Sa, 18. August 2018

Marc im Interview

15.10.2008 16:12

Stürmer Janko spricht über das Fußballer-Dasein

Alle schauen auf ihn, vor allem die gegnerischen Abwehrreihen. Marc Janko ist im österreichischen Nationalteam zum Schlüsselspieler avanciert und sprach über mentale Blockaden, Privilegien eines Spitzensportlers und ein Schlüsselerlebnis 1996:

1990 hat Färöer im ÖFB-Team ein Trauma ausgelöst. Ist der jüngste Misserfolg schon aus den Köpfen?
Janko: "Wir arbeiten daran. Ganz einfach ist es sicherlich nicht, das zu verarbeiten. Am Besten ginge es mit Erfolgen. Wir haben ja nicht einmal richtig schlecht gespielt. Es war einfach ein extrem schwieriges Spiel."

Auch für Sie selbst. Lastet auf Ihnen als Stürmer Nummer eins jetzt ein besonderer Druck?
Janko: "Das belastet mich nicht. Der Anspruch an mich ist jetzt eben ein höherer. Aber den höchsten Anspruch an mich stelle ich sowieso selbst. Ich bin selbst mein größter Kritiker. Ich brauche keine Zeitungen oder Benotungen zu lesen, um zu wissen, dass ich schlecht gespielt habe. Da ärgere ich mich selbst am meisten."

Außer Färöer gab es zuletzt wenig zu ärgern. Zehn Tore in der Bundesliga, zwei im Nationalteam, zwei im UEFA-Cup - ist Ihr Erfolgslauf in dieser Saison rational zu erklären?
Janko: "Immer kann man das nicht erklären. Die Mannschaft arbeitet sehr gut für mich. Und die Qualität steht mittlerweile außer Zweifel. Die hat man oder man hat sie nicht. Aber es gibt auch andere Zeiten. Bei Stürmern ist es oft so, dass es auch einmal eine längere Dürreperiode gibt."

Diese Dürreperioden nagen am Selbstvertrauen. Ist Stürmer die Position, auf der die mentale Verfassung die größte Rolle spielt?
Janko: "Bei einem Stürmer spielt der Kopf sehr viel mit, das stimmt. Man muss frei sein. Man darf sich nicht so leicht verrückt machen lassen, wenn es einmal nicht so gut läuft. Das habe ich aber auch erst in meiner letzten Verletzungsphase gelernt, dass ich ruhig bleiben und weiterarbeiten muss."

In welcher Form hat diese schwierige Zeit - neun Monate Pause - ihre Persönlichkeit sonst noch geprägt?
Janko: "Ich habe am eigenen Leib verspürt, wie es ist, wenn die Karriere am Abgrund steht. Dadurch versteht man erst, was für ein Privileg es ist, sein Hobby zum Beruf machen zu können. Das schätzen viele zu wenig. Ich habe diesen Sport immer geliebt, aber jetzt erlebe ich alles noch viel bewusster und intensiver."

Sie kommen aus einer Sportlerfamilie. Betrachten Sie Sport in diesem Zusammenhang auch als Lebensschule?
Janko: "Sport zu betreiben ist - in welchem Alter auch immer - wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung. Jeder, der das nicht macht, verpasst etwas. Und solange die Leidenschaft da ist, gibt es auch einen Weg."

Viele Menschen sagen, dass sie durch einen überwundenen Schicksalsschlag noch stärker geworden sind. Würden Sie das unterschreiben?
Janko: "Auf jeden Fall, man kommt gestärkt aus so einer Phase heraus. Man lässt sich nicht mehr so leicht verunsichern. Man weiß ja selbst, wie hart man gekämpft hat."

Würden Sie von sich behaupten, derzeit in der Form Ihres Lebens zu spielen? Gibt es das überhaupt?
Janko: "Man entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter, sowohl
fußballerisch als auch als Persönlichkeit. Das ist bei mir sicher noch nicht vorbei. In meiner bisherigen Karriere ist es aber sicher die beste Form, die ich je gehabt habe."

Sie sind 25 Jahre alt und haben in Salzburg noch bis 2011
Vertrag. Wann wäre der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel ins Ausland?

Janko: "Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Bei einem entsprechenden Angebot muss man das Für und Wider abwiegen. Das Umfeld muss stimmen, das Gesamtpaket. Man muss sich wohlfühlen. Blind ins Ausland zu rennen, das bringt gar nichts. Aber dorthin zu kommen ist sicherlich mein Ziel."

Welche Mentalität und welche Liga würden Ihren Vorstellungen am ehesten entsprechen?
Janko: "Ich habe immer gesagt, dass England mein Traumland ist. Ich war bisher zweimal länger dort, das erste Mal mit 14 Jahren. Dort habe ich in der Premier League das Duell des Letzten gegen den Vorletzten gesehen - Wimbledon gegen West Ham. Es waren 40.000 Zuschauer, die Stimmung war unglaublich. Die Fans haben jedes einzelne Tackling bejubelt. Für mich war das ein prägendes Erlebnis. Fußball hat dort einen ganz anderen Stellenwert."

Woran müssen Sie Ihrer Meinung nach noch arbeiten, um dorthin zu kommen? Was müssen Sie verbessern?
Janko: "Ich fühle mich eigentlich bereit. Ich bin im richtigen Alter, in näherer Zukunft wäre es ein richtiger Schritt. Nähere Zukunft ist aber ein dehnbarer Begriff. Das heißt auch nicht, dass ich mich in Salzburg nicht wohlfühle - im Gegenteil. Ich habe dort sehr viele Freunde gefunden. Ich kann mir sogar vorstellen, später nach meiner Karriere einmal dort zu leben. Salzburg hat wirklich Lebensqualität."

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