Fr, 17. August 2018

Erdogan-Angriff stockt

27.01.2018 10:12

Kurden spotten: „Nutzt die Chance, ergebt euch!“

Seit einer Woche rückt die Türkei im Rahmen der „Operation Olivenzweig“ mit Luftangriffen und Bodentruppen gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in der syrischen Region Afrin vor. Von einem breit angelegten Vormarsch ist Recep Tayyip Erdogans Armee aber weit entfernt. Weshalb die kurdischen Kämpfer bereits spotten: „Unsere Truppen laden euch zur Aufgabe ein. Nutzt diese Gelegenheit und ergebt euch!“ Im Video oben sehen Sie Szenen aus dem Krisengebiet.

Die Region Afrin wird schon seit dem jahr 2012 von der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) und ihrem militärischen Arm, den YPG, kontrolliert. Afrin gehört zu einer selbst erklärten "föderalen Region" aus drei "Kantonen" im Norden Syriens, in der die Kurden mit der stillschweigenden Duldung Assads autonome Strukturen aufgebaut haben.

Bei einem Truppenbesuch an der syrischen Grenze hat sich Präsident Erdogan am Donnerstag zwar siegesgewiss gezeigt, doch bislang sind die türkischen Einheiten nur an sechs Stellen wenige Kilometer weit in den kurdischen Kanton Afrin vorgedrungen und haben nur ein knappes Dutzend Dörfer erobert.  Der Militäreinsatz gegen kurdische Gruppierungen jenseits der Grenze in der Region Afrin werde fortgeführt, "bis ein Ergebnis erzielt ist", sagte Erdogan.

YPG will die Moral der Türken zersetzen
Für die YPG ist jeder Tag, den sie der türkischen Armee trotzt, ein Erfolg. Nach mehreren erfolgreichen Gegenangriffen, versuchten die kurdischen Kämpfer zuletzt mit Propaganda die Moral der türkischen Soldaten zu zersetzen. "Unsere Truppen laden euch zur Aufgabe ein", heißt es in einer Erklärung der YPG. "Nutzt diese Gelegenheit und ergebt euch!"

Kurden als Verbündete der USA im Kampf gegen den IS
Die YPG ist aber auch ein enger Verbündeter der Vereinigten Staaten im Kampf gegen die Dshihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und wird daher mit Waffen und Spezialkräften unterstützt. Auch nach dem Sieg über die IS-Miliz will Washington zum Ärger der Türkei an dem Bündnis festhalten. Die Offensive ihres NATO-Partners in Afrin bringt die USA und andere Bündnispartner nun in eine schwierige Situation.

Bedrängte Kurden bitten Assad um Hilfe
Die Kurden in der Region Afrin haben am Donnerstag auch die Regierung von Syriens Präsident Bashar al-Assad um Beistand gegen die Militäroffensive der Türkei aufgerufen.Die syrische Regierung sei in der Pflicht, Afrin zu verteidigen, denn die Region sei "ein untrennbarer Teil Syriens", sagte ein kurdisches Regierungsmitglied.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder

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