16.12.2008 12:59 |

Medizin-Sensation

Gelähmter Bub kann nach Operation wieder gehen

An der Grazer Uniklinik für Neurochirurgie staunt man über das unerwartet hohe Regenerationsvermögen eines sieben Jahre alten Buben: Nur zwei Monate nach der Entfernung einer Zyste im Rückenmark kann der zuvor komplett querschnittsgelähmte Marko (Bild) wieder gehen. Kein "Wunder", aber doch eine Sensation: Die Grazer Mediziner sprechen von einem "unglaublichen Krankheitsverlauf".

"Trotz der perfekten Operation war dieses postoperative Ergebnis in diesem Ausmaß nicht vorhersehbar und ist tatsächlich eine Sensation", freut sich Neurochirurg Hans Georg Eder. Er hat das Operationsteam beim heiklen Rückenmarkseingriff angeführt. Heute braucht der siebenjährige Marko aus dem obersteirischen Rinegg den Rollstuhl nicht mehr.

Autist Marko kann nicht sprechen
Alles hatte heuer im Februar begonnen: Der damals sechsjährige Marko D. wird mit Lähmungserscheinungen in das LKH Stolzalpe eingeliefert. Dort jedoch können die Ärzte nichts finden und schicken Mutter und Sohn wieder nach Hause. "Mein Sohn kann nicht sprechen, weil er Autist ist", erklärt Sandra D., "daher kann er auch nicht sagen, wo es ihm wehtut".

Diagnose: Zyste im Rückenmark
Die verzweifelte Frau will sich mit der ärztlichen Diagnose nicht abfinden - und fährt ins Spital nach Leoben. Erst eine Magnetresonanz bringt Klarheit. Das Ergebnis trifft Mutter Sandra wie ein Keulenschlag: "Eine Zyste im Rückenmark im Bereich der Brustwirbelsäule wurde entdeckt."

Die Erkrankung verlief akut, die Prognose war denkbar schlecht: Zwischen den ersten Anzeichen einer Gehschwäche und der kompletten Querschnittslähmung des Buben lagen gerade einmal zwei Monate.

Zuerst schlechte Prognose nach Operation
Die riskante Rückenmarkoperation verlief ohne Komplikationen. Eder beschreibt: "Die Zyste befand sich innerhalb des Rückenmarks. Das Rückenmark selbst war an dieser Stelle nur mehr fadendünn und umgab die Zyste wie ein schmaler Nervensaum." Nach der Operation konnte das Kind allerdings das linke Bein weiterhin nicht bewegen, beim rechten Bein war nur eine "geringfügige Beweglichkeit" zu bemerken. Mit einer Verbesserung des Zustandes war trotz perfekter Operation mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu rechnen.

Doch schon zwei Monate und etliche physiotherapeutische Trainingseinheiten später sah die Situation ganz anders aus: Als die Mutter eines Tages nach ihrem Sohn im Rollstuhl sehen wollte, war die Bewegungshilfe leer. Sie fand ihren Marko am Balkon - alleine, ohne Hilfe war er aufgestanden und an die frische Luft gegangen. Sandra D.: "Da stand er vor mir und hat mich angelacht. Diesen Augenblick werde ich mein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen!"

"Großes Selbstheilungspotenzial bei Kindern"
Neurochirurg Eder unterstreicht anhand dieses Verlaufs das große Potenzial zur Selbstheilung bei Kindern: "Allgemein bekannt ist ja, dass Kinder nach operativen Eingriffen am Gehirn ein viel höheres Regenerationsvermögen aufweisen als Erwachsene. Dieser Genesungsverlauf macht nun umso mehr deutlich, dass bei Kindern auch das Regenerationsvermögen des Rückenmarks um ein Vielfaches höher ist." Nach den Worten des Mediziners zeige sich immer stärker, dass sich neurochirurgische Eingriffe bei Kindern als richtig erweisen und so Genesungsprozesse häufiger herbeigeführt werden können als bisher angenommen.

Von Ernst Grabenwarter, Kronen Zeitung, und krone.at

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