Sa, 21. Juli 2018

Versöhnungsbesuch

11.05.2009 17:05

Papst erinnert in Israel an die Holocaust-Opfer

Papst Benedikt XVI. ist am Montag zu seinem als historisch eingestuften Besuch in Israel eingetroffen. Staatspräsident Shimon Peres begrüßte den Papst in lateinischer Sprache: "Ave Benedicte, princeps fidelium qui hodie terram sanctam visitas." Zu Beginn seines fünftägigen Aufenthaltes hat an die Opfer des Holocaust erinnert und zum Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen. Auf dem Programm seines Aufenthaltes in Israel und den Palästinensergebieten stehen auch Besuche heiliger christlicher Stätten sowie Gespräche mit politischen Vertretern und muslimischen und jüdischen Würdenträgern.

In vielen Teilen der Welt trage der Antisemitismus weiterhin "sein hässliches Gesicht zur Schau". Dies sei nicht hinnehmbar. Es müsse jede Bemühung unternommen werden, um dagegen anzugehen und Respekt und Achtung für jedes Volk zu erreichen, sagte der Papst. "Auf tragische Weise hat das jüdische Volk die schrecklichen Auswirkungen von Ideologien erfahren, die die fundamentale Würde jedes menschlichen Wesens verneinen." Die Menschheit dürfe nie wieder ein Verbrechen solchen Ausmaßes erleben, fügte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche hinzu.

Gleichzeitig äußerte sich der Papst zum Nahost-Friedensprozess und sprach sich für eine Zwei-Staaten-Lösung für Israelis und Palästinenser aus. "Beide Völker sollen in Frieden in einem eigenen Heimatland leben, mit sicheren und international anerkannten Grenzen", erklärte der Pontifex.

Mit militärischen Ehren empfangen
Benedikt XVI. wurde vom israelischen Präsidenten Shimon Peres und von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu mit militärischen Ehren empfangen. "Ich sehe Ihren Besuch im Heiligen Land als eine wichtige spirituelle Reise im höchstem Auftrag: Eine Reise im Dienst des Friedens", sagte Peres. Diese solle dazu dienen, die Saat der Toleranz zu streuen und den Fanatismus samt seiner Wurzeln auszureißen. Peres erinnerte daran, dass Israel Frieden mit seinen arabischen Nachbarn Ägypten und Jordanien geschlossen habe und sich um eine umfassende regionale Friedenslösung bemühe.

Anschließend flog Benedikt mit einem Hubschrauber der israelischen Luftwaffe nach Jerusalem. Bürgermeister Nir Barkat schenkte dem Papst eine Karte Jerusalems, auf der die Stadt als Mittelpunkt der Welt dargestellt wird. Ein für Israel bisher einmaliges Aufgebot von 80.000 Polizisten und Sicherheitskräften soll den Papst in den fünf Tagen seines Besuches schützen. Zuletzt hatte Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. Israel im März 2000 besucht.

Papst besucht Holocaust-Gedenkstätte
Beim Besuch der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem hat sich Benedikt XVI. am ersten Tag seines Besuches in Israel gegen das Leugnen und Verharmlosen des Holocausts gewandt. "Mögen die Namen dieser Opfer niemals ausgelöscht werden! Mögen ihre Leiden niemals geleugnet, verharmlost oder vergessen werden!" sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Benedikt sprach zugleich das tiefe Mitgefühl der katholischen Kirche für die Opfer des Holocausts aus. "Während wir hier schweigend stehen, hat ihr Schrei noch ein Echo in unseren Herzen. Es ist ein Schrei gegen jeden Akt von Ungerechtigkeit und Gewalt. Es ist ein anhaltender Vorwurf gegen das Vergießen von unschuldigem Blut", sagte der Papst. Anders als von vielen Juden erhofft, ging Benedikt jedoch nicht auf die Rolle der Kirche während der Zeit der Judenvernichtung ein.

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erinnert an die Ermordung von sechs Millionen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus. Auf dem Boden in der "Halle der Opfer" sind stellvertretend für alle Orte der Judenvernichtung die Namen von 22 Konzentrationslagern eingraviert. Benedikt verneigte sich vor der ewigen Flamme und legte einen Kranz gelb-weißer Blumen (Bild) an jener Stelle nieder, an der die Asche von ermordeten Juden aufbewahrt wird.

Klare Worte gegen Holocaust-Leugner
Der Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte zählte für Benedikt zu den heiklen Höhepunkten seiner einwöchigen Reise ins Heilige Land. Der Papst wurde in diesem Jahr heftig kritisiert, weil er die Exkommunizierung des Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson aufhob, der zuvor in einem Interview öffentlich den Holocaust bestritten hatte.

Zudem wird im historischen Museum der Gedenkstätte Benedikts Vorgänger Pius XII. (1939-1958) als Oberhirte dargestellt, der nicht genügend gegen die Judenverfolgung getan habe. Benedikt XVI. teilt diese Sicht nicht. Die Verteidiger des früheren Papstes argumentieren, dass Pius XII. persönlich für die Rettung Tausender Juden in Italien verantwortlich gewesen sei. Die geplante Seligsprechung von Pius XII. hat zu einer schweren Belastung im Verhältnis von Juden zur katholischen Kirche sowie zwischen Israel und dem Vatikan geführt.

Historischer Versöhnungsbesuch
Die israelischen Medien sprechen von einem historischen Versöhnungsbesuch des Papstes. In einer ganzseitigen Anzeige der jüdischen Anti-Defamation League in der auflagenstärksten israelischen Zeitung "Yedioth Achronoth" heißt es, Benedikt setze sich klar für eine Versöhnung mit Israel und den Juden ein. "Benedikt XVI. hat die eindeutige Position der katholischen Kirche gegen Antisemitismus und das Leugnen des Holocaust bekräftigt", heißt es weiter. Die US-Organisation kämpft gegen die Diskriminierung und Diffamierung von Juden sowie gegen Antisemitismus.

Kurz vor seiner Abreise von Amman am Montag rief der Pontifex Christen und Muslime zu Toleranz auf. Der Besuch in der größten jordanischen Moschee sei bisher einer der Höhepunkte seiner Nahost-Reise gewesen. Er lobte zudem König Abdullah II. für dessen Umgang mit der christlichen Minderheit in Jordanien.

Papst bleibt bis Freitag in Israel
Der Papst kam bekanntlich nicht direkt aus dem Vatikan nach Israel, sondern hat bereits drei Tage in Jordanien (siehe krone.at-Bericht in der Infobox) zugebracht. In den kommenden Tagen stattet der Papst in Jerusalem dem Felsendom und der Klagemauer einen Besuch ab und reist dann ins Westjordanland nach Bethlehem weiter, wo er neben der Geburtsgrotte auch ein Flüchtlingslager besuchen will. Am Donnerstag feiert er eine Messe in Nazareth, der Heimatstadt Jesu, bevor er nach einem Besuch in der Jerusalemer Grabeskirche am kommenden Freitag nach Rom zurückkehrt.

Rund 60.000 Polizisten und Sicherheitskräfte werden während des fünftägigen Aufenthaltes im Einsatz in Israel im Einsatzs ein. Allein in Jerusalem, wo der Papst wohnt und die heiligen Stätten in der Altstadt besucht, werden 27.000 Sicherheitskräfte eingesetzt. Die Sicherheitsmaßnahmen sind stärker als während der beiden Besuche von Ex-US-Präsident George W. Bush im vergangenen Jahr. Damals schützten rund 10.000 Einsatzkräfte den US-Präsidenten.

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