Fr, 17. August 2018

Harte Worte

11.05.2009 16:13

Berlusconi ist "Schande für ganz Europa"

Das Match zwischen dem italienischen Premier Silvio Berlusconi und Finnland geht wohl in die nächste Runde. Am Wochenende machte die Partei des finnischen Regierungschefs Matti Vanhanen, die Zentrumspartei, die jüngsten Scherze Berlusconis auf Kosten Finnlands zum Gegenstand ihrer EU-Wahlkampagne. Finnlands Ex-Außenminister Erkki Tuomioja (gr. Bild) schrieb in sein Internet-Tagebuch, Berlusconi sei eine Schande für Italien sowie für Europa und nannte ihn in einem Atemzug mit der von der EU und den USA nach wie vor als terroristisch eingestuften palästinensischen Regierungspartei Hamas.

Die Reaktionen beziehen sich auf Aussagen Berlusconis, die dieser vergangene Woche bei einem Besuch in Rom tätigte. Er machte sich vor laufender Kamera über den Stolz der Finnen auf ihre Holzkirchen lustig und meinte mit Bezug auf den Rosenkrieg mit seiner Frau Veronica Lario (siehe Storys in der Infobox), er liebe dennoch alle Finnen und Finninnen, letztere unter der Voraussetzung, dass sie volljährig seien. Die Bemerkungen bekamen viele Finnen erneut in die falsche Kehle, insbesondere als die "Fehde" zwischen Berlusconi und dem nordeuropäischen Land eine längere Vorgeschichte hat.

Die Zentrumspartei nahm die Aussagen zum Anlass, für ihre EU-Kandidaten zu werben. Diese seien geeignet, "Politikern von der Sorte Berlusconis, die aus heiterem Himmel zur Zerstörung der Holzkirche von Petäjävesi" aufrufen könnten, in Brüssel Einhalt zu gebieten und für Finnland schädliche Entscheidungen in Brüssel zu verhindern, so das Räsonnement der Partei. Die Wahlwerbung läuft unter dem ironischen Titel "Berlusconi dürfte nicht immer für Finnland sein".

Scharfe Kritik an chauvinistischen Witzeleien
Der "Corriere della Sera" machte daraus am Sonntag einen Artikel. Am selben Tag zog der finnische Ex-Außenminister Erkki Tuomioja in seinem Internet-Tagebuch ungewöhnlich hart mit Berlusconi ins Gericht: Er bezeichnete darin den italienischen Regierungschef als "Schande nicht nur für Italien, sondern für ganz Europa". Tjuomioja verwies auf frühere, chauvinistische Witzeleien Berlusconis - unter anderem im Jahr 2002, als er die ein Jahr später ermordete schwedische Außenministerin Anna Lindh dermaßen verärgert habe, dass sie daraufhin Berlusconi vollkommen ignorierte.

"Erschreckend weitreichende" mediale Machtposition
Als größeres Problem beschreibt Tuomioja allerdings die Art, wie Berlusconi mit Hilfe seines Vermögens und seiner politischen und "erschreckend weitreichenden" medialen Machtposition wiederholt Anklagen wegen Korruption und anderen Gesetzesbrüchen im Sand verlaufen lässt. Berlusconi sei zwar demokratisch legitimiert, schreibt der langjährige finnische Außenminister, das seien allerdings auch die Hamas in Palästina und Wladimir Putin in Russland...

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