Mo, 23. Juli 2018

Album „Countries“

22.01.2018 12:00

Van William: Neu eingekleideter Folk-Pop

Van William war Frontman der viel zu früh verglühten Port O'Brien. Das Erbe der Indie-Folk-Band führt der Sänger und Gitarrist nun auf seinem ersten unter eigenem Namen erschienenen Album fort. "Countries" geht aber trotz Reminiszenzen an alte Tage eigenen Wege - mit Neil Young als spirituellem Führer, wie Van William im APA-Interview erzählte. Herzschmerz und Alaska spielten auch wichtige Rollen.

Nach Port O'Brien gründete der als Van William Pierszalowski 1984 in Kalifornien geborene Musiker die Band Waters, um neue Wege zu erforschen. "Bei Port O' Brien drehte sich alles sehr um Stimmung und Atmosphäre. Bei Waters dagegen machte ich mir mehr Gedanken über mich selbst und über die Strukturen der Songs. Mit meinem neuen Projekt führe ich diese beiden Welten zusammen", sagte der charismatische Van William.

Gebrochenes Herz
Mit dem Schreiben der Lieder für "Countries" begann Van William noch auf Tournee mit Waters, als er sich plötzlich nicht mehr so richtig mit der Musik dieser Band identifizieren konnte. "So eine Erfahrung hatte ich in meiner Karriere vorher nie gemacht. Mir wurde rasch klar, dass ich etwas Neues schaffen muss. Zugleich habe ich einige sehr intensive persönliche Dramen durchgemacht", berichtete der Amerikaner. "Ein Beziehungsende nach sechs Jahren hatte mich hart getroffen. Mein Herz war zum ersten Mal in meinem Leben wirklich gebrochen."

Damit nicht genug, ein wichtiger Teil im Leben des Musikers ging mit der Pensionierung seines Vaters, eines Berufsfischers, zu Ende. Die Sommer verbrachte Van William bis dahin auf der "Shawnee", dem Boot seines Vaters vor Kodiak Island in Alaska. Dort entstanden etwa auch die Lieder von Port O'Brien. "Alaska ist zu einem Teil meiner DNA geworden", sagte Van William. "Auf einmal war eben alles anders, wirklich alles. Diese Songs zu schreiben glich einer therapeutischen Sitzung."

Maritime Kreativität
Zunächst arbeitete der 33-Jährige alleine: "Ich habe viele Nächte in meinem Zimmer verbracht, mich eingeraucht und die Songs gespielt, sie mir über Kopfhörer angehört. Irgendwann sind die kleinen, intimen Lieder gewachsen und erwachsen geworden." Von einem Freund, Jim James von My Morning Jacket, erfuhr William von einem den Ozean überblickenden Studio in Marin County im Norden von San Francisco - "die perfekte Umgebung!". Einen Plattenvertrag hatte er damals aber keinen. "Also habe ich das Studio für zehn Tage mit meinem eigenen Geld gebucht und meine besten Freunde eingeladen."

Die Atmosphäre im Studio erinnerte Van William an jene legendären, zügellosen Sessions der Rolling Stones in Frankreich, aus denen "Exile On Main Street" hervorging - "nur ohne die harten Drogen". "Wir nahmen Lieder auf, rauchten Marihuana, hörten Platten, spielten Würfel, empfingen Freunde. Es war eine wilde, aber zugleich sehr konzentrierte Zeit." Das Albumcover von Neil Youngs Klassiker "On The Beach" hatte man als "spiritual guide" im Studio hängen: "Er ist mein größer Held", so Van William.

Tiefe Freundschaft
Auf drei Liedern auf "Countries" singen Klara und Johanna Söderberg alias First Aid Kit mit, "Revolution" gar im Duett mit Van William. Dieser Song bescherte dem Künstler schließlich einen Major-Vertrag, nachdem man via Spotify auf ihn aufmerksam geworden war. Mit den Söderberg-Schwestern verbindet Pierszalowski eine tiefe Freundschaft: "Ihre erste Europatour haben First Aid Kit als Vorgruppe von Port O' Brien gemacht. Wir sind nicht unbedingt in engem Kontakt geblieben - jeder hatte seine Agenda und es lag ja der Atlantik zwischen uns. Vor ein paar Jahren habe ich Klara und Johanna auf einer Party in LA wieder getroffen. Seitdem reden wir jeden Tag miteinander. Ich fühle mich in ihrer Gegenwart einfach wohl."

Hört man "Countries" und schaut man sich die Bilder von Alaska im Booklet an, hat man das Gefühl, die Natur könnte eine wichtige Inspiration für Van William und seine Platte gewesen sein. "Um ehrlich zu sein, haben mich menschlichen Dramen, durch die ich gegangen bin, immer mehr inspiriert", meinte dieser. "Aber Alaska war trotzdem extrem wichtig für mich, eine Flucht aus der Welt. Auf dem Schiff gab es keine Mobiltelefone, kein Internet, nur die Crew. Man wirft alles Unwichtige über Bord und konzentriert sich auf die Songs. Alaska war nie Urlaub, eher ein Ort, um mich auf das Wesentliche zu fokussieren."

APA/Hauptmann

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