Foto: Christof Birbaumer

Mayers Mama: "Ich bitte Jesus um Schutz und Segen"

22.01.2015, 07:55
Die Hahnenkammrennen feiern ihr 75-Jahre-Jubiläum. Wie viele Mütter haben da schon für ihre Söhne gebetet: mitgefiebert, mitgezittert, mitgejubelt? Aber was geht wirklich in einem Menschen vor, wenn sich das eigene Fleisch und Blut die Streif, die schwerste Abfahrt der Welt, hinunterstürzt? Wenn sein Körper durchgebeutelt wird, seine Ski durch die Luft fliegen, seine Oberschenkel zittern? Die "Krone" wollte das genau wissen und fragte deshalb Margret Mayer, die Mutter von Olympiasieger Matthias.

"Krone": Wie bereitet man sich als Mutter vor, wenn sich der Sohn in ein paar Minuten die Streif hinunterstürzt?
Margret Mayer: Ich bitte Jesus und die Mutter Gottes um Schutz und Segen für alle. Und einer der Fans hat schon a Schnapserl mit, dann passt das schon. Nach dem Rennen gehe ich in Kitz meistens alleine in ein Gasthaus, bestelle einen kleinen Schwarzen und ein Glas Prosecco und höre mir an, was die Leute so reden – die beste Entspannung.

Margret Mayer mit "Krone"-Reporter Peter Frauneder
Foto: Christof Birbaumer

"Krone": Denkt man da auch manchmal: Warum ist der Bub nicht ein Slalomläufer geworden?
Mayer: Das wären ja jedes Mal zwei Durchgänge – das würde ich emotional schon gar nicht aushalten. Es ist schon ein Lauf schlimm genug.

"Krone": Wegen der Aufregung oder wegen der Angst?
Mayer: Aufregung ist natürlich immer dabei. Man wünscht sich ja, dass er gut fährt. Wobei 1.000 Erfolge oft auch nichts nützen, weil die wahren Werte im Leben ganz woanders liegen. Und die Angst, die versucht man zu verdrängen. Man baut sich da einen gewissen Selbstschutz auf. Und ich vertraue ihm, dass er das wirklich kann, was er da macht. Dass er weiß, wie weit er gehen kann.

"Krone": Manche Mütter können gar nicht hinschauen, wenn ihr Sohn fährt.
Mayer: Ich schaue immer zu. Außer es ist ein Tag, an dem es mir wirklich nicht gut geht. Aber ich kenne das ja schon seit 1986. Damals ist mein Mann Helmut bekanntlich Rennen gefahren. Ich kann mich noch gut erinnern, wie meine Schwiegermutter immer in den Keller geflüchtet ist, wenn er am Start stand. Sie konnte auch nicht zusehen. Aber wenn ich wirklich nervös werde, denke ich mir: Der Herrgott wird schon nicht wegschauen – er wird den Matthias schon beschützen. Der Glaube ist meine große Kraftquelle.

"Krone": Wann waren Sie zum Beispiel so richtig nervös?
Mayer: Etwa vor zwei Jahren, als der Max Franz in Beaver Creek so schwer stürzte und bewusstlos im Schnee lag. Die Burschen sind zusammen aufgewachsen. Max, Matthias, auch der Oti Striedinger. Sie waren immer schon extrem wild. Damals stand Matthias nach dem Sturz noch oben am Start: Da zündete ich daheim in der Küche seine Taufkerze an und betete, dass nicht noch etwas passiert!

"Krone": Jetzt wartet das Rennen auf der Streif, die als gefährlichste Abfahrt der Welt gilt: Was wäre, wenn Matthias sagen würde: Mama, fahr bei der Besichtigung mit mir mit, und schau dir die Strecke an?
Mayer: Ich würde ihm wahrscheinlich den Vogel zeigen und sagen: Bist völlig verrückt geworden – warum sollte ich da runterfahren!

22.01.2015, 07:55
Peter Frauneder, Kronen Zeitung
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