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10.12.2016 - 19:37
Foto: Klemens Groh

Idomeni: Unsere Polizisten am Todesfluss

22.03.2016, 06:00

"Die Europäische Union hat uns im Stich gelassen." Es ist ein mazedonischer Soldat, der das sagt. Eigentlich dürfte er gar nicht mit uns sprechen. Der Mann steht im Wasser, wäscht seine schwarzen Schuhe darin und plaudert darauf los. Über "diese Hölle" und die Ungewissheit, wie es weitergeht. Die "Krone" hat am Montag jenen Grenzfluss besucht, in dem in der Vorwoche drei Flüchtlinge ertrunken waren, und auch mit österreichischen Polizisten gesprochen.

Die Grenze zu Griechenland ist dicht, doch das heißt hier nicht viel. Sieben Polizisten aus Österreich sind seit Wochen im Dauereinsatz. Während vor Tagen noch das "Profil" von Flüchtlingen überprüft wurde, patrouillieren unsere Beamten nun im Hinterland. "Nachdem die Grenze zu ist, boomt die Schlepperei. Das müssen wir mit aller Kraft verhindern", sagt ein Polizist im "Krone"- Gespräch.

Derzeit gibt es für diese Flüchtlinge kein Weiterkommen.
Foto: Klemens Groh
Die mazedonische Armee steht an der Grenze in permanenter Alarmbereitschaft.
Foto: Klemens Groh
Seit Wochen sind sieben österreichische Polizisten im Grenzgebiet im Einsatz.
Foto: Klemens Groh

"Normalerweise fließt dort gar kein Wasser"

Montagfrüh ist es ruhig an der griechisch- mazedonischen Grenze. Es hat 20 Grad, wir besuchen die Stelle, an der drei Menschen tot angespült wurden , nachdem sie versucht hatten, den Fluss Suva zu überqueren. Der Name bedeutet "trocken" - nur an diesem einen Tag, an dem eine im sechsten Monat schwangere Frau, der Kindsvater, eine Freundin und weitere 2000 Menschen über das Wasser wollten, führte der Fluss Hochwasser. Die drei Menschen ertranken. "Es war Schicksal", sagt die 62- jährige Mazedonierin Tana Prodana. "Normalerweise fließt dort gar kein Wasser."

Das Tor der Hoffnung Richtung Mazedonien ist mit Kinderzeichnungen verziert worden.
Foto: KRONEN ZEITUNG

Lage im Camp bleibt kritisch

Auch nicht in Idomeni. Im Camp auf der griechischen Seite bleibt die Situation weiterhin kritisch. Migranten sollen sich mittlerweile gegenseitig die Reisepässe stehlen, Übergriffe stehen an der Tagesordnung, Aktivisten - so heißt es aus Behördenkreisen - schüren trügerische Hoffnung. Doch einen Ausweg wird es nicht geben. Das "Vorhaben Idomeni" ist klar definiert: Familien mit Kindern sollen sich freiwillig in die sieben griechischen Hotspots zurückziehen. Erst danach wird das Militär eingreifen.

Laut den Behörden handelt es sich bei 40 Prozent der Flüchtlinge um Familien und Kinder.
Foto: Klemens Groh

Chefinspektor Peter Kitzberger ist seit zweieinhalb Jahren als Verbindungsbeamter des Innenministeriums in Mazedonien im Einsatz. Mit der Flüchtlingskrise hat sich sein Aufgabengebiet verändert, wie er im folgenden Interview erklärt.

"Krone"-Reporterin Sandra Ramsauer im Gespräch mit Chefinspektor Peter Kitzberger
Foto: Klemens Groh

"Krone": Was empfinden Sie für diese Leute, die ein neues Leben starten wollen?
Peter Kitzberger: Jeder von uns ist ein Mensch. Aber es gibt zwei Seiten. Natürlich hat jeder von uns die humanitäre Seite in der Seele und im Herzen. Aber wir haben auch die Verpflichtung unserem Land gegenüber, es zu schützen.

"Krone": Was ist die genaue Aufgabe der österreichischen Polizisten vor Ort?
Kitzberger: Vor der Schließung der Balkanroute war das Um und Auf für unsere Beamten zu selektieren, welche Menschen nach Österreich reisen. Unsere Aufgabe war und ist, Terroristen herauszufiltern. Jetzt hat sich unser Aufgabenbereich vom "Profiling" auf die Bekämpfung des Schleppereiwesens verlagert.

"Krone": Wie viele heimische Polizeibeamte sind derzeit an der griechisch- mazedonischen Grenze stationiert?
Kitzberger: Aktuell haben wir sieben junge Beamte hier. Mit dem heutigen Tag wird das Kontingent um weitere sieben Polizisten aufgestockt.

"Krone": Wie lange bleibt unsere Exekutive im Einsatz?
Kitzberger: Wir wissen nicht, wie es mit dem Lager im griechischen Idomeni und vor allem der neu aufkommenden Schlepperei weitergeht. Fakt ist, es wird in den nächsten Wochen nicht geräumt werden können. Die Behörden setzen alles daran, zuerst Familien mit Kindern aus dem Camp zu bringen. Erst dann denkt man über eine Polizeiaktion zur Auflösung des Lagers nach.

22.03.2016, 06:00
Sandra Ramsauer, Kronen Zeitung/red
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