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Baumann: "Wusste, dass ich es machen muss"

12.02.2013, 09:52
Romed Baumann hat zum Auftakt der zweiten Woche der Ski-WM in Schladming in der Super-Kombination die Bronzemedaille gewonnen. Was der Tiroler über seinen Umgang mit Druck, verschüttet geglaubte Slalomtalente und die Wut im Bauch zu sagen hat, verrät er im folgenden Interview.

Österreichs Herrenteam war noch medaillenlos, auf dem Team lastete großer Druck. Wie sind Sie in das Rennen gegangen?
Romed Baumann: Es war nicht so leicht, nach zwei Events standen wir noch ohne Medaille da. In Österreich ist das ein Desaster. Jeder hat eine Medaille erwartet. Vielleicht nicht von mir, aber vom Benni Raich. Aber ich wusste, wenn mir eine perfekte Abfahrt gelingt, habe ich im Slalom meine Chancen. Ich habe am Start ein paar Slalomfahrer am Monitor beobachtet, sie waren nicht so schnell, wie ich dachte. Ich wusste, wenn ich einen perfekten Lauf mache, ohne Fehler, kann ich aufs Podium kommen. Als ich über der Ziellinie war, war das wunderbar.

Sie haben am Schluss noch einmal richtig Gas gegeben. Hat Sie das Publikum so angetrieben?
Baumann: Ich hörte oben den Stadionsprecher. Er schrie: "Romed, du bist Zweiter!" Ich hörte die Leute schreien, es war wunderbar. Ich habe meine Zwischenzeiten gehört während der Fahrt. Ich wusste, ich muss bei den letzten Toren alles geben. Es war sehr eng, wenn ich auf die Ergebnisliste schaue, aber das Glück war auf meiner Seite.

Haben Sie mitbekommen, dass Raich ausgeschieden ist? Wenn ja, wie hat sich das angefühlt mit dem ganzen Druck der Nation auf Ihren Schultern?
Baumann: Ich wusste, dass Benni ausgeschieden ist. Das bekommt man am Start natürlich mit. Die Stimmung ist bis an den Start rauf zu hören, wenn ein Österreicher fährt. Bei jeder guten Zwischenzeit bekommt man das natürlich auch mit, genauso hört man, wenn einer ausscheidet, und es war mir etwas zu leise. Natürlich habe ich dann gewusst, wenn es noch eine Medaille für Österreich werden sollte, dann muss ich das machen.

Wie groß war der Druck?
Baumann: Sicher, der Druck gehört dazu, aber das macht das Skifahren aus. Da kommen die Emotionen. Wenn dir dann so ein Lauf unter Druck gelingt, dann ist das noch viel mehr wert, als wenn du bei einem Rennen am Start stehst, wo keine Zuschauer sind. Wo die Saison schon gelaufen ist, wo es um nicht mehr viel geht. Gerade diesmal war der Druck sehr groß, aber mittlerweile habe ich schon ein paar Großereignisse hinter mir, bei denen ich gelernt habe, damit umzugehen. Das ist mir sehr gut gelungen. Du musst in dem Moment, in dem du im Starthaus drinnen bist, frei von diesen Gedanken sein. Du musst fokussiert sein.

Sie fuhren von 2006 bis 2008 hier das Slalom- Nightrace und meinten, damals waren Sie noch ein Slalom- Spezialist. Haben Sie diesmal alles ausgepackt, was Sie von damals noch in sich haben?
Baumann: Ich musste alles auspacken, es war für meinen Geschmack etwas zu wenig Vorsprung aus der Abfahrt auf die Slalomspezialisten. Nach der Besichtigung habe ich bei Weitem nicht mit einer Medaille gerechnet, oder dass ich da in die Nähe kommen könnte. Aber wie sich das Rennen dann so entwickelt hat, habe ich gesehen, dass sich die Slalomspezialisten auch nicht so übertrieben absetzen können. Der Finne Romar ist einen sensationellen Slalom gefahren, da habe ich mir gedacht, wenn der das schafft, dann muss mir das auch gelingen. Ich habe es mir zugetraut. Dementsprechend motiviert bin ich in die ersten Tore reingefahren, habe sofort ein sehr gutes Gefühl aufgebaut. Der Slalom ist mir relativ locker von der Hand gegangen, so wie ich schon lange nicht mehr Slalom gefahren bin.

Können Sie sich erinnern, dass in Österreich einmal eine Bronzemedaille so bejubelt worden ist?
Baumann: Keine Ahnung, wird schon ein Zeiterl her sein (lacht).

Haben Sie die Kritik von Hermann Maier mitbekommen, und sehen Sie Verbesserungsbedarf im Verband?
Baumann: Ich habe das nicht mitbekommen. Ich habe mir angewöhnt, während eines Großereignisses keine Zeitung zu lesen, weil nicht immer alles stimmt, was drinnen steht (lacht). Natürlich gibt es überall Sachen, die man verbessern kann, aber ich glaube, ich kann glücklich sein, dass ich im ÖSV und dem stärksten Verband weltweit Ski fahren darf.

In der Spezialabfahrt waren Sie nicht am Start. Sie haben den Abfahrtsweltmeister in der Abfahrt besiegt. Ist das eine gewisse Befriedigung und war die Wut im Bauch mit unterwegs?
Baumann: Die Wut im Bauch ist für mich keine Motivation. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, die Abfahrt ist mir wurscht. Aber die Trainer haben so entschieden. Und von da weg war mir klar, ich gehe Slalom trainieren, bereite mich auf die Super- Kombi vor. Und muss da mein Bestes geben. Ich wusste, wenn ich hier was reißen möchte, muss ich das in der Abfahrt rausfahren. So knapp es jetzt ist, hat es das auch gebraucht.

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12.02.2013, 09:52
AG/red
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