Foto: APA/HANS KLAUS TECHT

Raich: "Ich werde auch diesmal alles versuchen"

26.10.2013, 17:13
Zum bereits 13. Mal geht Benjamin Raich am Sonntag bei seinem Heimrennen in Sölden an den Start, der Olympiasieger aus dem benachbarten Pitztal ist seit 1998 ohne Unterbrechung dabei – drei vierte Plätze waren aber bisher das höchste der Gefühle für den 35-jährigen Tiroler. Was er über seine Chancen am Sonntag sowie den Nationalfeiertag denkt, verriet Raich im Interview.

Ihr 13. Start beim Heimrennen in Sölden steht an, welche Erinnerungen haben Sie?
Benjamin Raich: Ich denke nicht so häufig zurück (lacht). Ich habe mir oft sehr viel vorgenommen, vielleicht oft zu viel. Man muss aber auch dazu sagen, dass mir der Hang nicht sehr gut liegt, kupierte Hänge mit Übergängen passen besser. So abgedroschen es klingen mag, ich werde auch diesmal alles versuchen.

Wird es sich für Sie mit einem Podestplatz oder einem Sieg hier irgendwann doch noch ausgehen?
Raich: Ich hab' schon öfter erlebt, dass man in Bereichen, wo man es nie mehr gedacht hätte, plötzlich funktioniert. Auf das hofft man immer. Ich werde mich deshalb nicht von vorneherein einschränken, indem ich sage, ich habe überhaupt keine Chance. Ich rechne aber nicht. Hias Leitner hat mir schon im Jugendkader beigebracht, dass so etwas nichts bringt.

Ihre Saisonziele?
Raich: Ich habe natürlich Trainingsrückstand, deshalb will ich möglichst schnell in Schuss kommen und konstant fahren. Derzeit bin ich nur auf Abschnitten schnell, das reicht nicht. Das muss ich abstellen, das ist das Saisonziel. Das Hauptziel ist natürlich Sotschi. Nach Sölden starte ich in Levi, in Beaver Creek werde ich im Riesentorlauf und voraussichtlich im Super- G antreten. Lake Louise lasse ich diesmal aus.

Planen Sie einen gezielten Aufbau für Sotschi?
Raich: Das ist gefährlich. Denn wenn es dann plötzlich einen Meter Neuschnee hat, kann man nicht mehr gezielt trainieren, da wird es mit einem guten Training schwierig. Ich muss die Zeit so gut wie möglich nutzen, um möglichst gut dazustehen, wenn es so weit ist.

Sind die neuen Skier auch für Sie schon leichter zu fahren?
Raich: Die Topleute fahren schon nicht mehr ganz so rund wie letzte Saison. Bei mir ist aber alles anders, ich muss ja eher runder fahren. Das war auch mein Hauptproblem. Wenn ich runder fahre, bin ich von der Linie her ungefähr bei den Topfahrern dabei. Es ist schwierig, wenn man einen eingelernten Stil hat. Man fällt oft in alte Muster zurück, das war auch bei mir letztes Jahr das Problem, dass ich immer wieder bei zwei, drei Toren komplett danebengestanden bin und das ganze Rennen vernichtet habe.

Sie haben schon so viele Änderungen, auch auf dem Materialsektor, mitgemacht. Wann waren die Skier am angenehmsten für Sie zu fahren?
Raich: Im Slalom am Anfang des letzten Jahrzehnts. Da waren wir bei 1,73 Metern, die Skier waren relativ schmal und nicht ganz so aggressiv, das war für den Körper am besten. Im Riesentorlauf ist es von den Kräften her jetzt optimal, denke ich. Auch wenn wir nach wie vor das Problem mit den Verletzungen haben. Das liegt aber eher an der weiten Kurssetzung, wenn der Ski genau in dem Moment greift, an dem du keine Spannung am Oberschenkel hast. Wenn wir mehr Tempo und nicht ganz so eckige Kurse hätten, wäre es besser.

Wie wichtig ist für Sie der österreichische Nationalfeiertag?
Raich: Meine Generation hat vieles nicht mehr so mitbekommen von dem, was damals passiert ist. Man soll es daher als Anlass nehmen nachzudenken, was war. In den ersten 50 Jahren des vorigen Jahrhunderts hat es zwei Weltkriege gegeben, seit 1945 sind wir davon verschont geblieben. Es soll uns bewusst sein, was und warum das damals mit der Neutralität passiert ist. Es soll uns aber auch bewusst sein, welche Rolle Europa spielen kann.

Ihr Kollege Aksel Lund Svindal sagt, Politik interessiere ihn nicht, man verbiege sich dabei zu viel. Das Leben sollte so sein wie der Sport. Ihre Meinung?
Raich: Ich weiß nicht, ob das so einfach ist. Ich denke schon, dass es gute Politiker gibt und geben muss, irgendwer muss ja alles in Bahnen lenken, einer muss das entscheiden. Ich wünsche mir gute Politiker, die sich zu sagen trauen, was es braucht. Aber auch Wähler dazu, die auch schwere Entscheidungen für sie selbst verstehen und nicht abstrafen. Politiker wollen wiedergewählt werden. Sich davon leiten zu lassen, ist oft das Problem, warum nichts weitergeht. Aber auch die Medien spielen eine Rolle. Der frühere (Tiroler/Anm.) Landeshauptmann Wallnöfer könnte heute wohl nicht mehr alles so machen wie damals.

26.10.2013, 17:13
AG/red
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