29.05.2008 07:59 |

Republik ausgerufen

Nepal: Nationalflagge der Republik gehisst

Einen Tag nach der Ausrufung der Republik in Nepal ist die Königsflagge vom Palast von Kathmandu eingeholt und durch die Nationalflagge ersetzt worden. Das Innenministerium teilte am Donnerstag mit, die Maßnahme erfolge auf der Grundlage der Beschlüsse der Verfassunggebenden Nationalversammlung vom Vorabend. Nepalesische Medien berichteten, der entthronte König Gyanendra und seine Familie hielten sich weiterhin im Palast auf.

Die Regierung hat dem Ex-Monarchen 15 Tage Zeit gegeben, den Palast zu räumen. Erwartet wurde, dass er der Anordnung Folge leistet. Gyanendra hat sich bisher nicht zur Abschaffung der 240-jährigen Monarchie geäußert, aber auch keinen Widerstand geleistet.

Er hatte vor kurzem durch Vertraute mitteilen lassen, auch nach Ausrufung der Republik in Nepal bleiben zu wollen. Die Maoisten, die den Regierungschef der neuen Übergangsregierung stellen werden, hatten verkündet, Gyanendra dürfe im Lande bleiben, wenn er sich an die Gesetze halte.

"Revolution des Volkes"
Bei der ersten Sitzung der Versammlung am Mittwoch in Kathmandu stimmten 560 Abgeordnete für die Republik, nur vier dagegen. Innenminister Krishna Prasad Sitaula, der den Regierungsentwurf für die Ausrufung der Republik verlas, sprach von einer "Revolution des Volkes". Der König werde künftig ein gewöhnlicher Bürger sein, sagte er unter Beifall. Die Regierung wird von den Maoisten geführt werden, die die Wahl am 10. April gewonnen hatten, aber nicht über eine absolute Mehrheit verfügen.

Putsch von oben leitete Monarchie-Niedergang ein
Bis 2006 hatten die Maoisten zehn Jahre lang mit Waffengewalt gegen die Monarchie gekämpft. Der Konflikt kostete mehr als 13.000 Menschen das Leben. Als es der Regierung nicht gelang, den bewaffneten Aufstand in den Griff zu bekommen, verhängte Gyanendra am 1. Februar 2005 den Ausnahmezustand und übernahm selber die absolute Macht. Doch auch der Monarch scheiterte bei dem Versuch, die Gewalt zu beenden. Stattdessen verbündeten sich die Maoisten mit der Demokratiebewegung. Massenproteste ließen Gyanendra im April 2006 keine andere Wahl mehr, als das Parlament wieder einzuberufen. Die Abgeordneten zwangen den König anschließend in die Bedeutungslosigkeit.

Königsfamilie ermordet - Gyanendra unter Verdacht
Auf breite Unterstützung aus seinem Volk konnte der Monarch da nicht mehr hoffen. Gyanendra war nie so beliebt wie sein Vorgänger Birendra. König Birendra, Königin Aishwarya und andere Verwandte waren Anfang Juni 2001 in einem Massaker im Palast erschossen worden. Der offiziellen Variante zufolge hatte der betrunkene Kronprinz Dipendra das Feuer eröffnet und dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Dipendra starb, Gyanendra wurde zum König gekrönt. Hartnäckig hielt sich im Volk das Gerücht, Gyanendra, der während des Massakers nicht in Kathmandu war, habe seine Finger im Spiel gehabt. Sympathiepunkte kosteten Gyanendra auch die Eskapaden seines Sohnes Paras, eines "brutalen Trinkers".

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