05.11.2008 17:07 |

Die Welt freut sich

Die Reaktionen auf die Wahl Barack Obamas

Die Wahl Barack Obamas scheint im Großteil der Welt dasselbe positive Echo zu erzeugen. Staats- und Regierungschefs gratulieren dem designierten 44. Präsidenten der USA, in vielen Ländern gibt es Feste für Obama - etwa in Kenia (Bild und Video). krone.at fasst hier die internationalen Reaktionen auf die US-Wahl zusammen.

Zu den ersten österreichischen Gratulanten für Barack Obama zählten am Mittwoch der designierte und der noch amtierende Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. "Mit Barack Obama wurde ein Politiker zum US-Präsidenten gewählt, der sich seit Beginn seiner politischen Laufbahn für sozial Schwache und gesellschaftlich Benachteiligte engagiert hat", wird Bundeskanzler Alfred Gusenbauer in einer Aussendung zitiert. "Sein im Wahlkampf propagiertes Konzept für einen Wechsel in der amerikanischen Politik hat offensichtlich die Wähler überzeugt."

Auch der SPÖ-Vorsitzende Werner Faymann zeigte sich in einer Aussendung "außerordentlich erfreut" über den Wahlsieg des Demokraten. Die Wahl Obamas sei ein sehr wichtiges Signal der Offenheit und der Chance auf Veränderung. "Barack Obama ist ein Hoffnungsträger für Millionen Menschen in den USA und in Europa. Er steht für eine sozialere, gerechtere Politik und gerade angesichts der Finanzkrise und des Klimawandels für die Chance einer neuen Zusammenarbeit mit Europa und der europäischen Wirtschaft. Dieser Dialog ist auch für Österreich und unsere Wirtschaft wichtig."

Zu den Gratulanten aus Österreich gesellte sich auch der geschäftsführende ÖVP-Obmann Josef Pröll. In einer Aussendung spricht er von einem "überwältigenden Sieg", der aber auch mit großen Hoffnungen und Erwartungen verbunden sei, "nicht nur der amerikanischen Bevölkerung, sondern auch Europas und der restlichen Welt an Obama. Der neue Schwung könnte tatsächlich eine Neuausrichtung für die USA und ihre Politik bringen."

Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer sagte: "Die Menschen in den Vereinigten Staaten haben heute eine in vielerlei Hinsicht historische Wahl getroffen und Barack Obama ihr Vertrauen ausgesprochen. Ich gratuliere dem neuen Präsidenten der USA, der dieses Amt in einer Zeit großer Herausforderungen übernimmt." Und er forderte: "Es ist die Zeit eines stotternden Konjunkturmotors, einer grundlegenden Veränderung des globalen Wirtschafts- und Finanzsystems, deren Auswirkungen wir noch nicht gänzlich abschätzen können. Diese Entwicklung verlangt von den Staaten dieser Welt den intensiven Dialog, die Zusammenarbeit, um den Menschen Sicherheit zu geben. Der transatlantische Dialog muss weiter intensiviert werden."

"Das ist ein Augenblick der Zuversicht. Über diesen Anfang liegt der besondere Zauber des 'Yes we can' - 'Wir schaffen es'", sagte Außenministerin Ursula Plassnik in einer ersten Reaktion auf das Ergebnis der Präsidentenwahlen in den USA. "Barak Obama hat überzeugend gewonnen. Seine Wahl verknüpft wieder die Themen Politik und Hoffnung. Das ist besonders wichtig im Kampf gegen Politikverdrossenheit. Und gibt gerade Jungen und Benachteiligten wieder das Gefühl des Einbezogenwerdens", sagte Plassnik am Mittwoch laut Aussendung.

Bundespräsident Heinz Fischer hat im Namen der Republik Österreich und Barack Obama "sehr herzlich" zur Wahl zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gratuliert. Wörtlich heißt es in einem Glückwunschschreiben an den neu gewählten US-Präsidenten, dass "in einer Zeit enormer globaler Herausforderungen Ihre Führungskraft nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch für die Beziehungen zwischen den USA und Europa und für eine friedliche und positive Entwicklung der gesamten internationalen Gemeinschaft von größter Bedeutung ist". Österreich habe sehr enge und bewährte freundschaftliche Beziehungen mit den Vereinigten Staaten und sei als Mitglied der Europäischen Union entschlossen, seinen Beitrag zu einer "starken und nutzbringenden transatlantischen Partnerschaft" zu leisten. "Wir freuen uns auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihrer Administration in der Absicht, unsere bereits ausgezeichneten bilateralen Beziehungen noch weiter zu intensivieren." Der Bundespräsident schloss sein Gratulationsschreiben mit seinen besten Wünschen für Erfolg und persönliches Wohlergehen.

