23.12.2008 19:20 |

Gründungsgipfel

"Gas-Kartell" nach OPEC-Vorbild nimmt Gestalt an

Die von der EU kritisierten Pläne zum Aufbau eines Gas-Kartells nach Vorbild der OPEC sind am Dienstag in der Verabschiedung einer eigenen Satzung für das Forum Gasexportierender Länder (GECF) gemündet, das künftig seinen Sitz in Katar haben wird. Das teilte der russische Energieminister Sergej Schmatko nach einem Ministertreffen der Teilnehmerländer in Moskau mit. Laut Ministerpräsident Wladimir Putin müssen sich Verbraucher in Europa dauerhaft auf hohe Gaspreise einstellen. Die USA und die EU hatten im Vorfeld Bedenken geäußert, das neue Kartell könne - wie die OPEC beim Öl - durch Absprachen Preise in die Höhe treiben. Russland hatte dies zurückgewiesen.

Bei den gasfördernden Ländern gab es seit langem Bestrebungen, aus ihrem wenig einflussreichen Forum Gasexportierender Länder (GECF), in dem neben Russland und dem Iran zwölf weitere Staaten vertreten sind, eine mächtigere Organisation nach Vorbild der OPEC zu machen. Der weltweit größte Gas-Exporteur Russland hatte nun eingeladen, um eine Satzung für die neue Organisation zu beschließen.

Beim Gipfel zu Gast waren Algerien, Bolivien, Brunei, Ägypten, Indonesien, der Iran, Libyen, Malaysia, Nigeria, Trinidad & Tobago, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Venezuela. Auch wenn Putin in einer auf dem Treffen gehaltenen Rede erklärte, dass aufgrund der gestiegenen Kosten für die Gasförderung die "Ära des billigen Gases" vorbei sei, geben sich Energiekonzerne wie die deutsche E.ON, die große Gasabnehmer sind, gelassen. Sie fürchten keine negativen Auswirkungen und verweisen auf bestehende Verträge.

E-Control-Chef befürchtet keinen Preisauftrieb
Auch der Chef der österreichischen Energieregulierungsbehörde E-Control, Walter Boltz, befürchtet keinen Preisauftrieb. "Die Gaslieferungen werden ja fast alle in Form von Langzeitlieferverträgen mit fixen Preisen abgeschlossen. Daher würde auch ein Kartell auf diese Weise keinen Einfluss haben und kann daher nur langfristig zu einer Veränderung der Preise führen", sagte Boltz am Dienstag, im ORF-"Mittagsjournal".

Auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) glaubt nicht, dass Gas jetzt teurer wird: "Ich würde davon jetzt einmal nicht ausgehen, weil die allgemeine Nachfrageentwicklung aufgrund der Konjunkturentwicklung zurückgeht. Mittelfristig wird keine Preissenkung zustande kommen, aber zumindest Versorgungssicherheit." Er kündigte aber ein gemeinsames Vorgehen der EU an. Es solle geprüft werden, ob das Gas-Kartell rechtlich zulässig ist oder gegen WTO-Regeln verstoße, was er aber nicht annehme. "Wir werden uns das anschauen und dann versuchen, eine mit der EU-abgestimmte Vorgehensweise zu erreichen."

Deutscher Experte sieht wenig Gefahr
Auch nach Einschätzung des deutschen Bundesverbandes der Energie-und Wasserwirtschaft (BDEW) dürften die Verbraucher durch langfristige Lieferverträge zwischen den Gasimporteuren und den Förderfirmen in den Produzentenstaaten in den kommenden Jahren vor übermäßigen Preiserhöhungen geschützt sein. Die Verträge sähen unter anderem eine Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis vor, sagte ein BDEW-Sprecher. Diese Ölpreisbindung schütze vor "ungerechtfertigten Preisvorgaben" aus den Produzentenstaaten."

Ein Erdgas-Kartell nach dem Vorbild der OPEC sei "zwar ein schönes Schlagwort, aufgrund der Ölpreisbindung aber gar nicht möglich", sagte der BDEW-Sprecher. Die Förderunternehmen in den Gasexportstaaten hätten selbst ein Interesse an der Preiskopplung und an langfristigen Lieferverträgen. Die Erforschung von Erdgasfeldern und der Bau von tausende Kilometer langen Transport-Pipelines verschlingen immerhin Milliarden-Beträge. Für diese Investitionen bräuchten die Gasexporteure verlässliche Einnahmequellen, und diese böten ihnen nur Lieferverträge mit langer Laufzeit.

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