Sa, 18. August 2018

Kühne Hoffnung

18.05.2009 16:46

Skandal-Schiri Övrebö möchte bei der WM pfeifen

Der umstrittene Schiedsrichter Tom Henning Övrebö hofft trotz seines "verpfiffenen" Champions-League-Halbfinales auf einen WM-Einsatz 2010. Das gab er in einem Interview mit einer norwegischen Tageszeitung bekannt. Nach dem Skandal-Match zwischen Chelsea und Barcelona war der Unparteiische scharf kritisiert worden und hatte Morddrohungen erhalten.

"Mein Ziel ist es noch immer, nach Südafrika zu gehen", meinte Övrebö gegenüber der Tageszeitung "Verdens Gang". Am Samstagabend leitete er in der norwegischen Meisterschaft sein erstes Spiel seit der Partie zwischen Chelsea und Barcelona am 6. Mai.

Direkt nach dem umstrittenen Champions-League-Halbfinale zwischen dem FC Chelsea und FC Barcelona (1:1) war der norwegische Schiedsrichter mehrere Tage lang untergetaucht. Im Internet waren zuvor anonyme Morddrohungen veröffentlicht worden. Auch die Adresse des 42-Jährigen wurde in den Beiträgen genannt.

Schon in London hatte der Psychologe nach dem Spiel, in dem Chelseas Ausscheiden durch Barcelonas Tor in der Nachspielzeit besiegelt wurde, aus Sicherheitsgründen sein Hotelzimmer gewechselt. In Oslo wurde er vorbei an den Flughafen-Sicherheitskontrollen ins Land gebracht.

Chelsea verurteilt Morddrohungen
Chelsea hatte die Drohungen wiederholt verurteilt. "Wir wollen verdeutlichen, dass wir jegliche Drohungen gegen Spieler, Offizielle oder Anhänger missbilligen. Sollte es konkrete Hinweise geben, dass Dauerkartenbesitzer oder Vereinsmitglieder an den Drohungen beteiligt sind, würden wir sie aufs Härteste bestrafen. Bisher haben wir aber keine Hinweise diesbezüglich erhalten", hieß es in einer Erklärung des Vereins.

Skandal-Schiri im Mittelpunkt des CL-Schlagers
Der grottenschlechte Schiedsrichter hatte am 6. Mai beim Spiel zwischen Chelsea und Barcelona neben dem spanischen Goldtorschützen zum 1:1, Andres Iniesta, am meisten im Mittelpunkt gestanden. Der Norweger traf zahlreiche völlig unverständliche Entscheidungen und enthielt den bis zur 93. Minute führenden Briten mehrere Elfmeter vor. Nicht nur die Chelsea-Stars Michael Ballack und Didier Drogba verloren deswegen die Fassung, sondern auch Trainer Guus Hiddink war wegen der eigentümlichen Regelauslegungen stinksauer.

"Ich bin natürlich sehr enttäuscht. Wir hätten mehr Tore machen können. Wir müssen über die nicht gegebenen Elfmeter sprechen. Es waren vier an der Zahl und meine Spieler fühlen sich ungerecht behandelt. Ich kann ihre Enttäuschung verstehen", so Hiddink. Und sogar die spanische Sportzeitung "As" führte fünf Szenen an, in denen Övrebö einen Penalty verhängen hätte können.

Ballack und Drogba rasten aus
Eine davon, ein Schuss von Michael Ballack in der 96. Minute, brachte den deutschen Team-Kapitän zur Weißglut. Nachdem der Ball vom Oberarm Eto'os abprallte, blieb Övrebös Pfeife stumm, Ballack wurde dafür umso lauter. Außer sich vor Wut verfolgte er den davonlaufenden Schiedsrichter wild gestikulierend und schreiend über das halbe Spielfeld. Ballack kam mit einer Gelben Karte davon, ebenso wie Didier Drogba, der nach Schlusspfiff den Schiri wüst beschimpfte und seinen Unmut auch lautstark in die TV-Kameras brüllte.