Der französische Präsident und EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy schrieb in einem Brief an Obama, es sei ein "glänzender Sieg" gewesen. Der französische Präsident übermittelte seinem künftigen Amtskollegen seine herzlichsten Glückwünsche im Namen des gesamten französischen Volkes. "Ihr glanzvoller Sieg ist der Lohn für ein unablässiges Engagement im Dienste des amerikanischen Volkes", so Sarkozy. Durch die Wahl Obamas habe sich Amerika für den Wandel, die Öffnung und den Optimismus entschieden. Angesichts der Spannungen in der Welt und den Zweifeln hat das amerikanische Volk seinen Glauben an den Fortschritt und an die Zukunft unter Beweis gestellt. Der französische Außenminister Bernard Kouchner betonte, Frankreich und Europa bräuchten die Tatkraft Obamas und seinen Willen, für die Errichtung einer gerechteren Welt vorwärtszuschreiten. Kouchner wünschte Obama den größtmöglichen Erfolg als Präsident.

Der britische Premierminister Gordon Brown hat dem gewählten neuen US-Präsidenten Barack Obama eine "sehr enge" Zusammenarbeit angeboten. Der Demokrat habe einen "inspirierenden Wahlkampf geführt und die Politik mit seinen fortschrittlichen Werten und seiner Vision für die Zukunft angeregt", sagte Brown am Mittwoch in London. Er freue sich sehr darauf, mit Obama sehr eng zusammenzuarbeiten. "Die Beziehung zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich ist entscheidend für unsere Prosperität und Sicherheit", sagte Brown. "Ich kenne Barack Obama, und wir teilen viele Werte. Wir beide sind entschlossen zu zeigen, dass die Regierung den Menschen durch diese schweren wirtschaftlichen Zeiten helfen kann."

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zugesichert. In ihrem Glückwunschbrief schrieb Merkel: "Die Welt steht zu Beginn Ihrer Amtszeit vor bedeutenden Herausforderungen." Sie sei "überzeugt, dass wir in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa den neuartigen Gefahren und Risiken entschlossen begegnen und die vielfältigen Chancen, die sich in unserer globalen Welt eröffnen, gut nutzen werden." Merkel unterstrich: "Seien Sie überzeugt, dass sich meine Regierung stets der Bedeutung und des Wertes der transatlantischen Partnerschaft für unsere gemeinsame Zukunft bewusst ist." Sie erinnere sich gerne an das Gespräch mit Obama während seines Deutschland-Besuches im vergangenen Juli und freue sich auf die Zusammenarbeit. Die Kanzlerin lud Obama zu einem baldigen Besuch nach Deutschland ein.

Die italienische Regierung und Staatspräsident Giorgio Napolitano haben Barack Obama zu dessen US-Wahlsieg gratuliert. Die Regierung Berlusconi werde weiterhin freundschaftliche Beziehungen mit den USA nach der Wahl Obamas pflegen, weil sich die beiden Ländern sehr nahe seien, sagte Paolo Bonaiuti, Sprecher des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, enger Freund von George W. Bush. Bonaiuti betonte, dass Berlusconi in seiner Rolle als Premierminister im Jahr 1994 gute Beziehungen zum demokratischen Präsidenten Bill Clinton unterhalten hatte. Auch Napolitano gratulierte Barack Omaba. "Wir Italiener fühlen uns auf politischer, historischer, kultureller und menschlicher Ebene dem amerikanischen Volk und den USA nahe. Dies ist ein großer Tag, der neue Hoffnung und Vertrauen im Einsatz für den Frieden, die Freiheit und für eine sicherer und gerechtere Weltordnung gibt", hieß es in der Botschaft Napolitanos an Obama. Auch Italiens oppositionelle PD (Demokratische Partei), die der Demokratischen Partei in den USA sehr nahe steht, gratulierte Obama. Der PD-Spitzenpolitiker und Ex-Außenminister, Piero Fassino, zeigte sich überzeugt, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und der EU mit Obama wesentlich bessern werden.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat Barack Obama zur gewonnenen Präsidentschaftswahl in den USA gratuliert. "Im Namen der Europäischen Kommission und in meinem eigenen Namen möchte ich Senator Obama zur Wahl zum 44. US-Präsidenten gratulieren", hieß es in einer Mitteilung. Es sei Zeit für Europa under Gesellschaft. Die EU hatte ihre Vorstellungen der transatlantischen Zusammenarbeit mit dem künftigen US-Präsidenten schon vor der Wahl schriftlich festgelegt. In einem sechsseitigen Brief an den US-Präsidenten Im Grundsatz geht es in dem Dokument, wie es der französische Außenminister Bernard Kouchner beschreibt, um den Ansatz zu einer multilateralen Politik. "Die Zeiten haben sich geändert", sagte Kouchner. Früher hätten Alleingänge in der Politik die Welt bestimmt. Die Tage einer unilateralen Politik seien aber nun vorüber.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner hat den demokratischen Senator Obama zu seinem "beeindruckenden Wahlsieg" gratuliert. "Wir setzen auf neuen Schwung in der transatlantischen Partnerschaft zwischen den USA und Europa auf gleicher Augenhöhe", erklärte sie am Mittwoch in Brüssel. „Auch wenn die globale Finanzkrise uns momentan alle beschäftigt, haben wir Europäer ein originäres Interesse daran, dass die neue Administration sich von Anfang an auch dringenden internationalen Fragen wie zum Beispiel prioritär dem Nahost-Friedensprozess, Afghanistan/Pakistan aber auch Klimawandel und Energiesicherheit zuwendet", betonte die EU-Kommissarin. Dies seien Herausforderungen, "denen wir uns gemeinsam und in enger Abstimmung stellen müssen".

