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08.12.2016 - 08:35
Abdullah II. fährt in Jordanien einen flexiblen Kurs, der das Wüstenland aus Kriegen heraushält.
Foto: AFP

Insel des Friedens in Meer aus Hass und Krieg!

27.02.2016, 13:03

Wunder sind möglich. Eines davon ist Jordanien. Und weil dort inmitten einer Hölle aus Krieg und Zerstörung kein Krieg herrscht, wird auch kaum über dieses kleine Königreich berichtet. Das soll sich hiermit ändern.

Wie ist ein solches Friedenswunder überhaupt möglich? Es leben dort doch die gleichen Menschen wie in der seit Jahrzehnten mal hier, mal dort kriegsgeplagten Nachbarschaft. Jordanien ist ein karger Landstrich von der Größe Österreichs mit rund acht Millionen Einwohnern, großteils Wüste und wie alle Nahoststaaten durch Bevölkerungsexplosion mit viel zu hoher Bevölkerungsdichte. Zudem hat Allah den Boden in Jordanien weder mit Öl noch mit Gas oder anderen Bodenschätzen gesegnet.

Stabiler Standort profitierte vom Exodus

Dennoch pulsiert in der Hauptstadt Amman das moderne Geschäftsleben. Das ehemalige Wüstenkaff eines exilierten Emirs (darüber später) hat als sicherer und stabiler Standort enorm profitiert von dem Exodus der Geschäftswelt erst aus Nikosia während des Zypernkriegs 1974 und dann aus Beirut während des libanesischen Bürgerkriegs 1975 - 1990.

In der jordanischen Hauptstadt Amman pulsiert das moderne Leben.
Foto: AP

Das Friedenswunder heißt also staatliche Ordnung und Stabilität durch das Herrscherhaus. Diese Dynastie der Haschemiten aus dem Stamme des Propheten hatte im Jahre 1916 als damaliger Herrscher in Mekka mithilfe der Briten ("Lawrence of Arabia") den arabischen Aufstand gegen die osmanische Kolonialherrschaft angeführt, war dann von den europäischen Imperialisten um das versprochene "Königreich Arabien" betrogen und letztlich auch noch von den Saudis aus Mekka vertrieben worden.

Zweite Heimat für die Palästinenser

Im Arabischen Frühling ab 2011 haben sich die arabischen Monarchen besser im Sattel gehalten als die republikanischen Tyrannen, weil sie auf eine "höhere" Autorität pochen können, während sich die "weltlichen" Machthaber nur auf ihre Bayonette stützen können. Das Überleben der Dynastie ist umso erstaunlicher, als Jordanien ein Staat mit ganz besonderer Bevölkerungsstruktur ist: Etwa zwei Drittel der Einwohner sind Palästinenser, viele davon Flüchtlinge und deren Nachkommen.

Der Königspalast in der jordanischen Hauptstadt
Foto: APA/AFP/CARLO ALLEGRI

Das Zusammenleben der Volksgruppen ist nicht immer einfach. Manchmal kracht es, wenn die Dynastie den Thron gefährdet glaubt, doch ausschlaggebend ist das flexible Herrschaftsgeschick der Könige wie des legendären Hussein I., Vater des jetzigen Monarchen. Jordanien ist der einzige arabische Staat, in dem die Palästinenser halbwegs integriert sind. Ein gängiger Witz beleuchtet die Doppelrolle des Königs: "Für die Alt- Einwohner ist er Emir, für die Palästinenser ist er Chairman of the Board." Nun hat Jordanien aber ein neues und sehr ernstes Flüchtlingsproblem bekommen: Aus dem benachbarten Syrien flohen mindestens 800.000 Menschen in das karge Wüstenland.

Jeder zehnte Einwohner ein syrischer Flüchtling!

Das Camp Azraq ist eines der größten Flüchtlingslager der Welt. Und wieder zeigt sich, dass sich Jordanien auch um diese Aufgabe kümmert. 140.000 Flüchtlingskinder gehen in jordanische Schulen. Doch dem Land gehen die Finanzmittel aus. Der Krieg in der Nachbarschaft mit Behinderung von Transportrouten verursachte eine Wirtschaftskrise. Arbeitslosigkeit besonders unter der jungen Generation und damit wachsende Unzufriedenheit greifen um sich.

Dennoch halten sich die Proteste (noch) in Grenzen. Syrien ist abschreckendes Beispiel genug. Aber auch in Jordanien stößt die Geduld mit der Flüchtlingslast an ihre Grenzen. König Abdullah II. hat kürzlich bei einer internationalen Spenden- Konferenz in London zu Investitionen in seinem Land aufgerufen. Doch die Geschäftswelt nimmt Jordanien in "Geiselhaft" für ein Kriegsrisiko, das es dort (bislang) gar nicht gibt.

Ähnlich katastrophal schlecht geht es dem zweiten Standbein der jordanischen Wirtschaft: Der Tourismus ist zusammengebrochen. Jeder Tourist könnte zur Stabilität dieser Insel des Friedens beitragen.

27.02.2016, 13:03
Kurt Seinitz, Kronen Zeitung
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