Lügen-Märchen

Brutaler Überfall auf Berggasthof frei erfunden

Österreich
31.03.2009 10:11
Der Raubüberfall im Berggasthaus "Rapoldsberg" in Mühlbach am Hochkönig (Pongau) war frei erfunden. Ein 18-jähriger Kellner hatte vor einer Woche die Polizei gerufen und behauptet, er sei gefesselt, geknebelt, mit einem Messer bedroht und beraubt worden. Im Zuge der Einvernahme gestand der Kellner nun, sich selbst gefesselt zu haben. Als Motiv gab der 18-Jährige an, dass der Besitzer des Lokales angeblich seinen Dienstpflichten nicht nachgekommen wäre und ihn ausgebeutet hätte, meldete die Salzburger Polizei am Dienstag. Die angebliche Raubbeute - einen kleinen Bargeldbetrag, eine Kette sowie seine Uhr - konnte in seinem Zimmer gefunden werden. Der Geldbetrag wurde dem Besitzer des Lokals wieder ausgehändigt.

Der Kellner hatte am Dienstag vergangener Woche um 21.00 Uhr bei der Polizei angerufen und erklärt, dass ein Rauberüberfall auf ihn verübt worden sei. Bei tobendem Schneesturm seien plötzlich zwei vermummte Männer in der Stube des Berggasthofs aufgetaucht und hätten ihn bedroht, gefesselt und geknebelt, so die Geschichte des Mitarbeiters.

Wirt mit der Familie unterwegs
"Es ist wirklich unfassbar, dass bei uns heroben so etwas passiert. Noch dazu an dem einzigen Tag in der gesamten Saison, in dem ich mit meiner Familie nicht daheim war", hatte sich der 34-jährige Wirt Thomas Petravic von dem angeblichen Vorfall entsetzt gezeigt. Er hatte seine Pension, auf dem Weg zum Arthurhaus oberhalb von Mühlbach gelegen, zugesperrt. "Weil wir diese Woche keine Hausgäste haben und bei dem schlechten Wetter auch sonst niemand zu uns herauf gekommen ist."

Während der Wirt mit versammelter Familie zum Abendessen in den "Club Aldiana" nach Mühlbach fuhr, blieb der 18-jährige Kellner zu Hause, um den Telefondienst zu versehen.

Wert der Beute geradezu verschwindend
Verwunderung hatte es bereits nach der angeblichen Tat über die "Beute" gegeben. Die Täter hätten dem Kellner ein silbernes Armketterl, die Uhr und etwas Bargeld abgenommen. Die Geschichte des Gasthof-Angestellten wurde aber noch abenteuerlicher: Nachdem die Räuber geflüchtet wären, hätte der 18-jährige noch eine Stunde lang gebraucht, bis er zumindest die Fußfesseln etwas gelöst und den Mund notdürftig freibekommen habe. Danach hätte er sich ins Büro geschleppt und mit der Zunge die Nummer seines Chefs gewählt. "Ich habe ihn über die Freisprechanlage ganz schlecht verstanden. Als klar war, was passiert ist, alarmierte ich sofort die Polizei", so Thomas Petravic.

Tags darauf war an einen normalen Betrieb im abgelegenen Berggasthof nicht zu denken. "Das ist schon ein Schock, den ich erst verarbeiten muss", sinnierte der Wirt. Schon damals kam die Sache Petravic spanisch vor: "Für mich ergibt das alles keinen Sinn, denn wertvolle Dinge wie einen Laptop oder den Videobeamer ließen die Räuber unberührt zurück."

von Gernot Huemer (Kronen Zeitung)
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