In der russischen Politik ist der Sieg Barack Obamas bei der US-Präsidentschaftswahl mit Erleichterung aufgenommen worden. Auf die russisch-amerikanischen Beziehungen dürfte sich dieser Wechsel im Weißen Haus positiv auswirken, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Föderationsrates, Alexander Torschin, am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax. Unter dem bisherigen Präsidenten George W. Bush hatte sich das Verhältnis zwischen Moskau und Washington deutlich verschlechtert. "Mit Obama tun sich im russisch-amerikanischen Dialog neue Perspektiven auf", sagte der stellvertretende Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im Föderationsrat, Wassili Lichatschow. Bei Themen wie der geplanten US-Raketenabwehr für Mitteleuropa und der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen bestehe Hoffnung auf einer bessere Zusammenarbeit. Der russische Präsident Dmitri Medwedew sprach dann am frühen Nachmittag die Erwartung auf eine Verbesserung der erheblich belasteten beiderseitigen Beziehungen aus, gratulierte Obama aber vor den russischen Bürgern nicht zu seinem Wahlsieg. In seiner ersten Rede zur Lage der Nation sagte Medwedew lediglich, er hoffe, dass sich Obamas Regierung "für vollwertige Beziehungen mit Russland entscheidet". Medwedew schickte Obama allerdings ein Telegramm mit Glückwünschen.

Israel hofft nach dem Wahlsieg von Barack Obama bei den Präsidentschaftswahlen auf eine Fortsetzung der Sonderbeziehungen zwischen beiden Ländern. Israel erwarte, dass die enge strategische Partnerschaft mit dem künftigen Präsidenten, der neuen US-Regierung und dem Kongress fortgesetzt werde, heißt es in einer Erklärung der Außenministerin Zipi Livni vom Mittwoch. Livni bezeichnete die Wahl des ersten schwarzen US-Präsidenten als einen "Ehrenorden" für die Demokratie in den Vereinigten Staaten. Angesichts vieler Vorbehalte von Israelis gegen Obama sagte Livni, sie habe den Eindruck gewonnen, dass sich der neue Präsident der Sicherheit und dem Wohlergehen Israels verpflichtet fühle.

Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas hat dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama zum Wahlsieg gratuliert. Er freue sich darauf, gemeinsam mit der neuen US-Regierung größeres Tempo in die Friedensverhandlungen zu bringen. Obama solle den Friedensprozess sofort neue Impulse geben, um Frieden und Stabilität in den Nahen Osten zu bringen, sagte Abbas. Ein Sprecher der radikalen Hamas, die seit mehr als einem Jahr den Gaza-Streifen kontrolliert, gratulierte Obama nicht. Dafür gab Hamas-Sprecher Fausi Barhum dem künftigen US- Präsidenten den Rat mit auf den Weg, aus den Fehlern von US-Präsident George W. Bush zu lernen. Hamas habe nichts gegen einen Dialog mit Obama.

