Umstrittener Bau

Koralmbahn entzweit die Gemüter

Steiermark
28.06.2008 00:45
Mit 4,9 Milliarden Euro ist es budgetiert - das derzeit größte in Ausführung befindliche Projekt zum Ausbau des österreichischen Eisenbahnnetzes. Experten meinen allerdings, dass die 130 Kilometer lange Koralmbahn als Verbindung der Zentralräume Graz und Klagenfurt bis zu ihrer Fertigstellung den Steuerzahler stolze 15 Milliarden kosten könnte. Der Freitag war für die steirischen Befürworter ein großer Tag: Man ging den Hengsbergtunnel an, das Kernstück des Abschnittes Werndorf-Wettmannstätten. Barbara Winkler von der "Steirerkrone" bat zwei Hardliner der ersten Stunde aus gegebenem Anlass zum Interview.

Nachgefragt bei: Landesrätin Edlinger-Ploder

Frau Verkehrslandesrätin, was sagen Sie den vielen Kritikern?
"Dass wir die Bahn - vor allem aus länderübergreifender Sicht - unbedingt brauchen. Nicht nur für den Güter-, auch für den in seiner Bedeutung ständig wachsenden Personenverkehr."

Zur Beschleunigung des Projektes hat das Land Steiermark einen Teil der Finanzierung übernommen. Um wie viel Geld geht es ?
"Wir steuern 140 Millionen Euro bei. Heuer fließt die erste Rate."

In Kärnten wächst der Widerstand. Dass der Bund den Wunsch nach einer Neutrassierung ablehnt, bezeichnete Jörg Haider erst kürzlich als "Kriegserklärung" an das Land und die betroffenen Wörthersee-Gemeinden. Wie nehmen Sie die Stimmung in der Steiermark wahr?
"Ich spüre Aufbruchsstimmung, also das genaue Gegenteil. Querschüsse bleiben mittlerweile größtenteils aus."

Nachgefragt bei: Professor Knoflacher (TU Wien)

Herr Dr. Knoflacher, warum stellen Sie - als namhafter Verkehrsexperte - der Koralmbahn ein schlechtes Zeugnis aus?
"Weil das Projekt aus verkehrsplanerischer und finanzieller Sicht ein Wahnsinn ist! Wir brauchen heute eine solche Verbindung nicht mehr. Durch die veränderte geopolitische Situation kommt man auch über die Ebene gut zu den Adria-Häfen, man muss sich nicht um viel Steuergeld durch Berge graben."

Aber braucht nicht die Wirtschaft eine komplette Baltisch-Adriatische-Achse?
"Sicher nicht. Einzig die Bauindustrie und die Banken jubeln. Letztere weil sie die nächsten 40 Jahre nur von den Zinsen der milliardenschweren Darlehen leben können."

Gäbe es eine Alternative?
"Weit sinnvoller wäre es, die 'alte Südbahn', die von Graz über Marburg bis zur Adria geht, zu modernisieren. So würde man Slowenien einbinden und sich zwei Drittel der Kosten ersparen."

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