Opfer zu versorgen. Nach einem Anschlag dürften Rettungskräfte oft erst gar nicht in die Sicherheitszone.

Mehr Aus- und Fortbildung
Es brauche deshalb mehr Aus- und Fortbildung für die Kontroll- und Streifenbeamten der Bundespolizei an sensiblen Verkehrsknotenpunkten. Sie sollen in die Lage versetzt werden, schnellst- und bestmögliche Versorgung zu leisten. "Wir glauben, dass es da bei uns, aber vielleicht in anderen Organisationen auch, den einen oder anderen Verbesserungsbedarf gibt." Man wolle dafür sorgen, "dass wir unser Leistungsniveau in diesen Segmenten anheben". In der Direktion gebe es deshalb eine Projektgruppe "Taktische Medizin".

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.