Chinas Präsident Hu Jintao hat dem designierten US-Präsidenten Barack Obama zu seinem Wahlsieg gratuliert und einen erweiterten Dialog zwischen beiden Ländern in Aussicht gestellt. "Die chinesische Regierung und ich schreiben den US-chinesischen Beziehungen beständig große Bedeutung zu", schrieb Hu in einem Telegramm an Obama laut einer Mitteilung des chinesischen Außenministeriums. Er betonte, dass eine langfristige, stabile und gesunde Beziehung im Interesse beider Nationen liege. Die Wahl Obamas sei ein "neuer historischer Zeitabschnitt". Der Staatspräsident erwarte sich mit Obama eine Zusammenarbeit, die den Dialog und Austausch zwischen beiden Nationen fördere und die Beziehungen "auf eine neue Ebene" stelle.

Auch der konservative japanische Ministerpräsident Taro Aso hat Barack Obama zur gewonnenen Präsidentschaftswahl in den USA beglückwünscht. Er gratuliere "von ganzem Herzen", sagte Aso am Mittwoch. Er wolle gemeinsam mit dem künftigen Präsidenten Obama die Sicherheitsallianz zwischen beiden Ländern stärken und auf eine Lösung der Probleme der internationalen Gemeinschaft hinarbeiten. In japanischen Regierungskreisen wird davon ausgegangen, dass sich das Verhältnis zur Schutzmacht Amerika durch den Machtwechsel in den USA nicht ändern wird. Die bilateralen Beziehungen würden "nicht im geringsten ins Wanken geraten", meinte ein Regierungssprecher des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Aso. Unter dem bisherigen republikanischen Präsidenten George W. Bush war Japan zu einem von Bushs treuesten Verbündeten im Kampf gegen den Terror geworden. Ex-Premier Junichiro Koizumi pflegte eine enge Freundschaft mit Bush und schickte eigene Truppen zum Wiederaufbau in den Irak. Gespannt wird nun in Tokio abgewartet, wie Obama vorgehen wird - auch im Hinblick auf Japans größte Sicherheitssorge Nordkorea.

Der Vatikan hat in seinen Glückwünschen die "außerordentliche Aufgabe" hervorgehoben, die Barack Obama nach seinem Wahlsieg in den USA bevorsteht. "Wir wünschen ihm, dass er allen Erwartungen und Hoffnungen erfüllen kann, die an ihn gerichtet werden, indem er Gerechtigkeit verfolgt und neue Wege findet, um den Frieden in der Welt, die Menschenwürde und den Respekt der menschlichen und spirituellen Werte zu fördern", sagte der Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi. "Die Gläubigen beten, damit Gott Obama erleuchtet und ihn in seiner riesigen Verantwortung gegenüber seinem Land und der ganzen Welt unterstützt", so Lombardi.

Südafrikas Ex-Präsident und Friedens-Nobelpreisträger Nelson Mandela (90) hat Obama zum Wahlsieg Kraft und Stärke für seine Amtszeit gewünscht. Mandela, der in der Vergangenheit die US-Regierung wegen ihrer Irak-Politik gerügt hatte, meinte in einem Schreiben an Obama: "Ihr Sieg hat gezeigt, dass es niemandem auf der Welt verwehrt sein sollte davon zu träumen, die Welt in einen besseren Platz zu verwandeln". Zuvor hatte bereits Südafrikas Präsident Kgalema Motlanthe in einem Telegramm an Obama erklärt: "Ihr Sieg in dieses hohe Amt bringt Hoffnung für Millionen Ihrer Landsleute sowie für Millionen Menschen afrikanischer Abstammung sowohl in Afrika wie in der Diaspora mit sich".

Irak rechnet nicht mit raschem US-Abzug nach Obama-Sieg
Die Regierung im Irak rechnet auch unter dem künftigen Präsidenten Obama nicht mit einem raschen Truppenabzug der USA. Der Wahlsieg Obamas werde "keinen raschen amerikanischen Abzug mit sich bringen", sagte der irakische Außenminister Hoshjar Sebari am Mittwoch in Bagdad. Auch aus dem Irak gab es Glückwünsche, wenn auch verhaltene. Er rechne in dieser Hinsicht nicht mit einem "brüsken politischen Wandel" in den USA. Obama hatte im Wahlkampf angekündigt, die US-Truppen im Irak innerhalb eines Zeitraums von 16 Monaten weitgehend abzuziehen.

