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30.09.2016 - 17:13
Foto: DMITRY KOSTYUKOV/AFP/picturedesk.com, AP

Russen könnten Baltikum in 60 Stunden erobern

05.02.2016, 19:02

Seit Ausbruch der Ukraine- Krise und der russischen Annexion der Halbinsel Krim wächst die Sorge in den drei baltischen Staaten vor ähnlichen Interventionen. Bei jeder Gelegenheit drängen die Regierungen in Tallinn, Riga und Vilnius auf eine stärkere NATO- Präsenz. Die Ängste, einer russischen Aggression hilflos ausgeliefert zu sein, werden nun von einer Studie der US- Denkfabrik RAND Corporation zusätzlich geschürt. In mehreren Kriegssimulationen unterlag die NATO den russischen Truppen. Es dauerte höchstens 60 Stunden, bis diese das Baltikum erobert hatten.

"Wir werden unsere NATO- Verbündeten verteidigen, und das heißt jeden Allianzpartner. Wir werden für Estland, für Lettland und für Litauen da sein. Ihr habt eure Unabhängigkeit bereits einmal verloren. Mit der NATO werdet ihr diese nie wieder verlieren." - US- Präsident Barack Obama hatte 2014 in einer Rede in der estnischen Hauptstadt Tallinn zehn Jahre nach der sogenannten Osterweiterung der Militärallianz die Position des Bündnisses klar betont.

Dieses Versprechen könnte aber im militärischen Notfall gar nicht eingelöst werden, wie eine zwischen Sommer 2014 und Frühjahr 2015 durchgeführte Kriegssimulation beinhart aufdeckt. Die Experten bewerten die Abschreckungs- und Verteidigungskapazitäten der NATO in Estland, Lettland und Litauen als mangelhaft. Im Falle eines russischen Angriffs müssten sich die leichteren stationierten Einheiten und die nationalen Streitkräfte der massiven Militärmacht Russlands in den Weg stellen.

Simulation: "Team Rot" gewann immer

Ausgangspunkt der Kriegssimulation war, dass Russland nach anfänglichen Drohungen innerhalb einer Vorlaufzeit von einer Woche mit den Kriegshandlungen beginnt. Diese Vorlaufzeit erlaubte es zwar NATO- Verbündeten, Truppen zur Unterstützung der drei Staaten zu verlegen. Dennoch reichte es bei keinem Versuch, das "Team Rot" (Russland), entscheidend aufzuhalten. In maximal 60 Stunden waren die roten Figuren auf der Landkarte vor den Toren Rigas und Tallinns.

Zur Errechnung des Vorankommens der Russen wurden Faktoren wie durch die Landschaft bedingte Hindernisse, Verkehrswege und die Stärke bzw. Reaktionsfähigkeit der stationierten Infanterie, Artillerie und Luftunterstützung einberechnet. Durch das leicht überwindbare Terrain hatte "Team Rot" bei der Überwindung der 200 Kilometer Entfernung von der estnischen Grenze bis zur Hauptstadt bzw. der 275 Kilometer von der lettischen Grenze bis zur Hauptstadt keine längeren Verzögerungen zu verzeichnen. Am Ende ergab eine Zusammenschau aller Faktoren, dass die russischen Truppen zwischen 36 und 60 Stunden für ihren "Sieg" benötigten.

Schmerzliche Optionen für NATO nach Eroberung

So eine rasche Niederlage würde der NATO drei Optionen übrig lassen, die allesamt schmerzlich wären, so die Schlussfolgerung der an den Kriegssimulationen beteiligten Militärexperten. Erstens: eine massive Gegenoffensive, die viele Opfer fordern würde. Zweitens: die Androhung eines Nuklearangriffs auf Russland, die als die am wenigsten wahrscheinliche Variante gesehen wird. Drittens: das Akzeptieren einer zumindest vorübergehenden Niederlage. Das könnte zu einem weiteren "eingefrorenen Konflikt" führen, von denen seit Ende des Kalten Krieges bereits zahlreiche existieren. Schlimmstenfalls könnte nach Einschätzung der Studienautoren sogar das Zusammenbrechen der NATO drohen.

NATO-Übung in Polen
Foto: ASSOCIATED PRESS

Um diese Szenarien zu vermeiden, sehen die Experten nur eine Möglichkeit: Aufrüstung in den baltischen Staaten und damit das Herstellen einer militärischen Abschreckung. Denn nach Ansicht der RAND Corporation erscheint das Zurückdrängen des russischen Einflusses nach einem Eroberungszug viel unwahrscheinlicher, als wenn die militärischen und politischen Kosten für einen solchen bereits von Beginn an höher wären.

Die komplette Studie können Sie hier  nachlesen.

USA vervierfachen Mittel gegen "russische Aggression"

Erste Anzeichen dafür, dass solche Bedrohungsszenarien bereits in konkrete politische Entscheidungen einfließen, gibt es schon. So haben die USA vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass sie ihre Mittel gegen die "russische Aggression" im kommenden Jahr vervierfachen werden. Der Etat für die Aufstockung der Truppen in den NATO- Staaten, für Ausbildung und Manöver wird laut Verteidigungsminister Ashton Carter 3,4 Milliarden Dollar (rund 3,1 Milliarden Euro) betragen. Insgesamt kann das US- Militär im Haushaltsjahr 2017 583 Milliarden Dollar ausgeben.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter betrachtet Russland als Bedrohung.
Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/CHIP SOMODEVILLA

Wird NATO- Russland- Rat wiederbelebt?

Vor dem Hintergrund militärischer Aufrüstung gibt es aber auch Anzeichen für mehr Kooperation. "Wir prüfen die Möglichkeit, einen NATO- Russland- Rat zu organisieren", sagte NATO- Generalsekretär Jens Stoltenberg Ende Jänner. Die Wiederaufnahme des Dialogs solle helfen, "Missverständnisse und Vorfälle" zu vermeiden - wie den Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe vor zwei Monaten im türkisch- syrischen Grenzgebiet . Die transatlantische Militärallianz hatte ihre praktische Zusammenarbeit mit Moskau seit der Krim- Annexion auf Eis gelegt.

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Gabor Agardi, krone.at
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