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26.09.2016 - 22:51
Foto: dpa/Jens Büttner

Bayrische Bank verlangt von Privaten Strafzinsen

10.08.2016, 20:06

Das Tabu bröckelt: Eine kleine bayrische Raiffeisenbank verlangt ab September von Privatkunden mit großen Summen auf dem Girokonto einen Strafzins. Josef Paul, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, bestätigte am Mittwoch, dass die Bank für Beträge von mehr als 100.000 Euro auf dem Girokonto oder dem Tagesgeldkonto ein "Verwahrentgelt" von 0,4 Prozent erheben werde.

"Wir haben alle Großanleger gezielt angeschrieben und ihnen empfohlen, sich Gedanken zu machen", sagte Paul der Nachrichtenagentur Reuters. "Wenn man keine Anreize schafft, etwas zu verändern, verändert sich auch nichts", begründete er den Schritt.

Ankündigung zeigt bereits Wirkung

Laut dem bayrischen Raiffeisenbank- Vorstand Paul zeigte der Strafzins schon Wirkung: "Ein Teil der Kunden, die wir informiert haben, hat sich für alternative Anlagen entschieden, andere haben ihr Geld zu anderen Banken verlagert." Eine Ausweitung auf weniger wohlhabende Kunden sei nicht geplant.

Banken zahlen selbst 0,4 Prozent, wenn sie überschüssige Einlagen über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Auch die DZ Bank, das Spitzeninstitut der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, verlangt von den angeschlossenen Instituten dafür Zinsen. Bisher haben Banken diese Strafzinsen nur an institutionelle Anleger und Firmenkunden weitergereicht.

"Solidarbeitrag" und höhere Gebühren als Alternativen

Für Privatkunden schließen sie die meisten deutschen Geldhäuser offiziell aus. Nur die Skatbank, eine zum Genossenschaftssektor gehörende Direktbank aus dem thüringischen Altenburg, hatte für Beträge über einer halbe Million Euro Negativzinsen eingeführt. Die ebenfalls genossenschaftliche Alternativ- Bank GLS plant im Kampf gegen das Zinstief, von den Kunden einen monatlichen "Solidarbeitrag" zu erheben. Viele Geldhäuser bieten inzwischen keine kostenlosen Girokonten mehr an oder erhöhen die Gebühren für Kontoführung und Kreditkarten.

Genossenschaftsverband zeigt Verständnis für Mitgliedsbank

Der Genossenschaftsverband Bayern, dem die 299 Volks- und Raiffeisenbanken im Freistaat angehören, äußert Verständnis für sein Mitglied vom Tegernsee: "Der extreme geldpolitische Kurs der EZB verursacht bei allen Banken erhebliche Kosten. Vor allem die Negativzinsen für das Anlegen überschüssiger Liquidität bei der Zentralbank belasten die Institute zunehmend", sagte ein Sprecher. Auf Dauer könnten die Banken das nicht selbst tragen.

10.08.2016, 20:06
AG/red
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