Di, 14. August 2018

Harter Lohnpoker

27.09.2008 13:37

Metaller feilschen um Prozente

Von Teuerung und Rezessionsängsten überschattet ist am Freitag mit der traditionellen Übergabe des Forderungspaketes der Metaller-Gewerkschaft die Herbstlohnrunde gestartet worden. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter der Metallindustrie waren sich einig, dass diesmal die Inflationsrate die untere Messlatte für einen Abschluss ist. Das Feilschen um Prozente beginnt allerdings erst am 3. Oktober - also nach der Wahl. Der Metaller-KV hat Signalwirkung für alle weiteren Branchen-Verhandlungen.

Einen Abschluss unter der Inflationsrate halte er nicht für realistisch, da dies die Arbeitsmotivation der Mitarbeiter gefährde, sagte Hermann Haslauer, Vertreter der Arbeitgeberseite am Freitag vor Journalisten. Für die Arbeitnehmer müsse die Teuerung nachhaltig abgegolten und der Produktionsfortschritt ebenso nachhaltig berücksichtigt werden, betonte Arbeitnehmervertreter Erich Foglar von der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung. Noch Ende August hat Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl Lohnabschlüsse unter der Inflationsrate nicht ausgeschlossen. Für ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer hingegen wäre ein Abschluss unter der Inflationsrate eine "Frechheit".

Von beiden Seiten wurden am Freitag noch keine Zahlen genannt. Eckpunkte für die Lohnfindung sind Inflation, Wirtschaftswachstum, Produktivität und Branchenentwicklung. Richtungsweisend könnte heuer die auf 1. November vorgezogenen Erhöhungen der Pensionen sein. Die Pensionen werden um 3,4 Prozent angehoben, dazu kommt eine Einmalzahlung von 150 Euro. Es sei davon auszugehen, dass der Metallerabschluss darüber liegen werde, so ein Verhandlungsteilnehmer.

Inflationsrate untere Messlatte
Die Arbeitgeber sehen als untere Messlatte den Durchschnittswert der Inflationsrate in den vergangenen zwölf Monaten, das sind 3,33 Prozent. Für die Arbeitnehmer hingegen sind 3,5 Prozent Inflationsrate ausschlaggebend, nämlich der Durchschnittswert seit den letzten Verhandlungen im November 2007. Rechnet man zur Inflation von 3,5 Prozent ein Produktivitätsplus von knapp 1,0 Prozent müsste bei den Verhandlungen rund 4 Prozent mehr Lohn herauskommen. Einigkeit zeigten die Sozialpartner bei der deutlichen Kritik an der kalten Progression.

Heuer dürfte es sich an der Frage spießen, ob Einmalzahlungen geleistet oder eine höhere prozentmäßige Lohnanhebung gewährt wird. Die Gewerkschaft hält nichts von steuerfreien Einmalzahlungen, sondern tritt für nachhaltige Lohnerhöhungen ein. Für die Arbeitgeberseite sind steuerfreie Einmalzahlungen allerdings durchaus eine Möglichkeit, um die Betriebe nicht nachhaltig zu belasten. Die Arbeitgeberseite fürchtet eine drastische Abkühlung der Konjunktur, die Arbeitnehmer verweisen auf die sehr guten Jahre 2007 und 2008, wo die Betriebe hohe Gewinne erzielten.

Vorerst zwei Verhandlungsrunden fixiert
Im Vorjahr einigten sich die Sozialpartner auf eine Erhöhung der Mindestlöhne um 3,6 Prozent und der Ist-Löhne um 3,5 Prozent. Zu dieser nachhaltigen Erhöhung kam eine Einmalzahlung von 200 Euro, die mit der März-Abrechnung fällig wurde. Die Einmalzahlung wurde an den Betriebserfolg EBIT gekoppelt. In Betrieben mit einem EBIT von weniger als 6 Prozent sinkt die Einmalzahlung auf 150 Euro. Ist das EBIT null oder negativ entfällt die Einmalzahlung ganz. Ein ähnliches Paket wäre auch heuer denkbar.

Wegen der Umbauarbeiten in der Wirtschaftskammer finden die vorerst zwei fixierten Verhandlungsrunden im Haus der Bauwirtschaft in der Schaumburgergasse 20 statt. Beide Verhandlungsseiten gehen davon aus, dass man mit zwei Runden auskommen wird. Jedenfalls, so ein Verhandler, werde der Metallerabschluss die erste Sachentscheidung nach der Wahl sein.

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