Mi, 24. April 2019
22.12.2017 15:22

Erlaubnis vor Sex

Wie Frauen über das „Einverständnis-Gesetz“ denken

Über dieses Thema spricht das Land: Schweden will ein „Einverständnis-Gesetz“ für Sex einführen. Die „Krone“ fragte landesweit bei Frauen nach.

Der Kurs ist für Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven klar: „Sex muss freiwillig sein. Ist er nicht freiwillig, ist er nicht legal.“ Wer also voraussichtlich ab 1. Juli 2018 in Schweden ein Schäferstündchen haben will, muss aktiv um Erlaubnis bitten, und diese muss auch deutlich – im Zweifelsfall am besten schriftlich – gewährt werden. Sonst droht eine Verurteilung wegen Vergewaltigung, auch ohne erkennbare Auseinandersetzung oder Gewalt.

Die Idee dahinter: Frauen sollen besser vor Übergriffen geschützt werden. Die Maßnahme ist auch eine Reaktion auf die weltweite #metoo-Bewegung. Andere europäische Länder wollen dem aufsehenerregenden Modell folgen, doch es gibt jede Menge Kritik: Übertrieben und praktisch nicht realistisch, meinen viele Österreicherinnen in der „Krone“-Umfrage. Einigkeit gibt es beim besseren Opferschutz und bei härteren Strafen für Sexualstraftäter.

Melanie Eidenberger (24), Steyr, und Claudia Schuster (24), Linz: „Sehr krank – ein Mann kann sich nicht mehr sicher sein, ob und wann er jetzt eine Frau belästigt. Einen Vergewaltiger wird es nicht abhalten, bei normalen Pärchen regelt sich das alleine.“

Claudia Kaltenegger (43) aus dem niederösterreichischen Bad Vöslau, Facharztassistentin: „Das neue Einverständnis-Gesetz in Schweden ist sicherlich übertrieben, denn ein ausdrückliches Ja vor dem Sex ist wohl sicherlich nicht notwendig. Ich bekomme genug Komplimente und im Normalfall reicht ein klares Nein, wenn es einmal zu weit gehen sollte.“

Julia Tausch (20), Innsbruck: „Ich denke, in den allermeisten Fällen ist klar, ob man das will oder nicht. Und wenn nicht, dann müsste man das ja irgendwie beweisen – also etwas unterschreiben, und das macht doch niemand! Wie will man das auch kontrollieren? Letztendlich kann ich mir nicht vorstellen, dass so ein Gesetz eine positive Auswirkung auf das eigentliche Problem hat.“

Claudia Felix (27) aus Nendeln, Vorarlberg: „Das ist und bleibt ein schwieriges Thema, da steht Aussage immer gegen Aussage, und die Beweislast ist in der Regel sehr schwierig. Statistisch gesehen melden sich die echten Opfer viel später und nur wenige Frauen sind stark genug und bringen eine Vergewaltigung gleich zur Anzeige. Der gesunde Menschenverstand sollte diesem Gesetzesparagrafen ganz einfach vorgezogen werden.“

Susanne Jakope aus Graz: „Für mich ist es nicht vorstellbar, dass mich ein Mann das fragt oder umgekehrt. Das soll sich von alleine ergeben.“

Renate Lehner (48), Verkäuferin, Wien: „Das Gesetz in Schweden ist ein vollkommener Blödsinn. Da vergeht mir ja die Lust darauf, wenn man das vorher noch schriftlich machen muss. Mündlich könnte man es nachher ja auch abstreiten. Hoffentlich kommt das Gesetz nicht zu uns.“

Corinna Pibal (22) aus Klagenfurt: „Sex ist Privatsphäre jedes einzelnen Pärchens. Das geht niemanden etwas an. Es gibt schon so viele Gesetze, doch in diesem Bereich wird der Bürger wohl noch selber entscheiden dürfen. Mehr Autonomie muss her!“

Alexandra Prodinger (28), Ramingstein (Salzburg): „Genauso wie man jemanden zum Sex zwingen kann, kann man auch eine Unterschrift erzwingen. Horrende Strafen für Sexualstraftäter, Schutz für Opfer und gegebenenfalls Unterstützung, um sich vor einer Aussage nicht zu fürchten, wären bestimmt ein besserer Lösungsansatz.“

Michael Pichler und die Bundesland-Redaktionen, Kronen Zeitung

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