Kolumne

Das Wunder von Nagano

14.02.2014, 08:49
Vor 16 Jahren ist Hermann Maier bei der olympischen Abfahrt schwer gestürzt und holte dann noch zweimal Gold – hier lüftet er die letzten Geheimnisse dieser weltweit einzigartigen Story.

Was tut man nicht alles, damit man in eine Zeitung kommt! 16 Jahre ist es her, dass mir dieser kleine Fauxpas in Nagano passiert ist. Freitag, der 13., war eben nicht unbedingt der beste Tag, um eine Olympiaabfahrt zu bestreiten. Ich probierte es trotzdem, bei schönstem Flugwetter, wie sich dann herausstellte.

Foto: Sports Illustrated/Carl Yarbrough

Alles spielte zusammen. Nach tagelangen Verschiebungen wurde das Rennen durchgepeitscht. Aufgrund der frühlingshaften Bedingungen - ähnlich wie jetzt in Sotschi - hab ich mich für Nummer 4 entschieden und ging mit dem unbändigen Willen ins Rennen, unter allen Umständen zu gewinnen.

In den fünf Tagen Schlechtwetterpause hatte sich die Strecke verändert, die Tore waren nicht mehr an derselben Stelle wie im Training. Und mich befiel - nachdem ich die Saison beherrscht hatte - auf der Anfahrt zu diesem Rechtsschwung leichter Größenwahn.

Doch der Reihe nach: Wild entschlossen, stieß ich mich ab, nahm sofort Fahrt auf. Nach dem Almsprung und der ersten inoffiziellen Zwischenzeit, bei der ich mehr als eine halbe Sekunde vornelag, bemerkte ich, wie leise es unter dem Helm wurde: starker Rückenwind! Trotzdem: Ich hatte mir die schnellste Linie eingeprägt, wollte sie in meinem jugendlichen Leichtsinn unbedingt so durchziehen.

Der Trampolineffekt

Durch die hohe Geschwindigkeit kam ich etwas zu weit nach unten, musste also mehr Richtung nach rechts machen. Da rutschte der linke Außenski weg. Um einen wilden Sturz zu vermeiden, warf ich auf der Kante mein ganzes Gewicht nach vorne. Über das rechte Bein katapultierte es mich hinaus, es entstand ein Trampolineffekt. Jetzt stimmte die Richtung zwar, aber ich gewann rasch und ungewollt an Höhe.

Bis zum letzten Flugdrittel war ich überzeugt: Das könnte sich ausgehen. Dann aber, als ich schon kopfüber in der Luft hing, musste ich mich doch aufs Sturzszenario einstellen. Also Kopf nach rechts, dann die Detonation und mit voller Körperspannung durch die orangen Netze. So hatte plötzlich auch das Sommertraining einen Sinn.

Eines steht fest: Ein paar Jahre später wäre ich nicht mehr aufgestanden. Die Überlegung, nicht mehr über diese Robustheit zu verfügen, spielte 2009 bei meinem Rücktritt eine entscheidende Rolle. Liegenbleiben war nie eine Option. Obwohl mir die Absage des Super- G am Tag danach half: Ich machte zwar die Besichtigung mit, konnte aber das stark geschwollene rechte Knie nicht abbiegen.
Der Rest, die Goldenen im Super- G und im Riesentorlauf, sind hinlänglich beschrieben. Damals war Goldschmied eben noch ein ehrenwerter Beruf ... Was ich nicht mitbekam, war der unglaubliche Wirbel, den die Geschichte erzeugte. Der prasselte erst nach den Spielen über mich herein, mit allem Drum und Dran, dem Auftritt bei Jay Leno, dem Treffen mit Arnie. Und dem wunderschönen Cover von "Sports Illustrated" mit dem gestochen scharfen Bild von Carl Yarbrough.

Dem Tod ins Auge geblickt

Der Fotograf blickte, als er das Bild schoss, auf seiner Leiter dem Tod ins Auge. Die herumfliegenden Trümmer verpassten ihn nur knapp. Für den folgenden Sturz belohnte er sich später mit einer schmucken Villa in Boulder. Und ich? Ich wunder mich nach wie vor über Nagano.

14.02.2014, 08:49
Hermann Maier, Kronen Zeitung
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