Daten-Wolke

CeBIT schwebt auf der Cloud-Computing-Wolke

Web
03.03.2009 10:43
Informationstechnik verspricht den Unternehmen ein effizienteres Arbeiten zu geringeren Kosten. Auf der CeBIT in Hannover wird dieses Argument im Schatten der Krise besonders lautstark vorgebracht. Und es gibt mal wieder ein hübsches und diesmal besonders wolkiges Schlagwort: das Cloud Computing.

Cloud Computing bedeute, erklärt IBM-Deutschland-Chef Martin Jetter, dass Leistungen der IT je nach Bedarf an Kunden verteilt werden. Bei IBM kann man etwa die Prozessorleistung von Computern hinzumieten, wenn die eigenen Rechnerkapazitäten ausgelastet sind. Auf dem CeBIT-Stand wird dies mit einem ästhetisch ansprechenden Modell bunter Bällchen demonstriert, die je nach Auslastung an Fäden aufsteigen. Wird externe Rechenleistung hinzugeholt, schweben sie wieder nach unten.

"Mit Cloud Computing sparen Unternehmen im Rechenzentrum bis zu 80 Prozent an Fläche sowie 60 Prozent an Strom- und Kühlungskosten ein", verspricht IBM. Zudem könnten die IT-Systeme flexibler und schneller an veränderte Anforderungen angepasst werden. Neben Hardware-Leistung stellt IBM über das Cloud Computing auch Anwendungen für Geschäftsprozesse bereit. "Ich hole mir das, wenn ich es brauche", erklärt Jetter aus Sicht des Kunden.

Cloud Computing als Hoffnungsträger
Cloud Computing ist ein Beispiel, warum die IT-Branche ganz zuversichtlich ist, der Krise trotzen zu können. Zwar leidet auch die CeBIT unter der weltweiten Rezession - nur noch 4.300 Aussteller sind nach Hannover gekommen, 25 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Aber unter den Ausstellern gibt es einige, die sich im Schatten der Krise gute Geschäfte versprechen.

Eines dieser Unternehmen ist Iron Mountain, ein in der breiten Öffentlichkeit wenig bekanntes Großunternehmen mit 20.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 3,06 Milliarden Dollar (2,42 Milliarden Euro), das sich auf die Speicherung von Daten spezialisiert hat. Globale Wirtschaftskrise? "Das ist vorteilhaft für uns", antwortet der Vorstandschef von Iron Mountain, Bob Brennan, "denn während die Informationsmenge explodiert, gehen die IT-Budgets nach unten oder stagnieren."

Ehemaliges Bergwerk als Datenspeicher
Iron Mountain ist nach einem Berg in Pennsylvania benannt, der seit mehr als 50 Jahren als Datenspeicher dient. In dem ehemaligen Bergwerk in Pennsylvania werden seit 1951 Dokumente sicher eingelagert, erst auf Papier und jetzt auch digital. "Wir erwarten, dass sich die Informationsmenge in den nächsten sechs Jahren verzehnfacht", sagt Brennan im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Zurzeit speichern die Rechenzentren in den USA, Europa, Lateinamerika, Asien und Australien Kundendaten im Umfang von acht bis zehn Petabyte - das sind 8.000 bis 10.000 Terabyte oder acht bis zehn Millionen Gigabyte.

In einem Unternehmen werden wichtige Daten wie Arbeitsrichtlinien oder Anweisungen des Managements auf allen Arbeitsplatzrechnern gespeichert, was die gesamte Datenmenge entsprechend erhöht. Bei Iron Mountain aber wird nur eine Kopie eingelagert und für den Abruf bereitgestellt. "Wir können das eindampfen", erklärt Brennan. Solche Technologien für "Deduplizierung und Reduzierung" verringern die zu sichernde Datenmenge um bis zu 80 Prozent.

Sämtliche Daten werden verschlüsselt und über eine geschützte Internetverbindung in das Rechenzentrum von Iron Mountain übertragen. Neben Langzeitspeicherung und Archivierung ermöglichen Hochverfügbarkeitssysteme auch, dass die Daten jederzeit wieder abgerufen werden können, sobald sie gebraucht werden - sie kommen dann nicht von einem Firmenrechner, sondern aus der Cloud, jener Wolke im Internet, die voller Anwendungen und Daten steckt, ohne dass man immer genau weiß, von welchem Server sie kommen.

Virtuelles Archiv für ungenutzte Dateien
Auf der CeBIT stellt Iron Mountain einen "Virtual File Store Service" vor. Unternehmen können damit ihre aktuell ungenutzten, als "inaktiv" bezeichneten Dateien in ein virtuelles Archiv auslagern. Werden Dateien benötigt, können sie von jedem Ort und jederzeit über eine sichere Internet-Verbindung abgerufen werden. "Das ist wie eine digitale Bibliothek", erklärt der Vorstandschef. "Wir übernehmen die inaktiven Daten, so dass sich die Computersysteme der Kunden auf die aktiven Daten konzentrieren können."

"Die Dateiformate sind uns egal", sagt Brennan. Gespeichert werden unter anderem E-Mails, Papierdokumente, Fotos, Röntgenbilder und digitale Dokumente aller Art. Nichtdigitale Dokumente werden eingescannt und bei Bedarf ebenfalls über das Internet zur Verfügung gestellt. Es gebe in den Unternehmen gigantische Mengen an Informationen, die ungenutzt brach lägen, im "Virtual File Store" aber neu erschlossen würden, sagt Brennan und verwendet ein Bild aus der Funktechnik: "Es gibt so viel Störgeräusche, dass es schwer ist, das Signal zu entdecken. Wir finden das Signal."

Riskant  sei es laut Brennan nicht, die eigenen wertvollen Daten einem anderen Unternehmen anzuvertrauen: "Wir bieten eine weit höhere Sicherheit, als die Kunden jemals in ihrem eigenen Bereich gewährleisten können." Im "Eisernen Berg" lagern in rund 60 Metern Tiefe unter anderem die Fotosammlung von Bill Gates mit 20 Millionen Bildern sowie vertrauliche Dokumente der US-Regierung und des Nationalarchivs der USA.

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