Amnesty: 100 Tage zur Reparatur der "Schäden" der Ära Bush
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama indes 100 Tage Zeit gegeben, um von seinem Vorgänger "angerichtete Schäden zu reparieren". In einer am Mittwoch in London veröffentlichte des scheidenden Präsidenten George W. Bush hervorgerufenen "Schäden in den USA und im Ausland" beheben. Vor allem müsse das US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba geschlossen werden. Der künftige US-Präsident müsse die Frage der Menschenrechte zu einem Kernanliegen seiner Regierung und die USA dabei wieder zu einem Vorbild machen. Amnesty stellte eine Liste mit Maßnahmen auf, die der künftige Präsident "binnen hundert Tagen" treffen solle. Dazu zählten ein Zeitplan zur Schließung von Guantanamo, das Verbot von Foltermethoden sowie die Einsetzung einer unabhängigen Kommission, welche die Verfehlungen der USA in ihrem Feldzug gegen den internationalen Terrorismus untersuchen solle.

Tausende feiern in Kenia den Wahlsieg Obamas
Im Westen Kenias sind anlässlich des Obama-Triumphs fulminante Wahlpartys entbrannt. Angehörige und Anhänger des Demokraten fieberten in Kogelo, dem Heimatdorf von Obamas verstorbenem Vater, einem Wahlsieg entgegen. Amerikanische Flaggen, Obama-Plakate und brennende Autoreifen zierten die Straßen zahlreicher anderer Städte. Hunderte Menschen sind auf den Straßen und beten für den Sieg des schwarzen Senators aus Illinois. Viele Menschen erwarten sich bei einem Sieg Obamas mehr wirtschaftliche und soziale Unterstützung der USA für Afrika, erklärte einer der Organisatoren der Festivitäten, Sam Ouma. Bereits am Montag verkabelten Techniker in dem Dorf Kogelo einen riesigen Bildschirm, auf dem die Fans die US-Wahlnacht verfolgen konnten. Die Straße zum Obama-Haus war extra für den Wahltag gepflastert worden.

In Jakarta feiern Obamas Klassenkameraden aus Kindertagen
Indonesier, die vor 40 Jahren mit Barack Obama in Jakarta die Schulbank drückten, haben den Wahlsieg des Amerikaners am Mittwoch gefeiert. "Unglaublich, wir sind so stolz auf ihn", sagte Dewi Asmara Oetojo, die heute im indonesischen Parlament sitzt. Sie habe zwar nicht geglaubt, dass Obama das Zeug zur Führungsfigur habe, doch sei er damals schon "sehr weise" gewesen, meinte sie. "Wir sind sehr glücklich", sagte ein anderer ehemaliger Mitschüler, Widiyanto. Obama hatte mit seiner Mutter und dem indonesischen Stiefvater von 1967 bis 1971 in Jakarta gelebt. Er ging dort zunächst in eine christliche, dann in eine staatliche Schule. Dort, in der Menteng 1 SD Besuki-Volksschule, fiel der Unterricht aus, damit Hunderte Schüler die Ergebnisse im Fernsehen verfolgen konnten. "Lang lebe Obama!" riefen sie. Die Schüler hätten eine emotionale Bindung zu Obama, meinte Schuldirektor Kuwadiyanto. "Wir sind alle stolz." Vizepräsident Jusuf Kalla gratulierte Obama. Sein Sieg bringe Hoffnung für die ganze Welt. Er hatte seine Landleute allerdings früher schon gewarnt, nicht zu viel von Obama zu erwarten. Die frühen Jahre in Indonesien seien eher eine Bürde für den nächsten US-Präsidenten.

Reaktionen aus Osteuropa: "Neues Amerika-Image"
Auch in den osteuropäischen Ländern ist die Wahl des Demokraten Barack Obama zum neuen US-Präsidenten nicht unkommentiert geblieben. Im Folgenden eine Auswahl politischer Reaktionen:

TSCHECHIEN: Der konservative (ODS) Premier Mirek Topolanek sagte, er freue sich auf eine Zusammenarbeit mit Obama, besonders im Laufe des bevorstehenden tschechischen EU-Vorsitzes im 1. Halbjahr 2009. "Die gesamte Welt wird mit Spannung beobachten, wie er seine Versprechen erfüllen wird." Topolanek lud Obama zu einem baldigen Besuch nach Prag ein.

