05.07.2009 12:31 |

60er-Ikone in Wien

Marianne Faithfull begeisterte in der Staatsoper

Anfang März ist Sängerin und Schauspielerin Marianne Faithfull im Rahmen der "Women's World Awards"-Gala in der Wiener Stadthalle für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Am Samstagabend weilte die einstige Muse der Rolling Stones erneut in der Bundeshauptstadt - dieses Mal für einen Auftritt im Rahmen des Jazzfest Wien. In der fast ausverkauften Staatsoper präsentierte die 62-Jährige ihr im Herbst veröffentlichtes Album "Easy Come, Easy Go" sowie ihre bekanntesten Songs aus den 60er- und späten 70er-Jahren.

Begleitet von einer großartigen siebenköpfigen Band eröffnete die Britin mit österreichisch-ungarischen Wurzeln (ihre Mutter war eine Enkelin von Leopold von Sacher-Masoch) den Auftritt mit dem Titel "Times Square" (vom 1983 erschienen Album "A Child's Adventure"). Beginnend mit einer großartigen Coverversion von Dolly Partons "Down From Dover" folgten nicht weniger als fünf Songs aus ihrem neuen Opus "Easy Come, Easy Go", darunter auch der Titelsong, der aus der Feder der amerikanischen Rock-Poetin Patti Smith stammt.

Bilder vom Auftritt in der Infobox!

"Broken English", der Titelsong aus dem wohl bekanntesten, 1979 erschienenen Album der Chanteuse folgte. Großartig anschließend Faithfull's Version von Randy Newmans "In Germany Before The War", einer wahren Geschichte über einen Kindermörder in Düsseldorf. Der Song wurde mit einigen Takten aus "Die Moritat von Mackie Messer", dem wohl bekannteste Lied aus der "Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht und mit einem ungewöhnlichen Instrument, einer singenden Säge, eingeleitet.

Viele Coverversionen im Programm
Zu den Höhepunkten des Abends zählten neben "Crazy Love" (vom 2005 veröffentlichten Album "Before The Poison"), das Faithfull mit Nick Cave geschrieben hat, wohl der Titel "Kimbie", eine gefühlvolle Coverversion eines Songs des nahezu unbekannten amerikanischen Folk-Sängers Jackson C. Frank. Auch der Hit "The Ballad Of Lucy Jordan" und "Sister Morphine", ein 1969 veröffentlichter Song, der Faithfulls Drogensucht thematisierte, durften natürlich nicht fehlen.

Mit den Worten "Back to the beginning" kündigte Faithfull dann jene Komposition aus der Feder ihrer einstigen Liebhaber Mick Jagger und Keith Richards an, mit der sie anno 1964, ihre Karriere begonnen hat: "As Tears Go By". Nach zwei Zugaben, "Why D'Ya Do It?" (von der LP "Broken English") und dem Country-Titel "Sing Me Back Home" endete nach exakt 90 Minuten der Wien-Auftritt der 60er-Ikone.

Fazit: Zugegeben, man muss die knarzige, tiefe und rauchige Stimme der einstigen 60er-Jahre-Ikone mögen, aber wer zu einem ihrer Konzerte geht, weiß wohl, warum er das tut. Mit Jazz im herkömmlichen Sinne hatte der Auftritt Faithfulls zwar wenig zu tun, der Auftritt der 60er-Jahre-Ikone war aber trotzdem sich eines der Highlights des Jazzfest 2009.

von Wilhelm Eder
Fotos: Andreas Graf

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