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28.09.2016 - 12:00
Peter Pringle und seine Ehefrau Sunny Jacobs wollen, dass niemand ihre Erfahrungen teilen muss.
Foto: APA/AFP/LARS OS

Ehepaar kämpft nun gemeinsam gegen die Todesstrafe

22.06.2016, 14:31

Sunny Jacobs erhoffte sich nicht mehr viel vom Leben: Wegen Polizistenmordes zum Tode verurteilt, wartete die zarte Frau in Florida auf ihr Ende auf dem elektrischen Stuhl. Tausende Kilometer entfernt sah Peter Pringle seinem Ende am Galgen entgegen. Niemals hätten die beiden geglaubt, dass sie sich eines Tages begegnen würden - heute sind sie verheiratet und kämpfen gegen die Todesstrafe.

"Peter und ich sprechen nicht oft darüber. Da zieht sich jedes Mal der Magen zusammen", sagt Jacobs anlässlich des Weltkongresses gegen die Todesstrafe, der bis Donnerstag in Oslo tagt. Doch sie will, dass eines Tages niemand mehr ihre Erfahrungen teilen muss.

Jacobs: "Zur falschen Zeit am falschen Ort"

1976 endete Jacobs altes Leben, wegen der Ermordung zweier Polizisten kam sie ins Gefängnis. Zu Unrecht, wie sie sagt: "Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort mit den falschen Menschen zusammen", sagt die 68- Jährige. Nach ihrer Version saßen sie, ihr damaliger Freund Jesse Tafero und ihre zwei kleinen Kinder mit einem Freund in dessen Auto, als sie von der Polizei gestoppt wurden. Die Beamten fanden eine Waffe, es kam zum Feuergefecht, am Ende waren beide Polizisten tot.

Der Freund belastete das junge Paar, Jacobs und ihr Partner wurden zum Tode verurteilt. Tafero starb qualvoll auf dem elektrischen Stuhl: Wegen einer Panne geriet sein Gesicht in Flammen, seine Henker mussten zwei Mal von vorne anfangen. Sein Todeskampf dauerte schließlich sieben Minuten. Jacobs verbrachte unterdessen fünf Jahre in völliger Isolation in einer kleinen Zelle, dann wurde ihre Strafe in lebenslänglich umgewandelt. 1992, nach 17 Jahren hinter Gittern, kam sie frei.

Pringle entkam Tod durch Strick

Peter Pringle war in Irland nur noch elf Tage von seiner Hinrichtung entfernt. Weil seine früheren Verbindungen zur IRA allgemein bekannt waren, wurde er 1980 fälschlicherweise wegen des Mordes an zwei Polizisten bei einem bewaffneten Raubüberfall zum Tod durch den Strick verurteilt.

In seiner Todeszelle musste er mit anhören, wie sich seine Wächter über seine Hinrichtung unterhielten, über ihre erhofften Bonuszahlungen und die richtige Technik, damit sein Genick auch wirklich bricht. "Zu ihrem eigenen Schutz müssen sie uns wie Tiere behandeln", sagt der 77- Jährige heute. "Wie sollen sie jemanden kaltblütig umbringen, den sie zu mögen oder zu respektieren gelernt haben?"

Überraschend wurde seine Hinrichtung ausgesetzt, stattdessen sollte er für 40 Jahre in Haft. Mit seinem Tod hatte sich Pringle abgefunden, nicht aber mit einem Leben hinter Gittern: Er brachte sich selbst Jus bei und erkämpfte seinen Freispruch - nach 15 Jahren.

Hinrichtungskammer im Gefängnis von San Quentin in Kalifornien
Foto: ASSOCIATED PRESS

Ex- Todeskandidaten lernten sich in irischem Pub kennen

In einem Pub im irischen Galway lernte Pringle 1998 Sunny Jacobs kennen. Sie sprach bei einer Veranstaltung über die Todesstrafe, er setzte das Gespräch mit ihr fort. 2011 heirateten die beiden. Inzwischen leiten sie ein Hilfszentrum für Justizopfer und setzen sich für die Abschaffung der Todesstrafe ein. "Sie schreckt niemanden ab", sagt Pringle. "Wenn Du Kindern beibringst, dass es völlig in Ordnung ist, jemanden zu töten, der nach deinem Verständnis falsch handelt oder dich richtig wütend gemacht hat - dann holen auch sie sich ein Gewehr, wenn sie nur wütend genug sind."

Pringle ist überzeugt, dass es bei der Todesstrafe in Wirklichkeit um Rache geht. Rache aber, findet der freundliche alte Herr mit dem weißen Bart, sei der "niederste" Beweggrund und einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig.

Nach Angaben von Amnesty International wurden im vergangenen Jahr weltweit 1634 Menschen hingerichtet. Das ist die höchste Zahl seit 1989.

22.06.2016, 14:31
AG/red
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