Käseskandal

Heimische Milchbetriebe im Visier der Ermittler

Österreich
05.07.2008 17:30
Der Skandal um die 11.000 Tonnen Gammelkäse, die in Norditalien mit frischen Produkten vermischt und wieder verkauft wurden, droht sich zu einer internationalen Affäre auszuwachsen. Nach Angaben italienischer Medien könnten auch österreichische Milchbetriebe verdorbene Produkte an drei Unternehmen in den Regionen Lombardei und Piemont verkauft haben, die den vergammelten Käse nach einer Wiederverarbeitung an Diskont-Supermärkte auslieferten. Auch britische, deutsche und französische Käseproduzenten werden demnach überprüft.

"Namen der in den Fall verwickelten Firmen können wir nicht nennen, weil die Ermittlungen noch im Gange sind", sagte der Ermittler Mauro Santonastaso. Dutzende Personen sind in den Sog der Ermittlungen geraten, die laut einem Bericht von "La Repubblica" schon seit November 2006 laufen und jetzt in die Endphase getreten sind.

Besitzer der drei italienischen Unternehmen, in denen der verdorbene Käse verarbeitet wurde, ist ein 46-jähriger Sizilianer, der mit zwei weiteren Personen verhaftet worden ist. Der verdorbene Käse - der teilweise bereits Würmer, Mäusekot oder Rückstände wie Plastik oder Farbe von Etiketten enthielt - sei vor allem zu Mozzarella, Gorgonzola oder Schmelzkäse verarbeitet und verkauft worden. Zu den Firmen, die den verdorbenen Käse an die verdächtigen Unternehmen verkauft haben sollen, zählen namhafte Milchkonzerne wie Galbani, Gararolo und Cademartori.

Galbani dementierte in einer Presseaussendung jegliche Verwicklung in den Skandal. Die Produkte von Galbani enthielten "keinerlei Inhaltsstoffe der beschuldigten Firmen". Die Firma verwies auf strenge Kontrollen zu jedem einzelnen Produktionsschritt: von der Beschaffung der Milch bis hin zum Vertrieb der Endprodukte, damit die umfassende Rückverfolgbarkeit der Produkte und die Einhaltung der sehr strengen Qualitätsstandards gewährleistet werde.

Strenge Strafen für "Gastronomiebanditen"
Der italienische Landwirtschaftsminister Luca Zaia kündigte strenge Kontrollen an. "Die Menschen dürfen nicht Angst haben, wenn sie Lebensmittel einkaufen. Gastronomiebanditen zerstören das Ansehen der italienischen Lebensmittelindustrie und müssen streng bestraft werden", meinte der Minister.

Der Konsumentenschutzverband Altroconsumo drohte mit einer Sammelklage gegen die in den Skandal verwickelten Firmen. "Null Toleranz" für die Verantwortlichen von Betrügereien im Lebensmittelbereich forderte der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti. 

Ein Skandal jagt den nächsten
Für die italienische Lebensmittelindustrie ist dieser Skandal ein weiterer harter Schlag. Im März waren in Süditalien Molkereien und Agrarunternehmen ins Visier der Ermittler geraten, nachdem in der Büffelmilch, mit der Mozzarella hergestellt wird, Dioxin gefunden worden war. Im April hatte das italienische Wochenmagazin "L'Espresso" einen Weinskandal aufgedeckt: Millionen Liter Wein sollen demnach mit krebserregenden Stoffen verunreinigt worden sein.

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