Justizwachebeamtin

„Man ist immer der erste Ansprechpartner“

Obwohl die Justizanstalt Josefstadt nur auf 920 Personen ausgelegt ist, befinden sich gerade 1.144 Insassen dort. U-Häftlinge, die auf ihre Gerichtsverhandlung warten, sowie Strafgefangene, die eine Freiheitsstrafe von höchstens 18 Monaten ausgefasst haben. Viel zu tun für Justizwachebeamtin Melanie Wimberger, die seit 2005 hinter Gittern arbeitet. "In diesem Beruf ist man ein Allrounder: Exekutive, Sozialarbeiterin und Psychologin. Für die Häftlinge ist man immer der erste Ansprechpartner", weiß die 35-Jährige.

„Die Öffentlichkeit weiß zu wenig über unseren Beruf. Viele Menschen haben bei uns das Bild vom wortwörtlichen Wärter, der nur Türen auf- und zusperrt. Natürlich gehört das auch dazu, aber das Berufsbild des Justizwachebeamten ist weitaus vielschichtiger“, betont Mag. Kerstin Mitsch, die seit 2015 die zweite stellvertretende Anstaltsleiterin ist. In der Früh ist der erste, den die Häftlinge sehen, der Justizwachebeamte und am Abend ist er der letzte, den sie sehen.

#Begehrte Jobs

550 Mitarbeiter gibt es in der Justizanstalt Josefstadt, 450 davon zählen zur Exekutive. Trotzdem ist es zu wenig Personal für die wachsende Zahl an Insassen. Beim City4U-Besuch hinter Gittern merkt man von der Not an Justizwachebeamten nach außen hin nichts. Überhaupt ist die Stimmung dort ganz anders als erwartet – locker, fast fröhlich. In der Wäscherei, in der jedes Jahr 300 Tonnen an Kleidung gereinigt und gebügelt werden, versehen die Justizwachebeamten ihren Dienst mit den Häftlingen. Eine Arbeit ist für die Insassen das wichtigste. Diejenigen die keinen der in etwa 340 Jobs ergattern konnten, verbringen 23 Stunden am Tag in ihrem Haftraum. „Wir sagen immer, beschäftigen wir die Insassen, beschäftigen sie uns nicht“, schmunzelt Mitsch. Zu den 18 Betrieben zählen unter anderem die Anstaltsküche, die Tischlerei, die Schlosserei, die Wäscherei sowie Reinigungstätigkeiten im Hause und auf den Abteilungen. „Vor allem am Vormittag lebt das Haus. Es ist wie ein kleines Dorf mit 1.144 Bewohnern“, findet Wimberger. Es gibt eine Sonderkrankenanstalt mit Ambulanzbereich wo unter anderem ein Zahnarzt, Gynäkologen und andere Fachärzte ihren Ordinationsdienst versehen.

#Frauen sind emotionaler

In den einzelnen Trakten des Labyrinth-artigen Gebäudes leben Frauen, Männer und Jugendliche – getrennt voneinander. „Die Frauen sind etwas anstrengender als die Männer, weil sie ganz einfach emotionaler sind. Sie reden viel mehr, fragen viel und beschweren sich über Hitze, Kälte, Hunger und dergleichen. Es ist aber auch ganz humorvoll zwischendurch“, erzählt Wimberger. Mit den Männern habe sie als weibliche Justizwachebeamtin keine Probleme: „Wenn man selbstbewusst auftritt, dann wird man auch respektiert.“ Natürlich werden alle Insassen gleich behandelt,  aber es ist nur verständlich, dass man lieber mit jenen zusammenarbeitet, die sich normal verhalten, als mit jenen die Aggressivität an den Tag legen.  Gelegentlich kommt es auch vor, dass sie von Häftlingen beschimpft oder beleidigt wird. „Das nehme ich aber nicht persönlich. Meistens bezieht sich das ja auch nicht auf mich, sondern auf die allgemeine Situation“, erläutert die 35-Jährige. Es gibt aber auch Lob von den Häftlingen. In der Jugendabteilung hängt im Stützpunkt der Beamten ein Brief von einem Häftling, der mit ihrer Arbeit sehr zufrieden ist und dies auch kundtut.

#Routine stellt sich nie ein

Mit 22 Jahren hat Melanie Wimberger als Justizwachebeamtin begonnen. Nach einer zwölfmonatigen Ausbildung war sie beim ersten Dienstantritt sehr nervös. Routine habe sich zwar noch immer nicht eingestellt, da jeder Tag anders sei und stets neue Herausforderungen warten würden, jedoch kenne man die Abläufe genau. Flexibel, kommunikativ und stressresistent zu sein, hält die 35-Jährige in diesem Metier für besonders wichtig. Sie ist im Wachzimmer tätig, das Herzstück der Justizanstalt. Ob Dienstpläne, Ausgänge, Neuankömmlinge, Gerichtsverhandlungen und mehr – alles liegt in Wimbergers Hand. Darüber hinaus werden Justizwachebeamten noch im Abteilungsdienst, in Betrieben oder in der Verwaltung eingesetzt.

#Dein Nachbar

Egal wo man in der Justizanstalt arbeitet, Empathiefähigkeit ist Voraussetzung. „Wir werten nicht und wir urteilen auch nicht. Wir wollen den Insassen ein gutes Menschenbild und eine Werteordnung zeigen. Wir begleiten und betreuen sie. Die Arbeit die wir hier leisten, hat auch eine große Bedeutung für die Bevölkerung – immerhin werden sie ja auch wieder entlassen und dann möchten Sie ja auch einen Nachbarn haben, der im Gefängnis auf einen positiven Weg gebracht wurde“, beschreibt Mitsch. Bei all der Verantwortung und Gefahr, die dieser Beruf mit sich bringt, kommt der Spaß aber auch nie zu kurz. Zum Schmunzeln gibt es immer etwas. Wie der Häftling, der erfreut über einen günstigen Tabak, ihn sogleich über die Einkaufsliste des Gefängnisses bestellte, um dann zu erfahren, dass „Tabak“ für die Farbe der Strumpfhose stand – nicht für das Genussmittel. Oder die Gruppe von Häftlingen die Zucker mit Zuckerl verwechselt hatte und statt Süßungsmittel für den Tee, nur Hustenbonbons erhalten hat.

#Mitarbeiter gesucht!

Im Moment werden 200 neue Justizwachebeamten gesucht. In einem fünfstufigen Auswahlverfahren, bestehend aus einem Multiple-Choice-Test zu sprachlichen und mathematischen Aufgaben, einer ärztlichen Untersuchung, einem Fitness-Test sowie einer psychologischen Begutachtung und einem Aufnahmegespräch. Talente und Ausbildungen die man mitbringt, sind immer willkommen: „Wir suchen vor allem auch Handwerker, die mit den Häftlingen in den Werkstätten arbeiten. Auch Menschen mit Migrationshintergrund und Frauen sollen sich bewerben“, sagt Mitsch. Das Gehalt in den ersten sechs Monaten der Ausbildung beträgt 1200 Euro/netto. Das Einstiegsgehalt nach Dienstantritt beginnt bei 2000 Euro/netto. Wer also über hohe soziale wie fachliche Kompetenz für die Herausforderungen im Spannungsfeld von Sicherheits- und Betreuungsleistung verfügt, kann sich hier online bewerben.

Februar 2018 

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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