Die besten Bilder des Spiels und eine Abstimmung zu Schiri Övrebö findest du in der Infobox!

Traum-Tor von Essien
Mit dem 1:1 war die Wiederauflage des Vorjahresfinales der Champions League geplatzt. Anstelle des FC Chelsea darf nun Barca am 27. Mai in Rom gegen Titelverteidiger Manchester United antreten. Die Londoner erwischten an der Stamford Bridge vor 40.000 Zuschauern einen Traumstart: Essien sorgte mit einem sehenswerten Volleyschuss für die Führung. Der Mittelfeldmann aus Ghana zog nach einem abgefälschten Lampard-Pass aus über 20 Metern Entfernung direkt ab und traf mit dem ersten Torschuss wuchtig unter die Querlatte.

Barca bemüht, aber wirkungslos
Die Spanier, die ohne die Innenverteidiger Carles Puyol (gesperrt) und Rafael Marquez (verletzt) sowie den am Knie blessierten Stürmerstar Thierry Henry aufeglaufen waren, waren nicht in der Lage, gewohnte Offensiv-Akzente zu setzen, die Gastgeber hatten die besseren Möglichkeiten. Lionel Messi und Co. gelang es wie im Hinspiel nicht, ihr gewohntes Offensivfeuerwerk zu zünden. Das Team von Josep Guardiola hatte zwar erneut deutlich mehr Ballbesitz, der entscheidende letzte Pass und das nötige Spielglück blieben aufgrund der konzentrierten Defensivarbeit der Londoner jedoch aus.

Chelsea verpasst Vorentscheidung
Die Gäste agierten nach Wiederbeginn etwas druckvoller, am Strafraum der Londoner war jedoch meist Schluss. In der 52. Minute vergab Chelsea durch Drogba, der aus kurzer Distanz an Valdes scheiterte, und Florent Malouda, der den Nachschuss neben das Tor platzierte, eine Doppelchance auf die Vorentscheidung. Chelsea verlor danach in der Defensive ein wenig die Kontrolle wodurch es häufiger zu brenzligen Strafraumsituationen für "Barca" kam, Zählbares für die Spanier blieb aber vorerst aus. Fernschüsse von Barca-Außenverteidiger Alves und Gerard Pique (80.) blieben ohne Folgen.

Last-Minute-Treffer durch Iniesta
Wie die Führung fiel auch der Ausgleich aus einem sehenswerten Fernschuss, Europameister Iniesta traf von knapp außerhalb des Strafraums nach Zuspiel des sonst unauffälligen Messi. Die Katalanen blieben damit auch im letzten regulären Auswärtsspiel der laufenden Champions-League-Saison ungeschlagen und verhinderte das dritte Aus gegen einen englischen Club Folge: 2007 war "Barca" im Achtelfinale an Liverpool, 2008 im Halbfinale an Manchester United gescheitert. In Rom gibt es nun die Chance zur Revanche, Barcelona hat die Chance, nach 1992 und 2006 die wichtigste europäische Clubtrophäe zum dritten Mal zu gewinnen.

Chelsea - Barcelona 1:1 (1:0)
Stamford Bridge, 40.000 Zuschauer, SR Övrebö (NOR)
Tore: Essien (9.) bzw. Iniesta (93.)
Rote Karte: Abidal (66.)
Gelbe Karten:Essien, Alex, Drogba, Ballack bzw. Alves, Eto'o, Iniesta

Chelsea: Cech - Bosingwa, Alex, Terry, Ashley Cole - Essien, Ballack, Lampard, Malouda - Drogba (72./Belletti), Anelka

Barcelona: Valdes - Alves, Pique, Abidal, Toure -Busquets (85./Krkic), Xavi, Iniesta, Keita - Messi, Eto'o

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