Foto: Josef Kuess

"Hatte Angst, dass die ganze Karriere vorbei ist"

16.12.2013, 17:00
Am Samstag der vielumjubelte Comebacksieg nach drei Jahren Durststrecke beim Weltcupspringen in Titisee-Neustadt, am Sonntag nach dem Horror-Sturz bewusstlos im Schnee, am Montag zerschunden, aber mit "Morgi"-Grinsen im Gesicht daheim in Kärnten. Thomas Morgenstern bleibt vorerst auf der Hochschaubahn der Gefühle zu Hause. Aber der erste Schock ist überwunden, die Gedanken gelten schon dem Comeback bei der Vierschanzentournee.

"Krone": Du bist wieder daheim in Kärnten, wie geht's dir?
Thomas Morgenstern: Den Umständen entsprechend gut. Mein gebrochener Finger muss noch operiert werden, die Prellungen im Oberschenkel hemmen bei der Bewegung und mein Gesicht schaut links aus wie nach einem Boxkampf, aber sonst fühle ich mich nicht schlecht. Eigentlich bin ich froh, dass ich so davongekommen bin.

"Krone": Du wurdest über 600 Kilometer mit dem Krankenwagen nach Hause gebracht. Wie war die Fahrt?
Morgenstern: Ganz gut eigentlich. Ab Innsbruck hab ich geschlafen, außerdem war es nicht das erste Mal, dass ich Titisee im Krankenwagen verlassen habe, vor sechs Jahren mit meinem Gürtelrose- Problem bin ich auch so heimgefahren.

"Krone": Kannst du dich an den Sturz erinnern, hast du ihn schon angesehen?
Morgenstern: Ich habe ihn noch in Deutschland im Internet angesehen. Nachdem ich im Krankenhaus Entwarnung bekommen habe, dass nichts Schlimmeres passiert ist, wollte ich gleich den Grund herausfinden.

"Krone": Und, gefunden?
Morgenstern: Ich bin hingesprungen wie immer, aber der Aufsprung war eben pickelhart und eisig, da hat die Bindung dem Druck nicht standgehalten. Ich glaube, das hat aber nichts mit dem System zu tun, sondern war eher eine Abnützungserscheinung, ich hab sie schon recht lange benützt.

"Krone": Was geht einem durch den Kopf, wenn nur 24 Stunden nach dem heißersehnten Comebacksieg so ein Tiefschlag kommt?
Morgenstern: Wofür war das jetzt bitte gut? Es war grad alles so lässig, das hätte ich jetzt nicht gebraucht. Andererseits hatte ich anfangs wirklich Angst, es könnte etwas Schlimmeres passiert und vielleicht die ganze Karriere in Gefahr sein, so gesehen habe ich am Sonntag einen zweiten Sieg gelandet.

"Krone": Was passiert jetzt in den nächsten Tagen?
Morgenstern: Ich bleibe den Rest der Woche zur Therapie im Altis (Privatkrankenhaus in Klagenfurt, Anm.), wo wir mit Dr. Lajtai Schritt für Schritt schauen werden, welche Fortschritte möglich sind.

"Krone": Wann, glaubst du, kannst du auf die Schanze zurückkehren?
Morgenstern: Engelberg am Wochenende geht natürlich sicher nicht, aber ich habe angeblich eine 70- Prozent- Chance, dass es sich für die Tournee ausgehen könnte.

16.12.2013, 17:00
Gernot Kurz, Kronen Zeitung
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