Verkehrte Welt

Video: Polizei bewarf NATO-Gegner mit Steinen

Ausland
08.04.2009 15:53
Zwei politische Ereignisse der letzten Woche sorgen noch einmal wegen jetzt aufgetauchter Videos für Schlagzeilen. In Großbritannien ist ein Video veröffentlicht worden, das zeigt, wie ein Polizist einen 47-Jährigen zu Boden schubst (Bild links), der Mann dürfte an den Folgen gestorben sein. In Frankreich wiederum sorgt eine Videoaufzeichnung von den Anti-NATO-Demonstrationen in Straßburg für großes Aufsehen: Sie zeigt Polizisten, die mit Objekten – vermutlich Steinen – auf Demonstranten werfen (Video oben starten).

Die mit einem Handy aufgezeichneten Bilder wurden am vergangenen Samstag bei einer Protestkundgebung am Rande des NATO-Gipfels in Straßburg aufgenommen und zunächst in das Videoportal Dailymotion gestellt. Später wurde der Film auch in weitere Online-Portale gestellt.

Zu sehen sind in dem Film Sicherheitsbeamte, die auf einer Böschung der Zuggeleise stehen und Objekte, die wie Steine aussehen, auf die Menschenmenge werfen. Die Polizisten reagieren damit auf Steinwürfe der Demonstranten in ihre Richtung. Die Polizeigewerkschaften äußerten Zweifel an der Echtheit der Bilder, räumten allerdings ein, dass eine solche Reaktion "in einer gespannten Lage" möglich sein könnte.

„In angespannter Lage kann sowas passieren“
"Einen Stein nehmen und damit auf die Demonstranten werfen, gehört nicht zu den Einsatztechniken zur Bewahrung der Ordnung", sagte Yannick Danio von der Polizeigewerkschaft UNSA. Jean-Claude Delage von der Gewerkschaft Alliance meinte: "Wenn es wahr ist, wird es gewiss eine Ermittlung und Sanktionen geben. Ich entschuldige dieses Vorgehen nicht, ich sage nicht, dass es gut ist, aber in einer gespannten Lage kann sowas passieren."

Die Anti-NATO-Demonstration in Straßburg, an der sich zwischen 10.000 und 30.000 Personen beteiligten, verlief friedlich, allerdings kam es am Rande des Umzugs zu gewalttätigen Ausschreitungen. In einem benachteiligten Vorstadtviertel wurden mehrere öffentliche Gebäude in Brand gesetzt, ohne dass die Polizei eingriff. Der sozialistische Straßburger Bürgermeister Roland Ries (PS) warf der Polizei am Sonntag "mangelnde polizeiliche Absicherung" vor. "Die Einwohner sind natürlich in Rage, sie haben den Eindruck, verlassen worden zu sein. Ich verstehe und teile diesen Zorn", sagte Ries.

Tod bei G-20-Protesten hat Nachspiel für Polizei
Der Tod eines Mannes bei den Protesten zum G-20-Gipfel in London hat für die Polizei ein unangenehmes Nachspiel. Ein Video, das die Zeitung "The Guardian" am Dienstagabend auf ihrer Homepage veröffentlichte, zeigt, wie einer der Polizisten den 47-Jährigen zu Boden schubst. Wenig später brach der Mann zusammen und erlitt einen Herzinfarkt. Die Videoaufnahmen stammen dem Blatt zufolge von einem amerikanischen Touristen.

Den Link zu dem Video findest du in der Infobox.

Die Zeitung erklärte, das Video an die unabhängige Polizeiaufsichtsbehörde zu geben, die die genauen Umstände des Todes derzeit untersucht. Der Mann war am vergangenen Mittwoch während der Proteste im Londoner Bankenviertel umgekommen. Eine Obduktion ergab, dass er an einem Herzinfarkt gestorben war.

Auf dem Video ist zu sehen, wie der 47-Jährige mit den Händen in den Hosentaschen und dem Rücken zur Polizei geht. Später ist unscharf zu erkennen, wie ein Polizist ihm mit einem Schlagstock offenbar ans Bein schlägt. Anschließend wird der Mann zu Boden gestoßen, obwohl er sich nicht wehrt. Zuvor hatten sich bereits Zeugen gemeldet, die aussagten, dass die Polizei den Mann angegriffen hatte. Die britische Polizei will den Vorfall nun untersuchen.

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