Laut den oppositionellen Sozialdemokraten (CSSD) handle es sich um eine "historische Wahl und Hoffnung nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt". Die USA hätten gezeigt, dass sie einer Selbstreflexion und einer grundsätzlichen Änderung fähig seien, betonte CSSD-Chef Jiri Paroubek. In Tschechien wurde die US-Präsidentenwahl, aufgrund der Absicht der USA eine Radaranlage in Tschechien zu stationieren, besonders aufmerksam verfolgt.

POLEN: Der Sprecher von Präsident Lech Kaczynski sagte: "Das liberale Politikmodell, das bisher in den USA galt, hat seine gesellschaftliche Akzeptanz verloren. Barack Obama hat das Mandat, dieses Modell zu ändern." Polen hoffe auf eine Weiterentwicklung der strategischen Partnerschaft mit den USA. Außenminister Radoslaw Sikorski: "Der Sieg von Obama bedeutet ein neues Image Amerikas in der Welt. Das erneuerte Amerika mit einem neuen Vertrauenskredit bleibt unser Partner. Jetzt gibt es eine reale Chance, dass die USA die Visumpflicht für Polen aufheben. Beim Bau des Raketenschildes wird er sich an die Vereinbarungen halten, die sein Vorgänger geschlossen hat."

UNGARN: Die regierenden Sozialisten (MSZP) gratulierten Obama zu seinem "historisch bedeutsamen Sieg". In der Geschichte der Vereinigten Staaten würde "eine neue Epoche beginnen", wobei "wir hoffen, dass die Kontinuität in den amerikanisch-ungarischen Beziehungen dominieren wird". Mit Obamas Wahlerfolg hätte auch "die amerikanische Demokratie einen großen Sieg über jahrhundertelange Vorurteile errungen", zitierte die Nachrichtenagentur MTI das ungarische Außenministerium.

Die rechtskonservative Oppositionspartei Fidesz-MPSZ sieht in dem Obama-Sieg vor allem "eine neue Chance dafür, die Zerbrechlichkeit des transatlantischen Verhältnisses zu überwinden". Laut Zsolt Nemeth, Leiter des Büros für Auswärtige Angelegenheiten der Partei, habe die Wahl des afroamerikanischen demokratischen Kandidaten gezeigt, dass "in den USA die Herkunft bei den politischen Entscheidungen sekundär ist". In dieser Hinsicht könne Mitteleuropa von den USA lernen.

SLOWENIEN: Staatspräsident Danilo Türk und der scheidende Premier Janez Jansa hoben die "hervorragenden und freundschaftlichen Beziehungen" zwischen Slowenien und den USA hervor. "In der Zeit von ernsthaften und komplexen Herausforderungen für die Weltwirtschaft und neuen Formen von globalen Bedrohungen sind mehr denn je Vision und Courage nötig. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika trägt dabei eine besondere Verantwortung, die über die nationalen Rahmen hinausreicht und die ganze Welt beeinflusst", meinte Jansa.

SLOWAKEI: Präsident Ivan Gasparovic: "Wir erwarten keine grundsätzlichen Änderungen in den Beziehung der USA zu ihren Verbündeten. Wir hoffen, dass es zu einer positiven Wende in den amerikanisch-russischen Beziehungen kommt." Der slowakische Außenminister Jan Kubis meinte, die Beziehungen zwischen den USA und der Slowakei entwickelten sich positiv und er hoffe, dass der neue Präsident an diese guten Beziehungen anknüpfe.

KROATIEN: Präsident Stjepan (Stipe) Mesic nannte den Wahlsieg Obamas den Anfang eines neuen Kapitels in der Haltung der USA zur Welt und der Welt zu den USA. "Sie haben im Wahlkampf gezeigt, dass Sie die Probleme der modernen Welt verstehen und eine klare Vision der Rolle der USA in der internationalen Szene haben", heißt es in der in Zagreb veröffentlichten Glückwunschbotschaft. Mesic erwartet, dass der neue Präsident seine Aufmerksamkeit auch Südosteuropa widmen wird - einer Region, die noch immer von den Folgen der Kriege im zerfallenen Jugoslawien belastet ist.

RUMÄNIEN: Staatspräsident Traian Basescu sagte, der Wahlkampf Obamas habe das Interesse der Rumänen geweckt und das Vertrauen in die amerikanische Demokratie verstärkt. Der Sieg Obamas komme zu einem Zeitpunkt, da die strategische Partnerschaft zwischen Rumänien und den USA einen Höhepunkt erreiche. Die USA hatten in Rumänien 2007 aufgrund eines bilateralen Abkommens Stützpunkte für kleinere Truppenkontingente eingerichtet.

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