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10.12.2016 - 04:48
Massenflucht aus der irakischen Stadt Falludscha
Foto: AFP

Über 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

20.06.2016, 09:55

Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie im Vorjahr. Die Zahl der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden sei von 2014 auf 2015 von 59,9 Millionen auf 65,3 Millionen Menschen gestiegen, stellte das UNO- Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) in einem am Sonntag in Genf veröffentlichten Jahresbericht fest. Das sei "ein drastischer Anstieg". 90 Prozent der Flüchtlinge befinden sich außerhalb Europas.

Die Gesamtzahl von 65,3 Millionen Menschen entspricht etwa der Bevölkerung Großbritanniens oder Italiens. "Während im Jahr 2005 durchschnittlich sechs Menschen pro Minute entwurzelt wurden, sind es heute 24 - das sind statistisch zwei Menschen pro Atemzug", so der UNHCR.

3,2 Millionen Menschen warten auf Asylantrag

Laut UNHCR gab es bisherige Höchstzahlen bei Binnenflüchtlingen und Asylwerbern: Die Zahl der Menschen, die im Vorjahr innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht waren, gab die Organisation mit 40,8 Millionen an, die Zahl jener, die auf die Entscheidung ihres Asylantrages warteten, mit 3,2 Millionen. Bei den Flüchtlingen wurden mit 21,3 Millionen noch nie so viele zu verzeichnen wie seit Anfang der 1990er- Jahre.

Foto: APA/UNHCR
Weltweit sind 65 Millionen Menschen auf der Flucht.
Foto: APA/UNHCR
Foto: APA/UNHCR
Foto: APA/UNHCR

Friedenslösungen lassen auf sich warten

Die Flüchtlingszahlen seien in den vergangenen 20 Jahren in den meisten Regionen stetig gestiegen, "in den vergangenen fünf Jahren jedoch schnellten die Zahlen rasant nach oben", geht aus dem Statistikbericht "Global Trends" hervor. Flüchtlingssituationen dauerten aufgrund von Langzeitkonflikten wie in Afghanistan länger an, seit Ende des Kalten Krieges ließen Friedenslösungen immer länger auf sich warten, so der UNHCR. Neue und wieder aufflammende Konflikte wie in Syrien oder dem Jemen nähmen gleichzeitig zu.

Dramen auf dem Meer und blockierte Grenzen

"Immer mehr Menschen müssen aufgrund von Krieg und Verfolgung ihre Heimat verlassen und das allein ist höchst beunruhigend. Doch auch die Faktoren, die Flüchtlinge in Gefahr bringen, steigen um ein Vielfaches", so Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. "Auf dem Meer verlieren erschreckend viele Menschen ihr Leben, der Landweg ist durch geschlossene Grenzen zunehmend blockiert und in manchen Ländern wird gegen Asyl politisch Stimmung gemacht." Die Bereitschaft von Staaten, nicht nur für Flüchtlinge sondern im gemeinsamen Interesse der Menschlichkeit zusammenzuarbeiten, werde momentan herausgefordert. Ein "einender Geist" werde "dringend gebraucht".

Foto: APA/AFP/MAHMUD TURKIA
Flüchtlinge auf der Überfahrt von Afrika nach Europa
Foto: APA/EPA/GIUSEPPE LAMI

Syrien Spitzenreiter mit 4,9 Millionen
Besonders viele Flüchtlinge kamen im Vorjahr aus Syrien (4,9 Millionen), Afghanistan (2,7 Millionen) und Somalia (1,1 Millionen). Der Syrien- Konflikt bleibe die Hauptursache für Flucht und Vertreibung und das damit verbundene Leid. Kolumbien ist das Land mit der größten Zahl an Binnenvertriebenen: 6,9 Millionen. Dahinter folgen Syrien und der Irak mit 6,6 bzw. 4,4 Millionen. Am meisten neu im eigenen Land entwurzelt wurden Menschen im Jemen: Ihre Zahl belief sich auf 2,5 Millionen.

Türkei nimmt die meisten Flüchtlinge auf

Während die Flüchtlings- , Migrations- und Asylpolitik die europäische Politik dominiert, hält der UNO- Bericht fest, dass sich mehr als 90 Prozent der Flüchtlinge weltweit außerhalb Europas aufhalten - meist nahe an den Konfliktherden, denen sie entkommen sind. Die meisten Flüchtlinge kommen aus den Großregionen Naher Osten, Nordafrika bzw. Sub- Sahara- Afrika. Die Türkei hat mit 2,5 Millionen die meisten Flüchtlinge aus dem Ausland aufgenommen. Pro Einwohner gerechnet ist der Libanon Spitzenreiter unter den Aufnahmeländern: Auf 1000 Libanesen kommen 183 Flüchtlinge.

Ein Flüchtling protestiert im Lager Moria auf Lesbos gegen seine geplante Abschiebung in die Türkei.
Foto: APA/AFP/STR, thinkstockphotos.de

Nur wenige Flüchtlinge kehren in ihre Heimat zurück

Die Zahl der Flüchtlinge, die im Vorjahr in ihre Heimat zurückkehren konnten, war dem UNHCR zufolge "niedrig": Sie betrug trotz einer gewissen Zunahmen gegenüber 2014 201.400. Die meisten Asylanträge - nämlich 441.900 - wurden in Deutschland verzeichnet. Dort sei die Flüchtlingsbevölkerung mit 316.000 Menschen im Vergleich zum Jahr 2014 um 46 Prozent gestiegen. In Europa kommen die meisten Flüchtlinge aus der Ukraine: 593.000.

20.06.2016, 09:55
AG/red
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