28.07.2008 17:02 |

Amtsantritt

Brückner sieht Herzog als "starken Partner"

Karel Brückner hat am Montag im Wiener Hilton-Hotel seine erste Pressekonferenz als Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft absolviert. Der 68-jährige Tscheche war dabei bestens gelaunt und erklärte, wie er die Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika in Angriff nehmen will. Er betonte, dass Andi Herzog für ihn kein Assistent sei, sondern ein "starker Partner". In welcher Form Herzog nun tatsächlich dabei sein wird, ist noch unklar. Fest steht, dass der Wiener eigenen Angaben zufolge auch in Zukunft für den ÖFB arbeiten will. Das Trainerteam wird Brückner in den nächsten Tagen zusammenstellen.

"Ich möchte bleiben, weil es mir Spaß macht, mit diesen Spielern und mit so einem erfahrenen Trainer zu arbeiten", erklärte der 39-Jährige. Fix ist zumindest, dass Herzog Brückner in den kommenden drei Partien (Freundschaftsspiel gegen Italien, WM-Quali-Spiele gegen Frankreich und Litauen) mit Rat und Tat zur Seite stehen wird. "Ich gehe davon aus, dass wir gut zusammenarbeiten werden."

Herzogs Vertrag läuft noch bis Jahresende, eine Verlängerung könnte aber schon in den kommenden Wochen über die Bühne gehen. "Der ÖFB möchte verlängern und ich auch, aber es müssen noch verschiedene Details besprochen werden", meinte der frühere Assistent des mittlerweile zurückgetretenen Josef Hickersberger.

Gespräch bisher nur mit Herzog
Brückner und Herzog hatten am Montagvormittag eine Unterredung, die laut sehr positiv verlaufen ist. Brückner danach: "Meiner Meinung nach wird er mein starker Kollege, kein Assistent." Herzog sei auch der einzige Anwärter auf einen Platz im Betreuerstab gewesen, den er bisher angesprochen habe, beteuerte Brückner. "Sonst habe ich mit niemandem geredet, weder in Österreich noch in Tschechien", sagte der Coach. Das neue Trainer-Team wird zwar erst in einigen Tagen feststehen, Brückner ließ aber schon durchblicken, dass er sich einen Verbleib von Conditioning Coach Roger Spry durchaus vorstellen kann. "Wenn es Gewohnheiten gibt, die positiv sind, werde ich sie nicht verändern."

Scharner-Comeback zeichnet sich ab
Ebenso noch offen scheint die Frage, ob Andreas Ivanschitz weiterhin Kapitän der ÖFB-Auswahl bleibt. "Ich kenne vier, fünf starke Persönlichkeiten des Nationalteams. Wir werden das während des ersten Mannschafts-Treffens lösen. Aber es ist zu früh, jetzt zu sagen, wer Kapitän sein wird. Dem müssen noch viele Gespräche vorangehen." Dafür zeichnet sich ein Comeback von Paul Scharner ab. "Probleme muss man lösen", sagte der Betreuer zu diesem Thema.

Brückner: "WM muss Ziel, nicht Wunsch sein"
"Grundsätzlich muss die Qualifikation für die WM nicht nur eine Absicht oder ein Wunsch, sondern das Ziel sein", sagte Brückner bei seinem Amtsantritt und bescheinigte der "jungen" ÖFB-Mannschaft das Potenzial, das Ticket für die Endrunde trotz harter Gegner wie Frankreich, Rumänien oder Serbien zu lösen. Vorher aber müsse er sich einen Überblick über die Verhältnisse in Österreich verschaffen. "Ich muss jetzt schnell viele Informationen einholen, die Fußball-Umgebung, Mitarbeiter, Mannschaft und ihre Grundsätze in Taktik und Spielstil kennenlernen", erklärte der 68-Jährige, der ein "gutes Arbeitsklima" erzeugen will.

Allzu große Erwartungen wollte der Coach, der Tschechien zu den jüngsten drei großen Turnieren führte und ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig nach eigenen Angaben bereits einen 60-Punkte-Plan mit organisatorischen und Fußball-spezifischen Themen zur Abarbeitung überreichte, allerdings nicht wecken. "Ich werde keine Versprechen machen. Ich weiß, was man von mir erwartet und freue mich auf meine neue Arbeit, Mannschaft und Mitarbeiter."

Vertrag vorerst auf WM-Quali beschränkt
Brückner unterschrieb einen Vertrag bis zum Ende der WM-Qualifikation. Sollte tatsächlich ein Platz bei der Endrunde herausschauen, würde sich der Kontrakt automatisch bis zum Turnier verlängern. Die Verhandlungen mit dem ÖFB seien in der vergangenen Woche schnell und reibungslos verlaufen, das Angebot sei "schön, einfach und korrekt" gewesen. "Ich hatte mit der Entscheidung keine Schwierigkeiten. Dieses Angebot schätze ich sehr, vor allem weil ich die Arbeit des von mir sehr geschätzten Josef Hickersberger fortsetzen kann." Mit seinem Vorgänger will sich der Tscheche demnächst länger unterhalten.

Österreich ist ein herrliches Land
Österreich bezeichnete Brückner als herrliches Land: "Vielleicht war das auch ein entscheidender Grund, warum ich jetzt hier bin". Mit der österreichischen Bundeshymne sei er aber noch nicht vertraut. "Doch ich muss in meinem Alter noch viel lernen, nicht nur den Text der österreichischen Hymne." Der von 2001 bis vergangenen Juni für die tschechische Auswahl tätige Trainer hätte auch kein Problem damit, gegen seine Heimat anzutreten. "Ich bin kein sentimentaler Mann, sondern ein Pragmatiker. Ich würde ein Vorbereitungsspiel gegen Tschechien begrüßen, warum auch nicht? Im Februar ist noch ein Termin frei."

Nur ein Abzocker?
Die Nachricht der Bestellung Brückners hat Tschechien überrascht. Man hatte geglaubt, der 68-jährige werde sich zur Ruhe setzen. Warum Brückner, der in seinem Land wegen der Ähnlichkeit zum väterlichen Freund der Roman- und Filmfigur Winnetou auch "Klekih-petra" (Weißer Vater) genannt wird, sich wieder auf die Trainerbank setzt, darüber wird in Tschechien heftig spekuliert. Schließlich müsse er "außerordentliche Leistungen vollbringen", um sich gerade mit dem österreichischen Team für die WM 2010 zu qualifizieren.

Das Boulevardblatt "Aha!" etwa unterstellte dem Trainer, er habe den Job nur aus finanziellen Motiven übernommen und nannte die Summe von einer Million Euro, die Brückner pro Jahr angeblich kassiert. Damit verdiene er in Österreich fünf Mal so viel wie in seiner Heimat. Brückner selbst nannte das Angebot des ÖFB "schön, einfach und korrekt".

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