18.12.2008 15:37 |

Landsleute beklaut

Zwei "falsche Polizisten" zu Haftstrafen verurteilt

Drei Jahre Haft bzw. ein Jahr Freiheitsstrafe, davon elf Monate bedingt: So lautete am Donnerstag am Landesgericht Korneuburg das Urteil gegen zwei Rumänen, die als "falsche Polizisten" in der Nacht an Autobahnen auftraten und reisenden Landsleuten in zwei Fällen insgesamt 23.000 Euro Bargeld abgenommen haben. Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil die "falschen Polizisten" am 19. April an der S1 (Wiener Außenring-Schnellstraße) an echte Beamte geraten waren. Im Zuge der folgenden Festnahme gab die Polizei Schüsse auf das Fluchtfahrzeug ab, wobei der Bruder des Erstangeklagten starb.

Der nach kurzer Beratung erfolgte Spruch des Schöffensenates ist noch nicht rechtskräftig. Die Beschuldigten nahmen das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Beide hatten sich geständig gezeigt, beim Erstangeklagten fiel eine Vorstrafe ins Gewicht. Der Zweitangeklagte war unbescholten und außerdem nur bei dem versuchten Coup an der S1 dabei, wobei er sich lediglich im Wagen befunden hatte.

Rudolf Mayer (rechts im Bild), Verteidiger des Erstangeklagten (Bildmitte), hatte in seinem Schlussplädoyer klar gemacht, dass es sich bei den Taten um Trickdiebstähle gehandelt habe. Sein Mandant habe nie Gewalt angewendet, der gesamte Fall hätte allein durch die spektakuläre Festnahme bzw. durch die für den Bruder seines Mandanten tödlichen Schüsse eine größere Dimension erreicht.

Komplize von der Polizei getötet
Die Polizei hatte beim Versuch, die Täter anzuhalten, Schüsse auf deren Fluchtfahrzeug abgegeben, wobei auch die beiden Angeklagten verletzt worden waren. Das Verfahren wegen des Schusswaffengebrauchs ist bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt anhängig.

Trio war nicht bewaffnet
Bewaffnet war das Trio bei den überfallartigen Trickdiebstählen nicht. "Ich habe nie eine Waffe besessen", sagte der Erstangeklagte via Dolmetsch. Das sei wohl auch nicht nötig, verwies Richter Manfred Hohenecker auf dessen stattliche, furchteinflößende Statur: Der Rumäne ist über zwei Meter groß und 120 Kilo schwer.

Laut Anklage hatten die beiden Brüder in Rumänien davon gehört, dass Diebstähle mit dem Polizisten-Trick sehr erfolgreich seien. Da geplant war, sich zu zweit als Beamte auszugeben, um Landsleuten unter dem Vorwand einer Personen- und Falschgeldkontrolle ihr Geld abzunehmen, wurde noch ein Fahrer benötigt, den man in der Person des nun Zweitangeklagten fand.

Blaulicht am Armaturenbrett
Am 14. März stahlen die Verdächtigen in Brunn am Gebirge ein Mödlinger Kennzeichen und montierten es an ihrem Audi. Zwei Tage später wählten sie die A1-Raststation Völlerndorf bei St. Pölten als Schauplatz ihres Vorhabens aus.  Am Armaturenbrett brachten sie ein Blaulicht an, worauf das vor ihnen befindliche rumänische Fahrzeug anhielt. Dessen drei Insassen waren am Weg nach Frankreich, um dort einen Pkw zu kaufen, weshalb sie 9.400 Euro bei sich hatten.

Noch bevor sie aussteigen konnten, standen die Brüder neben dem Wagen, wiesen einen falschen Polizeiausweis vor und kündigten eine Kontrolle an. Sie ließen sich das mitgeführte Bargeld zeigen, das sie sich unverzüglich schnappten und mit ihrem Wagen davonfuhren. Die Bestohlenen konnten die Verfolgung nicht aufnehmen, da einer der Täter während der "Amtshandlung" den Autoschlüssel aus dem Zündschloss gezogen hatte.

14.000 Euro Beute bei zweitem Coup
Der nächste Coup Anfang April lief nach ähnlichem Muster ab: Die Täter weckten drei Landsleute, die auf einem Autobahnparkplatz bei Alland in ihrem Wagen geschlafen hatten. Die Reisenden übergaben den vermeintlichen Polizisten ihre Börsen mit insgesamt 14.000 Euro, diese ergriffen die Banknoten und flüchteten. Auch in diesem Fall hatten sie zuvor den Autoschlüssel der Bestohlenen an sich gebracht.

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