21.01.2004 21:28 |

"Krone"-Serie

Die Schule braucht einen Manager

Alle paar Minuten läutet das Telefon, eine Besprechung hier, ein Termin dort - Geschäftsmann Alexander Hartig weiß, was Stress ist und auch wie wichtig gute Mitarbeiter sind. "Mit der absurden Personalpolitik einer Schule könnte kein wirtschaftliches Unternehmen überleben", so der vierfache Familienvater.
Und meint damit: Der Direktor kann sich seineLehrer nicht aussuchen, er muss nehmen, was kommt. Hartig: "DieSchule braucht mehr Freiheiten, sie muss wie ein Betrieb geführtwerden. Dann gäbe es auch einen besseren Qualitätswettbewerbzwischen den einzelnen Schulen." Eine Forderung, mit der er wahrlichnicht allein da steht.
 
Auch Peter Slanar, Direktor einer HAK in Wien-Favoriten,ärgert sich schon seit langem, dass es "kein klares Anforderungsprofil"für Pädagogen gibt. Die einzige Voraussetzung füreinen Job sei das abgeschlossene Studium. Slanar: "Das sind Strukturenaus dem vorigen Jahrhundert. Für den Lehrberuf braucht mandoch mehr als pures Fachwissen. Ohne Berufung für den Jobkann man diese Arbeit nicht gut machen. Da müssen jetzt endlichneue Qualitätsmerkmale für die Pädagogen, eineneue Definition des Berufs geschaffen werden."
 
In unzähligen Briefen, E-Mails und Anrufenfordern viele etwa, dass der Direktor ein eigenes Budget fürjeden Schüler bekommt. Mit dem er dann nach eigenem Willenwalten kann. Spart er beispielsweise bei den Schulbüchernoder in einem anderen Bereich, kann er vielleicht einen Lehrermehr anstellen. Und so die Klasse für den Sprachunterrichtteilen - lernt es sich doch in kleinen Gruppen wesentlich leichterund schneller, außerdem kann so noch auf den Einzelnen eingegangenwerden. Denn bei Schülerzahlen von 30 und mehr klagen nichtnur Kinder, sondern auch die Pädagogen, dass "oft nicht vielweitergeht".
 
Englischlehrerin Iris Absolon betont: "Gerade beiden Sprachen sind kleinere Gruppen sehr wichtig. Schließlichwird von uns ja auch verlangt, die Schüler europafit zu machen."Außerdem würden die Kinder viel Aufmerksamkeit undauch persönliche Gespräche brauchen. Absolon: "Werdendann auch noch Stunden gestrichen, so wie das im vergangenen Jahrpassiert ist, dann ist das ein dramatischer Qualitätsverlust."
 
Das Problem von zu vielen Kindern in einer Klassekennen kleine Schulen auf dem Land und in den entlegensten TälernÖsterreichs nicht. Im Gegenteil. Ihnen gehen langsam, abersicher die Kinder aus. In Tirol etwa zittern einige Dörferbereits um ihre Volksschulen, sie stehen kurz vor dem Zusperren.Kein Wunder, sind doch in manchen nur noch 15 Schüler oderweniger. Die absolute Mindestanzahl, bei der eine kleine Landschuleüberhaupt noch erhalten werden kann, liegt bei drei Kindern.In Tirol ist man dieser Marke oft schon bedrohlich nah...
 
So auch in Vorderwald in der Nähe von Hall.Dort zählt man gerade einmal zehn Kinder! Sie werden allegemeinsam unterrichtet. Lehrerin Sabine Elwischger: "Wenn verschiedeneAltersgruppen in einer Klasse sitzen, muss man sich natürlichetwas umstellen. Aber so kann ich mich viel mehr und intensiverum jedes einzelne Kind kümmern sowie auch auf ihre individuellenLernschwächen eingehen."