Poetischer Prosaist

Ransmayr erhält goldenes Verdienstzeichen

Wien
30.01.2009 16:43
Als "Zeugnis gegenseitiger Zuneigung" wertete Christoph Ransmayr (Bild)das "Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien", das ihm am Freitag von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) im Wiener Rathaus verliehen wurde. Der Schriftsteller, der derzeit an einem neuen Stück mit dem Titel "Odysseus, Verbrecher." als Auftragswerk der Ruhrtriennale im "Kulturhauptstadt-Jahr" 2010 arbeitet, war erst kürzlich wieder von Irland nach Wien übersiedelt.

Indem er - der "notorische, begnadete Reisende, der auch die Fremde braucht" - zurückgekehrt sei, habe er "die Stadt selbst ausgezeichnet", so Mailath-Pokorny. Ihm selbst wolle scheinen, dass wir statt eines Schriftstellers "viel eher einen Maler, einen Komponisten, jedenfalls einen Künstler ehren, der sinnlich arbeitet: Was er uns mitgibt, ist, dass wir neu sehen lernen."

"Ein sehr überzeugender Litaraturnobelpreis-Träger"
Auch Laudator Ulrich Weinzierl betonte Ransmayrs Verdienste um Wien, "einfach indem Sie hier leben und arbeiten." Seit einem Vierteljahrhundert schaffe Ransmayr "literarische Meisterwerke", durch die er für Weinzierl "ein sehr überzeugender Literaturnobelpreis-Träger" wäre. Als "poetischer Prosaist", der in 30 Sprachen übersetzt wurde, "hat er viele unvergessliche Sätze geschrieben und wird noch viele davon schreiben - auch wenn er den Nobelpreis nicht bekommt."

Es habe eine Weile gedauert, bis er den Großstadtdschungel liebgewonnen habe, erzählte Ransmayr in seinen Dankesworten. "Aber dann wird man zu Mogli, oder, wie heute Vormittag, zu Tarzan." Als Schuljunge von Oberösterreich nach Wien angereist sei er überwältigt gewesen, schon vom Westbahnhof. "Einem Bauwerk Namen des Himmels zu geben, musste das Privileg einer Weltstadt sein", später habe er als Philosophie-Student mit Kellerwohnung Zuflucht im Wiener "Reich der Paläste" gesucht.

Verbreitete "rechtsradikale Strohköpfe"
Dennoch habe es auch eine Weile gedauert, bis er sich für diese Auszeichnung Wiens, die ihm vor etwa vier Jahren - noch in Irland ansässig - angetragen wurde, erwärmen konnte. Nichts verbinde ihn mit "Gestalten, wie sie in der Ballsaison, von Ehrennadeln angestochen" in dieser Stadt anzutreffen seien, mit den ebenso verbreiteten "rechtsradikalen Strohköpfen" oder mit dem "an Scheußlichkeit kaum zu überbietenden Neubaukitsch im Schatten des Riesenrades", nutzte Ransmayr seine Feierstunde für Seitenhiebe.

Nach seinem jüngsten Roman "Der fliegende Berg" (2006) arbeitet Ransmayr derzeit an einem Theaterstück für die Ruhrtriennale 2010. "Odysseus, Verbrecher." lautet der Titel des letzten Teils von sechs Stücken zu Homers "Odyssee", die anlässlich der "Kulturhauptstadt Europas", als die sich das Ruhrgebiet 2010 bezeichnen darf, bei der Ruhrtriennale aufgeführt werden.

"Die letzte Welt" brachte Durchbruch
Am 20. März 1954 in Wels (Oberösterreich) geboren, verbrachte Ransmayr seine Kindheit in Roitham bei Gmunden. 1972 bis 1978 studierte er Philosophie und Ethnologie an der Universität Wien. Danach begann er seine journalistische Tätigkeit, bis er ab 1982 als freiberuflicher Schriftsteller lebte. Im gleichen Jahr veröffentlichte er "Strahlender Untergang", 1984 "Die Schrecken des Eises und der Finsternis". Sein Roman über die österreichisch-ungarische Nordpolexpedition unter Weyprecht und Payer blieb jedoch zunächst ein Geheimtipp, ehe ihm 1988 mit dem Ovid-Roman "Die letzte Welt" der Durchbruch gelang.

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