Mo, 18. Juni 2018

Stroh als Treibstoff

15.10.2008 11:57

Forscher setzen auf Biosprit der 2. Generation

Bis 2020 sieht die EU-Biokraftstoffrichtlinie einen Biosprit-Anteil von zehn Prozent vor. Bisher wurde Bioethanol in erster Linie aus Getreide, Mais oder Zuckerrohr hergestellt. Kritiker haben bei der Biosprit-Herstellung die Konkurrenz mit Nahrungsmitteln als ethisch bedenklich eingestuft. Seit einiger Zeit arbeiten Forscher allerdings daran, aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten wie Stroh Biosprit herzustellen. Forscher der FH Oberösterreich in Wels sind intensiv damit beschäftigt, Stroh als Grundlage für den begehrten Treibstoff zu verarbeiten.

"Schon vor einigen Jahren hat es bei der Voest-Alpine-Industrieanlagenbau Studien zur Machbarkeit der Bioethanol-Herstellung aus Stroh gegeben", erklärt Alexander Jäger (rechts im Bild), Fachbereichsleiter Bio- und Umwelttechnik an der FH. Viele der damaligen Versuche seien aber in Vergessenheit geraten. "Wir betreiben zunächst so etwas wie Wissenschaftsarchäologie", betont Jäger. Es sei gelungen, die Versuche nachzustellen und dabei bereits neue Erkenntnisse zu gewinnen. "Bei dem Verfahren geht es im Prinzip darum, Zellulose aus Holz oder Stroh mit Hilfe von Enzymen in Zuckerbausteine aufzuspalten, die dann wie bei der normalen Bioethanol-Produktion zu Alkohol vergoren werden können", so Jäger. Konkret gehe es um die verbesserte Ausbeute des Strohs und dadurch auch um eine Kostensenkung.

"Wir wollen das nutzen, was da ist"
Neue Enzyme haben die Forscher bereits gefunden. "Neu ist auch, dass der Schritt der Verzuckerung und Vergärung, der früher nacheinander durchgeführt werden musste, nun parallel gemacht werden kann", so Jäger. Im Prinzip gehe es um die Optimierung der Verwertung jener Stoffe, die anfallen. Vom Anbau anderer Energie-Pflanzen wie etwa Eukalyptus hält Jäger nichts. "Wir wollen das nutzen, was da ist."

Es besteht noch großer Forschungsbedarf
Auch die Menge an Zuckerrüben ist in Österreich nicht groß genug, um den Bedarf zu decken. "Das reicht bei Weitem nicht aus", so Jäger. Die Menge an Biotreibstoffen, die man mit Stroh herstellen kann, mache zwischen fünf und zehn Prozent des gesamten Energiebedarfs aus. "Sie liegt irgendwo zwischen 60 und 100 Petajoule", schätzt Jäger. Vorstellbar wäre indessen eine zweite Fruchtfolge auf den Feldern. "Das hat es ja früher auch gegeben. Bevor dieser Prozess industriellen Einsatz findet, besteht aber noch großer Forschungsbedarf, denn derzeit steht der Erzeugungsaufwand noch in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zur Alkoholausbeute."

Die Forscher der Welser FH arbeiten im Verbund mit der JKU Linz, der TU-Wien, der Universität Graz, dem Technologiezentrum Ennstal sowie der Lenzing AG und der Südchemie als Industriepartner. (pte)

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