Werbung
Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
29.09.2016 - 17:26
Foto: Klemens Groh

Nepal: Wiederaufbau scheitert an der Regierung

23.04.2016, 11:58

Vor einem Jahr erschütterten zwei verheerende Erdbeben den Himalaya- Staat Nepal. Fast 9000 Menschen starben, mehr als 600.000 Häuser wurden zerstört. Der Wiederaufbau scheitert an der Regierung. Die "Krone" hat sich in Nepal nach den Ursachen umgesehen.

Seine Augen sind müde, der Blick ist traurig und leer. Tek Bahadur Thami nimmt seinen kleinen Sohn in den Arm, streichelt ihm zärtlich über den Kopf. Der 23- Jährige spricht nicht viel, er kann nur mit wenigen, zögerlichen Worten beschreiben, was vor einem Jahr passiert ist. Seine Frau, mit der er fünf Jahre lang verheiratet war, wurde während des Erdbebens von einem Erdrutsch mitgerissen und getötet. Auf dem Rücken trug sie die neun Monate alte Tochter - das Mädchen wurde weggeschleudert und blieb verletzt unter einem großen Stein liegen. Tek Bahadur Thami barg die Leiche seiner Ehefrau und rettete das Baby.

Tek Bahadur Thami (li.) mit seinen Kindern und seinen Eltern. Der junge Mann verlor seine Ehefrau.
Foto: Klemens Groh

Seither lebt der junge Mann mit seinen beiden Kindern und seinen Eltern in einem kleinen provisorischen Wellblech- Bau, einer notdürftig zusammengezimmerten Baracke. Die Regierung hat den Erdbebenopfern je 2000 US- Dollar (rund 1780 Euro) für den Wiederaufbau versprochen, doch auf das Geld warten die Betroffenen bis heute. Und so sieht es ein Jahr nach der Katastrophe immer noch verheerend aus - eine Ruine reiht sich an die andere, dazwischen stehen die Behelfsunterkünfte, die zum Dauerzustand zu werden drohen.

Das müsste nicht so sein, doch die Regierung blockiert den Wiederaufbau. Das Regime will seine Macht demonstrieren und fordert von den Hilfsorganisationen, die nur darauf warten, endlich loslegen zu können, die Spenden - um angeblich selbst den Wiederaufbau zu finanzieren und durchzuführen. Ein Deal, auf den sich Rotes Kreuz und Co. natürlich nicht einlassen können. Und so passiert gar nichts, in dem bitterarmen Himalaya- Staat herrscht Stillstand.

Rotes Kreuz: "Es geht gar nichts weiter"

Und zwar in allen Bereichen: Acht Jahre lang dauerte es, bis im vergangenen Herbst endlich eine Verfassung verabschiedet wurde. "Durch Bürokratie und schlechtes Management geht einfach gar nichts weiter", sagt Max Santner, der für das Internationale Rote Kreuz die Hilfsaktivitäten in Nepal leitet. Er klingt desillusioniert und auch frustriert - oder realistisch, wie es manche seiner Mitarbeiter nennen.

Das Rote Kreuz veranstaltet Trainings für Handwerker. Demo-Häuser werden so errichtet.
Foto: Klemens Groh

Dabei stünde alles bereit. Das Rote Kreuz errichtet Demo- Häuser, die erdbebensicherer als die bisherigen einfachen Ziegelbauten sind, und veranstaltet in entlegenen Dörfern Trainings, um Handwerker auszubilden. Dabei stoßen die Helfer auf ein weiteres Problem: In den Ortschaften leben großteils Frauen und Kinder - die Männer sind als Gastarbeiter im Ausland, etwa um in Katar unter barbarischen Bedingungen die Stadien für die Fußball- WM 2022 zu errichten.

Die Fahrt von entlegenen Dörfern in die Städte ist beschwerlich.
Foto: Klemens Groh

Wer Geld hat, baut sein Haus auf eigene Kosten wieder auf. Doch das können sich nur die allerwenigsten leisten - die Einkünfte sind minimal, die Inflationsrate beträgt mehr als elf Prozent. Der Schaden aber, den das Erdbeben angerichtet hat, ist gewaltig. Im Bezirk Dolakha etwa, östlich der Hauptstadt Kathmandu, ist so gut wie jedes Haus beschädigt - 99,9 Prozent, wie es in offiziellen Berichten heißt.

Zu viele Hilfsorganisationen verursachen Chaos

Wenig hilfreich sind auch kleine Hilfsorganisationen aus aller Welt, die - gut gemeint - sehr lokal einzelne Familien unterstützen, das Chaos jedoch oft nur noch größer machen. Insgesamt waren in Nepal nach dem Erdbeben 40.000 Hilfsorganisationen registriert. Einen kleinen Lichtblick sieht Rotkreuz- Experte Santner dennoch: Nächste Woche stehen erneut Gespräche mit der Regierung zum Wiederaufbau auf der Agenda. Ein winziges positives Zeichen, ein Hoffnungsschimmer. Mehr aber auch nicht.

23.04.2016, 11:58
Doris Vettermann, Kronen Zeitung/krone.at
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2016 krone.at | Impressum