Do, 15. November 2018

Herren-Masters

13.11.2003 19:01

Agassi nach heroischem Kampf weiter im Rennen

Auch im biblischen Tennis-Alter ist er nochfür Überraschungen gut. Als sich manche Kritiker schonGedanken machten, wie er sich wohl nach der zweiten bitteren Niederlageaus dem Masters Cup in Houston/Texas stehlen werde, strafte sieder 33-jährige Andre Agassi Lügen und machte aus einemfast schon verlorenen Match noch eine Erfolgsgeschichte. Mit 2:6,6:3, 6:4 kämpfte er den Spanier Juan Carlos Ferrero nieder,vertrieb die Angst vorm Ausscheiden und machte den Schweizer RogerFederer zum ersten Halbfinalisten.
 
Ferrero beherrscht Agassi zu Beginn nachBelieben
Frustrierend schnell hatte French-Open-Sieger Ferreroauf dem Hartplatz des Westside Tennis Clubs den ersten Satz gewonnen,und auch im zweiten Durchgang schien er nicht nachzulassen. Agassiversuchte alles und benutzte, als auch das nichts half, brachialeGewalt. Nicht nur im wörtlichen Sinne. Nein, ganz real. Miteinem kräftigen Hieb auf die Schuhsohle machte er aus seinemRacket kurzerhand Kleinholz. Das half. Nun landeten die Bälleim Feld und nicht mehr im Aus. Der verunsicherte Ferrero musstesich schließlich entnervt mit 6:2, 3:6, 4:6 geschlagen geben.
 
"Ich war total frustriert", sagte Agassi und dachteerfolglos darüber nach, wann er zum letzten Mal einen Schlägerauf dem Platz zertrümmert hatte. "Nein, nein", erklärteer schließlich schelmisch lachend: "Auf dem Platz habe ichmeinen Schläger ja auch gar nicht zertrümmert. Dazuhabe ich viel zu viel Respekt vor dem Court. Der hat schließlichzehn Millionen Dollar gekostet." Der zweifache Familienvater fühltesich nach der WM-Wiedergeburt sichtlich wohl, war gesprächigund umgänglich. Die Sehnsucht nach der Familie war zwar nochda ("ich vermisse Steffi und die Kinder sehr"), aber der zweiteWM-Titel nach 1990 lockt: "Jetzt ist wieder alles möglich."
 
Agassi nun wieder mit Titel-Chancen
Zweifel hegte niemand daran, dass Agassi nach dergroßartigen Steigerung wieder ein ernsthafter Titel-Kandidatist. Und dass auch David Nalbandian dies im letzten Gruppenspielzu spüren bekommen würde. Während Ferrero mit derzweiten Pleite aus dem Titel-Rennen ausgeschieden ist, machtender Australian-Open-Sieger und sein 21 Jahre alte Kontrahent ausArgentinien am frühen Freitagmorgen europäischer Zeitden zweiten Halbfinalisten aus der Blauen Gruppe unter sich aus.
 
Federer schon im Halbfinale
Tabellenführer Roger Federer konnte sich derweilzurücklehnen und das Gerangel um den 2. Platz der BlauenGruppe an seinem spielfreien Tag genüsslich verfolgen. DemSchweizer war nach seinem 6:3, 6:0- Kantersieg in 1:11 Stundengegen Nalbandian sowie dem Sieg Agassis die Spitzenposition nichtmehr zu nehmen. Sein Match am Freitag (Ortszeit) gegen Ferrerodient dem Wimbledon-Sieger nur noch als Aufgalopp für dieVorschlussrunde am Samstag.
 
Roddick bleibt die Nummer 1
Grund zum Feiern hätte ein weiterer Titelanwärtergehabt, wenn nicht das Spitzenspiel der Roten Gruppe gegen RainerSchüttler gewesen wäre. US-Open-Gewinner Andy Roddickwird das Tennis-Jahr als Nummer 1 im Champions Race beenden. Dasstand nach Ferreros Niederlage fest. "Ich bin riesig stolz darauf",sagte der 21-Jährige, dem nach einer "sensationellen Saison"nur noch der Gewinn der mit 3,65 Millionen Dollar dotierten ATP-Weltmeisterschaftfehlt.

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