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25.09.2016 - 22:35
Foto: ARIS MESSINIS/AFP/picturedesk.com, thinkstockphotos.de

Türkei erlaubt Sex mit Kindern unter 15 Jahren

12.08.2016, 11:39

Bisher war Sex mit Kindern unter 15 Jahren in der Türkei strafbar - doch im Juli wurde dieses Gesetz vom türkischen Verfassungsgericht gekippt. Die Begründung: Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren könnten die Bedeutung eines sexuellen Aktes durchaus verstehen und daher ihre Zustimmung geben. Kinderrechtsorganisationen schlagen Alarm: Sexueller Missbrauch von Minderjährigen könnte so in der Türkei de facto straffrei werden.

Der Antrag auf eine Änderung des Gesetzes war im Juli von einem Bezirksgericht beim Verfassungsgericht eingebracht worden: Das lokale Gericht hatte bemängelt, dass bei Sex mit Kindern kein Unterschied zwischen den Altersgruppen gemacht werde. Beispielsweise würden 14- jährige Opfer gleich wie kleine Kinder behandelt.

Nach Auffassung des Bezirksgerichts könnten aber Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren die Bedeutung von Sex durchaus verstehen und daher zustimmen. Das bisherige Gesetz schloss ein mögliches Einverständnis zum Sex jedoch aus. Das Verfassungsgericht stimmte dem Antrag mit sieben gegen sechs Stimmen knapp zu und kippte das bisherige Missbrauchs- Gesetz in der Türkei. Der Kinderschutz, den das Gesetz bisher vorsah, wird damit per Jänner 2017 außer Kraft gesetzt.

"Kinder werden wehrloser gemacht"

Der Aufschrei ist groß, denn sexueller Missbrauch an Kindern wird ab diesem Zeitpunkt juristisch wie Missbrauch eines Erwachsenen geahndet. Täter können so behaupten, dass ein Kind zum Sex einwilligt habe. Kinderschutzorganisationen und Frauenvereine laufen bereits gegen die Gesetzesänderung Sturm. Nazan Moroglu, die Koordinatorin der Istanbuler Frauenvereine, sagte gegenüber der Zeitung "Hurriyet Daily News": "Das wird Kinder gegen sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung wehrloser machen. Es wird noch mehr Mädchen geben, die ohne Ausbildung jung verheiratet werden."

Auch Canan Güllü, die Leiterin des Verbands der türkischen Frauenvereinigungen, fürchtet, dass die Änderung des Gesetzes zu mehr Zwangsehen und Missbrauch führen wird: "Menschen werden in der Lage sein, Kinder zu entführen, zu vergewaltigen und jung zu heiraten." Die Organisationen versuchen mit allen Mitteln, das Urteil rückgängig zu machen. Sie erwägen auch den Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

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12.08.2016, 11:39
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