Fr, 17. August 2018

Formel-1-Finale

20.10.2008 16:46

Lewis Hamilton muss jetzt cool bleiben

2007 ist Lewis Hamilton als Shooting-Star der Formel 1 haarscharf am WM-Titel vorbeigeschrammt, obwohl er vor dem letzten Rennen alle Trümpfe in der Hand hielt. Auch heuer steht der McLaren-Pilot vor dem Finale, das am 2. November in Brasiliens Metropole Sao Paulo über die Bühne geht, wieder ganz knapp vor dem ultimativen Triumph - sofern er die Nerven behält. Denn mit sieben Punkten Vorsprung würde dem Briten schon Platz fünf reichen, um vor Ferrari-Pilot Felipe Massa Weltmeister zu werden. Hamilton selbst gibt sich jedenfalls cool und will sich durch nichts vom Titelkurs abbringen lassen. Schon gar nicht von Diskussionen um die offensichtliche Stallregie seiner Ferrari-Rivalen beim Grand Prix von China...

"Ich weiß, dass wir wahrscheinlich dasselbe tun würden", versicherte der 23-jährige Brite, der vor dem großen Finale eine ganze Motorsport-Nation hinter sich weiß. "Es gibt noch einen Berg zu besteigen mit diesem letzten Rennen, aber er hat verstanden, welche Disziplin ihn an diesen Punkt bringen wird", sagte der bisher letzte englische bzw. britische Formel-1-Champion Damon Hill in einem Interview mit dem Sender BBC.

Sieben Punkte Vorsprung hat Hamilton auf Felipe Massa. Eigentlich ein beruhigender Polster. So dick, dass in zwei Wochen Platz fünf in Brasilien für Hamilton reichen würde, um als jüngster Pilot der Formel-1-Geschichte mit 23 Jahren, neun Monaten und 26 Tagen den Titel einzufahren.

Noch ein Rennen bis zum Ruhm
"Der Formel-1-Titel gehört Lewis Hamilton, wenn er die Nerven behält", schrieb die Londoner "Times". Hamilton sei "ein Rennen vom Ruhm entfernt", befand "Daily Mail" und das Boulevardblatt "The Sun" meinte: "Lewis erlebt ein Shang-High. Lewis Hamilton hielt China in den Händen - und hat nun beinahe die Welt zu Füßen."

Entfernt von der Vollendung seines Meisterwerks ist Hamilton noch 305,909 Kilometer. Oder: 71 Runden auf dem 4,309 Kilometern langen Interlagos Circuit vor den Toren Sao Paulos. Kommt der fünffache Saisonsieger mindestens als Fünfter ins Ziel, ist ihm die Krone sicher. Fällt Rivale Massa, der von rund 100.000 Landsleuten angefeuert werden wird, aus, könnte sich auch Hamilton einen Nuller leisten.

Mit kalkuliertem Risiko zum Titel
Kalkuliertes Risiko heißt die Devise für den mehrfach als Heißsporn im Formel-1-Verkehr auffällig gewordenen Hamilton. Das Wichtigste sei, sich aus allen Schwierigkeiten herauszuhalten, betonte McLaren-Teamchef Ron Dennis: "Wir fahren dorthin mit dem Wissen, dass Rang drei, vier oder fünf reicht." Denn selbst ein Doppelerfolg der Scuderia mit Massa an der Spitze und dem entthronten Weltmeister Kimi Räikkönen auf Platz zwei brächte dem Brasilianer nichts, sollte Hamilton mindestens vier Punkte einfahren. Dies gelang dem Engländer allerdings in diesem Jahr schon fünfmal nicht.

Das allein würde aber noch keine bösen Erinnerungen wecken. Vor einem Jahr aber hatte er es eben auf dem Interlagos-Kurs nach Problemen an seinem Boliden nicht geschafft, einen Sieben-Punkte-Vorsprung auf den damals vor dem letzten Saisonlauf in der WM nur drittplatzierten Räikkönen zu verteidigen. Am Ende lag er einen Zähler hinter dem Finnen. "In Sao Paulo kann noch alles passieren", resümierte deshalb der "Corriere della Sera" in Erinnerung an das unglaubliche WM-Finale des Vorjahres.

Im Gegensatz zu 2007 hatte Ferrari aber in China keine Chance gegen den McLaren von Hamilton, ein Umstand, der nicht nur den Verantwortlichen Kopfzerbrechen bereitete. "Ferrari bezieht Prügel", schimpfte etwa "La Gazzetta dello Sport".

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