Do, 16. August 2018

Tennis-Trophy

13.10.2008 10:40

Deutscher Petzschner holt in Wien ersten ATP-Titel

Der Sieg über den topgesetzten Stanislas Wawrinka in Runde 1 war kein Zufall: Der deutsche Qualifikant Philipp Petzschner hat die Sensation geschafft und als Nummer 125 im ATP-Ranking die Bank-Austria-Trophy in der Wiener Stadthalle gewonnen. Der 24-Jährige war eigentlich wegen Alexander Peya angereist, um mit diesem Doppel zu spielen. Nun bezwang er am Sonntag auch noch den als Nummer 8 gesetzten Franzosen Gael Monfils, nach 1:29 Stunden stand der 6:4,6:4-Erfolg fest.

Petzschner ist damit erstmals ATP-Sieger, schiebt sich im neuen Ranking am Montag erstmals in die Top 100 auf eine Position um Platz 70 und ist wohl auch für die Deutschen im Davis Cup im kommenden März eine Alternative.

Der Bayreuther ist erst der dritte Qualifikant in diesem Jahr, dem der Durchmarsch zum Titel gelungen ist, und er ist der erste Qualifyer als Wien-Sieger seit Filip Dewulf 1995. Überhaupt noch nie hat ein Spieler mit so niedrigem Ranking das größte Herren-Hallenturnier Österreichs gewonnen. Petzschner kürte sich zum ersten deutschen Sieger seit 2001 (Tommy Haas).

"Es ist unglaublich!"
"Ich habe noch kein Gefühl. Es ist unglaublich, ich bin überglücklich! Schön, dass ich es endlich geschafft habe. Das war Jahre lang mein Ziel und jetzt hat es endlich geklappt", jubelte der sympathische Doppel-Partner von Alex Peya, mit dem er im Anschluss auch noch den Doppel-Titel in Wien holen wollte.

Nicht weniger als 139.000 Euro bekam Petschner für den Sieg, der überaus sportliche Monfils, der auch in seinem zweiten ATP-Finale in Österreich nach Pörtschach 2007 nur Zweiter wurde, durfte sich mit 68.800 Euro trösten. Nach dem Matchball applaudierte Monfils seinem Bezwinger und umarmte diesen in einer selten gesehenen Herzlichkeit.

Taktisches Match
Zuvor hatte sich Petzschner trotz seines siebenten Einzels en suite sowie der Zusatzbelastung im Doppel als der frischere Spieler erwiesen. Monfils wirkte von Beginn an müde, hatte zwischendurch auch Krämpfe. Das Endspiel war wie von Petzschner angekündigt von viel Taktik geprägt, Schach auf dem Tennisplatz mit unheimlich viel Laufarbeit für beide Spieler. Beide Finalisten verfügen als Konterspieler über einen ähnlichen Stil.

Fantastischer "flow"
Ein Break zum 5:4 im ersten Satz reichte dem Außenseiter zur 1:0-Satzführung, und das Gleiche gelang ihm auch im zweiten. Der Bayreuther, der am Samstag der vergangenen Woche erst am Nachmittag aus Tokio angekommen war und schon drei Stunden später im Qualifikationseinsatz war, hat mit einer Energieleistung den Durchmarsch zum ersten Titel geschafft. Der von ihm zitierte "flow" hat für alle sieben Einzel seither gereicht, er hatte einen Lauf und schlug der Reihe nach Stanislas Wawrinka (SUI-1), Jan Hernych (CZE), die Spanier Carlos Moya und Feliciano Lopez sowie eben Monfils.

Finalniederlage im Doppel
Nichts wurde aus dem Double für Philipp Petzschner respektive dem ersten ATP-Doppel-Titel für Alexander Peya. Die deutsch-österreichische Paarung musste sich am Sonntag im Finale dem Duo Max Mirnyi/Andy Ram (BLR/ISR-4) nach 73 Minuten mit 1:6,5:7 geschlagen geben und vergab dabei im zweiten Satz eine 5:2-Führung. Alexander Antonitsch (1988 mit dem Ungarn Balasz Taroczy) bleibt damit bisher einziger österreichischer Wien-Sieger im Doppel.

Melzer an Lopez gescheitert
Für Österreichs Tennis-Nummer-eins Jürgen Melzer war bereits am Freitag zum dritten Mal nach 2002 und 2006 im Viertelfinale der Wiener Stadthalle Endstation. Der 27-jährige Niederösterreicher musste sich dem Spanier Feliciano Lopez nach hartem Kampf 6:4, 3:6, 4:6 geschlagen geben und verpasste es, als erster Österreicher seit Stefan Koubek 2001 ins Halbfinale einzuziehen. "Es war eine gute Chance, hier weit zu kommen. Die Enttäuschung ist riesig, aber er hat hervorragendes Tennis gespielt", so der Weltranglisten-38., der beide Aufschlagverluste sehr unglücklich mit einem Netzroller einstecken musste.

Dabei war Melzer eineinhalb Sätze lang der dominierende Spieler. Er knüpfte vom ersten Punkt weg da an, wo er in Runde eins gegen den zweifachen Stadthallensieger, den Kroaten Ivan Ljubicic, angefangen und im Achtelfinale gegen Spanier Juan Carlos Ferrero fortgesetzt hatte. Souverän bei eigenem Service, druckvoll und solide von Grundlinie und Return sowie immer wieder am Netz mit ansatzlosen und unerreichbaren Stoppbällen erfolgreich. Dazu kam eine in Satz eins perfekte Chancenauswertung.

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