Mi, 22. August 2018

Kaprun-Katastrophe

11.10.2008 20:07

Schwere Vorwürfe gegen Sachverständige

Drei Jahre nach den Freisprüchen im Prozess um die Brandkatastrophe von Kaprun hat ein beteiligter deutscher Gutachter schwere Vorwürfe gegen die Sachverständigen erhoben. "Im Prozess in Österreich wurde zielgerichtet versucht, Tatsachen zu vertuschen und zu unterdrücken", sagte Hans-Joachim Keim der Deutschen Presse-Agentur.

Der Ingenieur ist für den Haushaltsgeräte-Hersteller Fakir als Gutachter tätig. Ein von Fakir produzierter Heizlüfter gilt als Verursacher der Brandkatastrophe vom 11. November 2000, bei der im Tunnel der Standseilbahn zum Kitzsteinhorn bei Kaprun 155 Menschen ums Leben kamen.

"Falschaussagen, um Straftaten zu vertuschen"
Es seien seitens der Gutachter im Prozess gravierende Falschaussagen gemacht worden, um Straftaten zu vertuschen, die beim Umbau der Gletscherbahn verübt worden seien, sagte Keim. Beweismittel und Ölspuren seien während des Ermittlungsverfahrens verschwunden. Keim zufolge war der Einbau des Lüfters im Jahr 1992 "fahrlässig, wenn nicht sogar grob fahrlässig". Der Heizlüfter habe laut Gebrauchsanweisung nicht in Fahrzeuge eingebaut werden dürfen. "Im Prozess ging das Gericht immer nur davon aus, dass der Heizlüfterhersteller schuldig sein muss."

Gutachten in Österreich nicht berücksichtigt
Keims Gutachten waren nur in den Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft berücksichtigt worden, nicht aber in Österreich. Wegen der seiner Ansicht nach schweren Versäumnisse der vier vereidigten Sachverständigen erstattete der Ingenieur bereits im April Strafanzeige bei den österreichischen Behörden. Die Entscheidung, ob ein Ermittlungsverfahren eröffnet wird, liegt mittlerweile beim Justizministerium in Wien.

Bei den Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft gegen den Hersteller Fakir sei die Bewertung der Beweisergebnisse etwas anders gewesen als die der österreichischen Kollegen, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schwarz. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hatte das Ermittlungsverfahren im September 2007 mangels Tatverdachts eingestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.