Foto: APA/EPA/HANS KLAUS TECHT

Jansrud und Reichelt geben in "Kitz" Tempo vor

20.01.2015, 15:06
Gleich im ersten Abfahrts-Training in Kitzbühel 2015 haben die Top-Favoriten das Tempo vorgegeben. Bestzeit erzielte am Dienstag in 1:56,77 Minuten der norwegische Weltcup-Führende Kjetil Jansrud 0,51 Sekunden vor dem österreichischen Vorjahres- und aktuellen Wengen-Sieger Hannes Reichelt. Drittschnellster war mit bereits 1,68 Sek. Rückstand Santa-Caterina-Gewinner Travis Ganong (USA).

Das erste Training fand bei bedecktem Himmel, aber guten Pistenverhältnissen statt. Trotzdem kam es wegen einiger Stürze wie jenem von Manuel Osborne- Paradis immer wieder zu Unterbrechungen bzw. einigen Torfehlern wie etwa beim Deutschen Josef Ferstl. Weil die Wetterprognosen gut sind, wird es voraussichtlich nur zwei Trainings geben.

Ein Fall für Routiniers

Die Hahnenkamm- Abfahrt wird auch bei der 75. Auflage wieder ein Fall für Routiniers. Das wurde schon beim ersten Abtasten klar. Die Strecke präsentierte sich am Dienstag mit zwei riesigen Wellen in der Querung vor dem Steilhang und einem Sprung bei der Ausfahrt der unteren Traverse als Neuigkeiten, aber insgesamt nicht ganz so eisig wie angekündigt. "Das wird aber mit jedem Training sicher glatter", ist Georg Streitberger, als Achter zweitbester Österreicher, überzeugt.

"Sie haben uns einen Schreck eingejagt, weil sie gleich das erste Tor brutal vereist haben. Dann geht es aber gut", meinte etwa der Kärntner Otmar Striedinger, der gleich bei seinem Kitzbühel- Debüt mit Startnummer eins als "Testpilot" fungieren musste und hinter Landsmann Max Franz Platz 17 belegte. "Fürs erste Mal hier war das passabel. Man muss ja nicht gleich beim ersten Mal alles zerreißen."

Reichelt von sich selbst überrascht

Vorne gaben die Favoriten gleich den Ton an. Nur Reichelt  kam halbwegs in die Nähe von Jansrud, der gleich voll zur Sache gegangen war. Zumindest fast. "Ich war schon ein bissl überrascht über meine Zeit. Meine Fahrt war nicht optimal", machte der vierfache Saisonsieger klar, dass er noch Reserven hat. "Für mich war wichtig, gleich heute Gas zu geben, weil man ja nie weiß, wie viele Trainings wir hier bekommen."

Als alleinigen Abfahrts- Favoriten sieht sich Jansrud bei weitem nicht. "Natürlich bin ich heuer erstmals in der Position, hier auch gewinnen zu können. Und das ist definitiv besser als mit Nummer 65 oben stehen und keine Chance zu haben", sagte der Norsker, der bei seinen letzten Auftritten vor der WM im Gesamtweltcup auch Punkte auf Marcel Hirscher gut machen will. "Fünf, sechs Fahrer muss man immer auf der Rechnung haben, und Hannes ist richtig gut in Form", ist Jansrud überzeugt.

Der angesprochene Reichelt war mit seiner Rückkehr auf seine Vorjahres- Triumphpiste zufrieden. Für eine großartige Feier nach dem Lauberhorn- Triumph war keine Zeit gewesen. "Laut gesungen haben wir im Auto", erzählte der Salzburger und kommentierte zwei Tage nach dem Wengen- Sieg Platz zwei zufrieden. "Das war für einen ersten Trainingslauf ganz gut. Auf der Streif musst du aber eh gleich andrücken, damit du halbwegs sicher unterwegs bist. Es geht hier ganz schön zur Sache."

Dass ihm als Titelverteidiger und Lauberhorn- Triumphator eine zusätzlich stressige Woche winkt, ist dem 34- Jährigen bewusst. "Ich komme trotzdem immer besonders gerne hierher", sagte Reichelt, und schloss sich Jansrud an. "Es sind nicht nur wir zwei. Einige wie Matthias Mayer hatten grobe Schnitzer."

Mayer hat "einen Bock geschossen"

Der Olympiasieger hatte in der Tat einige haarige Situationen zu meistern und bei der Seidlalm sogar Kontakt mit der Streckenbegrenzung. "Da habe ich einen richtigen Bock geschossen", atmete Mayer durch und erklärte: "Die Streif präsentiert sich brutal schwer. Bei der Besichtigung hat's noch nicht ganz so unruhig ausgeschaut, die Mausefalle geht zudem extrem weit", gab sich der Kärntner nach Platz zehn hinter Streitberger nachdenklich. "Aber an sich sollte mir die Streif liegen. Ich fahre hier ja richtig gerne."

Das tun auch die US- Amerikaner. Ganong war begeistert, sowohl von der Piste, seiner Zeit ("Denn ich musste bei der Seidlalm ein Mal komplett quer stellen"), als auch vom Mythos Kitzbühel. "Nirgendwo hat man als Skirennfahrer so viel Spaß wie hier. Das ist größer als WM oder Olympia."

Bode Miller weiß das längst. Er darf nach seiner Rücken- OP nicht wie gewünscht am Samstag als Vorläufer mitmachen, im Training hatte der 37- Jährige fast fünfeinhalb Sekunden Rückstand. Die Zeitspanne, bis er vom Abschwingen seinen kleinen, laut rufenden Sohn auf den Arm genommen hatte, dauerte nicht viel länger.

20.01.2015, 15:06
AG/red
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