Wiener Wohnen

Im Gemeindebau: Friseurin beklagt unfaire Mieten

Im Conrad-Lötsch-Hof in Floridsdorf zahlen die Geschäftsinhaber für gleichgroße Räume unterschiedliche Mieten. Bevorzugt werden dabei vor allem neue Pächter, die monatlich weniger begleichen müssen, als jene Gewerbetreibende, die seit zwanzig Jahren dort ansässig sind. So wie Manuela Müller, Inhaberin des Friseur Hollywood. "Meine Miete steigt jedes Jahr. Das kann es doch nicht sein. Alles was ich möchte, ist eine faire Lösung", erklärt sie im City4U-Talk. Laut Wiener Wohnen sind Unterschiede zwischen Neu- und Bestandsmieten jedoch üblich.

"Bereits seit 1993 habe ich meinen Friseursalon jetzt im Conrad-Lötsch-Hof. Damals habe ich das Lokal desolat übernommen und alles selbst renoviert, auch eine Toilette eingebaut. Trotzdem steigt meine Miete jedes Jahr. Bei der Neuvergabe werden die Geschäfte jedoch billiger angeboten", ärgert sich Müller. Obwohl das Lokal eines Neumieters um sieben Quadratmeter größer ist als ihr Salon, zahlt die Friseurin 200 Euro pro Monat mehr als der Nachbar.

#Unfair

Als sich Müller an Wiener Wohnen wendete, wurde ihr mitgeteilt, dass sie einen alten Mietvertrag hätte und man da nichts machen könne. "Das Einzige was ich möchte, ist, dass unser Zins an den der Neuen angepasst wird. Ich bin ein beständiger Mieter, zahle schon sehr lang. Das wäre doch mein gutes Recht", betont die Friseurin. Ihre Nachbarin, die Betreiberin der Blumenecke, musste das Lokal aufgeben, da sie die Miete nicht mehr zahlen konnte. "Sie hat bei Wiener Wohnen um eine Reduktion angesucht, die wurde ihr aber verwehrt. Der neue Mieter zahlt jetzt dafür weniger", schüttelt Müller den Kopf.

#Zermürbend

Auch mit der Bezirksvorstehung wurde bereits gesprochen. Diese leitete eine parlamentarische Anfrage an Wiener Wohnen, die die unterschiedlichen Mieten mit einer anderen Ausstattung der jeweiligen Ladenlokale begründete. "Das ist doch ein Blödsinn. Wir haben das Lokal selbst renoviert und Geld reingesteckt. Wir hatten am Anfang das gleiche wie die anderen. Die Ausgangssituation ist immer dieselbe. Jeder kann ja selbst entscheiden, was er für seinen Laden möchte, muss es aber auch selbst bezahlen", sagt sie. Zudem teilte Wiener Wohnen Frau Müller schriftlich mit "dass in bestehende Mietverträge nicht eingegriffen werden kann". Das sieht Müller jedoch anders: "Ein Inhaberwechsel, nämlich von Capka Heinz als Person auf eine GmbH., war kein Problem. Hierbei wurde auch eine Änderung in einem bestehenden Mietvertag vorgenommen."

#Wiener Wohnen bittet um Verständnis

Die Friseurmeisterin möchte nur, dass alle Geschäftsleute gleich gestellt sind im Lötsch-Hof. "Ich weiß nicht mehr weiter. Egal an wen ich mich wende, es geht nicht voran", bedauert Müller. Auf City4U-Anfrage bei Wiener Wohnen, antwortet Pressesprecherin Renate Billeth: "Die Vermietung von Lokalflächen im Gemeindebau erfolgt seit Jahrzehnten zu einem Mietzins, der von der MA25 - Prüfstelle für Wohnhäuser zum Zeitpunkt der Anmietung als jeweils angemessen bewertet wird. Neben klassischen Ausstattungskriterien spielt auch die Attraktivität des Standorts eine Rolle. Daher kann es in manchen Fällen, wie eben im Lötsch-Hof, dazu führen, dass Neumietern manchmal ein günstigeres Angebot gemacht wird, wenn etwas der Standort über die Jahre etwas an Attraktivität eingebüßt hat." Weiters fügt Wiener Wohnen hinzu: "Wir bitten jedoch um Verständnis, dass Bestandsmieten von Wiener Wohnen weder außervertraglich erhöht noch gesenkt werden."

#Nicht aufgeben

Die Friseurmeisterin hat jedoch kein Verständnis dafür: "Ich werde diesbezüglich nicht aufgeben. Ich muss noch mit den restlichen Altmietern sprechen, die ebenfalls bei Wiener Wohnen bezüglich Mietanpassung angefragt haben. Bis jetzt hatten wir jedoch keine Chance. Man sagt uns wir können ja das leere Nachbarlokal nehmen. Das würde ich ja machen, aber wer löst mir meine Investition ab. Ich müsste dann ja wieder investieren, weil Wiener Wohnen ja nichts renoviert."

Februar 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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