Do, 16. August 2018

„Misswirtschaft“

17.01.2018 17:28

300 Gangbetten in Spitälern in nur einem Monat!

Gehörig Schelte hat es seitens des Rechnungshofes an der Gangbettensituation in den Häusern des Wiener Krankenanstaltenverbundes gegeben: So war ein breit gefächertes Managementversagen auf allen Ebenen diagnostiziert worden. 300 Gangbetten wurden im Vorjahr in den KAV-Spitälern gezählt - und zwar allein im Monat April! Doch auch die Anschaffung von teurem Equipment, das ungenutzt blieb und schließlich zu einem Spottpreis wieder verkauft wurde, wurde von Rechnungshof kritisiert.

Laut den Prüfern wurden seit dem Jahr 2006 "zahlreiche Vorgaben und Maßnahmen zur Vermeidung von Gangbetten gesetzt", die Wirksamkeit dieser Maßnahmen hielt sich aber in äußerst engen Grenzen. Interne Daten zeigen, dass im April 2017 genau 300 Gangbetten in den KAV-Spitälern gezählt wurden. 210 Patienten lagen 12 bis 24 Stunden auf dem Flur, 90 Personen sogar mehr als einen Tag lang. 

Ingrid Korosec, Gesundheitssprecherin der ÖVP Wien: "Managementfehler des KAV führen zu enormen Risiken für die Patienten und für das gesamte Personal, welches in den Krankenhäusern tätig ist." Stichwort Brandgefahr.

Bevölkerungszahl gestiegen, Zahl der Betten gesunken
Zudem hatte - wie berichtet - ein Jahresvergleich von 2006 und 2016 gezeigt, dass die Zahl der systemisierten Betten in den Spitälern stark sank: von 9068 auf 8217. Das sind minus 9,4 Prozent. Angestiegen ist dafür die Zahl der gesperrten Betten: von 970 auf 1183. Gesperrte Betten gibt es etwa durch Personalmangel in geschlossenen Stationen. In den Wiener Städtischen Krankenhäusern stieg die Anzahl der gesperrten Betten um 40,6 Prozent an, wohingegen sie sich im AKH um 22,3 Prozent verringerte. "Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass im gleichen Zeitraum die Bevölkerung Wiens um 11,4 Prozent anstieg", hatte es dazu seitens des Rechnungshofes geheißen.

Teure Sortiermaschine blieb ungenutzt
Und auch diesen Umstand kritisierte der Stadrechnungshof: Der Krankenanstaltenverbund kaufte eine Pillensortiermaschine für insgesamt 1,659.000 Euro (plus Wartungskosten), ließ sie ungenutzt vergammeln und verkaufte sie schließlich für lächerliche 10.000 Euro (!). "Ein Beispiel haarsträubender Misswirtschaft", so Dietbert Kowarik von der FPÖ.

Michael Pommer und Alex Schönherr, Kronen Zeitung/krone.at

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