22.12.2008 14:58 |

Halb totgetreten

Jugendliche wegen versuchten Mordes verurteilt

Weil sie am 6. März 2008 in Floridsdorf einen Bekannten halb totgetreten haben, sind am Montag zwei zum Tatzeitpunkt 16 Jahre alte Mädchen, ein 21-jähriger Bursch und ein 24 Jahre alter Mann von einem Wiener Schwurgericht wegen versuchten Mordes verurteilt worden, wobei die Geschworenen ihnen einen Rücktritt vom Vorsatz zubilligten. Die beiden Mädchen erhielten je zwei Jahre unbedingte Haft, der 21-Jährige dreieinhalb Jahre und der 24-Jährige vier Jahre. Danach werden sie in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Das Opfer war mit den Tätern seit einiger Zeit befreundet. Der 29-Jährige ging mit der Gruppe öfters aus, besuchte Discos, lungerte untertags mit ihnen am Bahnhof Floridsdorf oder auf der Donauinsel herum. Den obdachlosen 24-Jährigen und dessen Freundin, die aus der elterlichen Wohnung geflogen war, ließ er über Wochen bei sich übernachten.

Eines Abends behauptete eine der beiden 16-Jährigen, der Mann habe sie sexuell belästigt, woran sich ein nicht nachvollziehbarer Gewaltexzess entzündete. Als nämlich im Wasserpark unweit vom Floridsdorfer Bahnhof dann auch das zweite Mädchen sagte, der 29-Jährige habe sie geküsst, zerrten die Burschen den alkoholisierten Mann zu Boden, und begannen auf ihn einzutreten und einzuschlagen.

Der 21-Jährige soll sich laut Anklage in einem "Blutrausch" befunden haben. "Ich wollte ihn zurückhalten, aber das war sinnlos. Weil er zu zornig war", gab der älteste Angeklagte zu Protokoll. Er räumte ein, selbst mitgemacht zu haben: "Kann sein, dass ich ihn am Kopf getroffen habe." Immerhin habe das Opfer ja seine Freundin belästigt: "Ich war böse auf ihn. Ich wollte ihm einfach einen Denkzettel verpassen."

16-Jährige "spielte" mit Kopf des Opfers Fußball
Auch die 16-Jährigen blieben nicht unbeteiligt, übernahmen im weiteren Verlauf sogar die federführende Rolle. Nachdem das Quartett mit Ästen auf Kopf und Oberkörper des Opfers eingeschlagen hatte, trat eine der beiden ihm mit dem Schuh ins Gesicht. Später richtete sie den 29-Jährigen ein wenig auf und "spielte" nach Darstellung der anderen Angeklagten mit seinem Kopf "Fußball".

Erklärung hatte sie dafür keine. "Als sie ihm mit dem Spitz ins Gesicht gestiegen ist, ist das Blut sogar aus den Augen rausgekommen", gab einer der Angeklagten zu. Dass der 29-Jährige am Ende die Hände faltete und bettelte, man möge endlich aufhören, beeindruckte das Quartett wenig. Der 21-Jährige soll vielmehr geschrien haben: "Ich bring ihn jetzt um! Es ist mir egal!"

Nach Verbüßung ihrer Haftstrafen werden die Angeklagten unbefristet angehalten, bis ein Psychiater ihnen Ungefährlichkeit bescheinigt. Sie nahmen das Urteil an: Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

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