In Österreich besuchen derzeit über 90 Prozent der Fünfjährigen einen Kindergarten oder eine ähnliche Betreuungseinrichtung, der Rest wird in der Familie oder durch eine Tagesmutter betreut. Unter den Vier- bis Fünfjährigen, die keinen Kindergarten besuchen, haben sogar 16 Prozent mit Erstsprache Deutsch beziehungsweise 81 Prozent jener mit nichtdeutscher Muttersprache Förderbedarf - insgesamt hat jedes zweite Kind Deutschprobleme. "Man sieht ganz deutlich, dass der Kindergarten positive Effekte hat", sagte BIFIE-Direktor Günter Haider.
Das verpflichtende Kindergartenjahr könne allerdings nur ein Anfang sein. Denn je länger der Besuch, umso positiver der Effekt: Bei Kindern mit Deutsch als Erstsprache haben nach einem Jahr im Kindergarten nur mehr 13 Prozent Probleme mit der Sprache, bei mehr als einem Jahr sind es nur noch neun.
Migrantenkinder profitieren stark von Kindergarten
Bei Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache haben im ersten Jahr 77 Prozent Sprachprobleme. Wenn sie länger als ein Jahr im Kindergarten sind, verringert sich diese Zahl auf 43 Prozent. Vor allem der Anteil extrem leistungsschwacher Kinder (sie erreichten in der Studie maximal zehn von 30 möglichen Punkten) sinkt bei längerem Besuch stark: von 46 auf 18 Prozent.
Besondere Sprachprobleme wurden bei Kindern türkischer Herkunft beobachtet. Petra Schneider vom BIFIE erklärt dies mit durchschnittlich niedrigerer Bildung und wirtschaftlichem Status der Eltern. Ein weiterer, allerdings umstrittene Erklärungsansatz: die Sprachstruktur des Türkischen mache das Erlernen des Deutschen schwerer als etwa für jemanden mit einer slawischen Erstsprache.
24.600 Kinder in fünf Bundesländern beobachtet
Für die aktuelle Studie wurden die Deutschkenntnisse von 24.600 Kindergartenkindern in fünf Bundesländern (Burgenland, Kärnten, Salzburg, Steiermark, Wien) vier Wochen lang systematisch erhoben - nicht in Form von Tests, sondern im Rahmen des normalen Alltagsbetriebs (Bilderbücher oder Bildkarten ansehen, Spielen, Kommunikation untereinander). Jene, die keinen Kindergarten besuchen, wurden bei einem Schnuppertag bei den gleichen Beschäftigungen beobachtet (580 Kinder in Salzburg, der Steiermark und Wien).
Grundlage der "frühen Sprachstandsfeststellung" ist die so genannte 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern. Der Bund sorgte für die Entwicklung eines Testverfahrens, die Länder haben sich im Gegenzug verpflichtet, dieses durchzuführen und bei Bedarf Förderung anzubieten. Die erste Überprüfung wurde im Frühling 2008 durchgeführt.
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