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30.09.2016 - 05:17
Foto: APA/AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT, Twitter.com / Video: Ruptly.TV

"Attentäter hatte Kontakt zu radikalem Islam"

15.07.2016, 21:26

Mohamed Lahouaiej Bouhlel, der Attentäter von Nizza, hatte Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls zufolge vermutlich "in der einen oder anderen Form Kontakt zum radikalen Islam". Dem Sender France 2 sagte Valls Freitagabend, bei dem Angriff handle es sich um einen Akt des Terrors. Vorwürfe, die Sicherheitskräfte hätten versagt, wies erzurück. Zudem gab Valls seiner Befürchtung Ausdruck, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen könnte.

Der 31- jährigen Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel habe in Nizza gewohnt und eine Aufenthaltsgenehmigung besessen, teilte die französische Staatsanwaltschaft am Freitagabend mit. Auch die Ermittler halten einen terroristischen Hintergrund für wahrscheinlich.

Nach Angaben des Staatsanwalts war der Attentäter den Geheimdiensten "vollkommen unbekannt", der Polizei jedoch fiel der Vater dreier Kinder in der Vergangenheit wegen Gewaltdelikten und Waffengebrauchs mehrmals negativ auf. Erst im März wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Mann war am französischen Nationalfeiertag mit einem Lastwagen durch eine Menschenmenge gerast  - er tötete mindestens 84 Menschen. Bouhlels Ausweis wurde in dem Lkw sichergestellt.

Der Ausweis des Attentäters wurde im Lkw gefunden.
Foto: APA/AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT, Twitter.com

50 Menschen schweben noch in Lebensgefahr

Unter den Todesopfern sind auch zehn Kinder und Jugendliche. Dies teilte der zuständige Staatsanwalt Francois Molins am Freitagabend bei einer Presekonferenz mit. Von den rund 200 Verletzten schweben laut Aussage des französischen Präsidenten Francois Hollande derzeit noch etwa 50 Menschen in Lebensgefahr.

Der Lkw kurz nach Ende der Terrorfahrt von Nizza
Foto: AP
Grafik der schrecklichen Tat von Nizza
Foto: APA-Grafik

Verbindung zum IS?

Um möglichst viele Personen an der Promenade des Anglais zu überfahren, fuhr der Attentäter einen regelrechten Zickzackkurs, zudem soll er in die Menge geschossen haben. Die Ermittler untersuchen nach wie vor, ob der Attentäter allein oder in einer Gruppe gehandelt hat. Niemand habe sich bekannt, aber vieles deute auf eine Terrorgruppe. Der Anschlag passt jedenfalls zu zwei ausdrücklichen Aufforderungen des IS an seine Anhänger aus den vergangenen Monaten: Sie sollen Frankreich und die Franzosen angreifen und Menschen mit Lkws oder Autos attackieren. In den sozialen Netzwerken loben IS- Anhänger die Tat, es gibt aber bislang keinerlei Bekenntnis offizieller IS- Kanäle.

Wie gelang Attentäter mit Lkw zur Uferpromenade?

Unklar ist auch weiterhin, warum der Täter trotz Absperrungen mit dem Lastwagen auf die Uferpromenade fahren konnte. Dazu gibt es bisher zwei mögliche Erklärungen: Der Fahrer könnte Stoppsignale der Polizei ignoriert haben, berichtet Radio RMC, oder er hat dem Wachhabenden erklärt, Eis für die Festlichkeiten anzuliefern, und durfte deshalb passieren, wie France24 berichtet.

Auch Waffenattrappen sichergestellt

In dem Lkw wurden - neben einer offenbar nicht funktionsfähigen Granate und diversen Waffenattrappen - die Ausweispapiere sowie ein Mobiltelefon und eine Bankomatkarte des Tunesiers gefunden. Die Polizisten hätten mittlerweile mithilfe von Fingerabdrücken sichergestellt, dass es sich bei dem getöteten Attentäter tatsächlich um Mohamed Lahouaiej Bouhlel handelte. Nach Angaben tunesischer Sicherheitskreise soll er in der tunesischen Stadt Msaken geboren worden sein und sich dort das letzte Mal vor vier Jahren aufgehalten haben.

Attentäter erhielt Bewährungsstrafe im März

Der 31- Jährige war bereits - "wegen normaler Verbrechen" wie Diebstahl, Waffengewalt und häuslicher Gewalt - amtsbekannt gewesen. Staatsanwalt Molins sagte, der Attentäter sei erst im März wegen einer gewaltsamen Auseinandersetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Dabei ging es nach Angaben der französischen Behörden um einen Streit nach einem Verkehrsunfall, bei dem der Mann eine Holzpalette auf seinen Kontrahenten geworfen habe.

Tunesier stand nicht im Visier der Geheimdienste

Im Visier der Geheimdienste sei er laut dem TV- Sender "BFMTV" jedoch nicht gestanden. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde der benutzte Lastwagen - ein Kühltransporter - zwei Tage vor dem Anschlag in der kleinen Nachbargemeinde Saint- Laurent- du- Var angemietet. Der Attentäter war nach bisherigen Erkenntnissen alleine in der Fahrerkabine des Lastwagens. Allerdings wurde laut "Nice Matin" dort auch ein zweiter Ausweis gefunden. Die Behörden versuchen aktuell herauszufinden, ob er bei der Vorbereitung Komplizen hatte.

Foto: APA/AFP/WELAYAT RAQA, twitter.com

Nachbarn: "Attentäter nie offensiv religiös aufgetreten"

Nachbarn des Attentäters haben den 31- Jährigen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP unterdessen als "stillen Einzelgänger" beschrieben. Der Mann habe nie gegrüßt, wenn man sich im Stiegenhaus des vierstöckigen Gebäudes in Osten von Nizza getroffen habe. Ein Nachbar sagte, der Attentäter sei nicht offensiv religiös aufgetreten, er habe häufig Shorts getragen. Nachbarin Alexia, die in der selben Etage wohnt, wechselte nur ein einziges Mal ein paar Worte mit dem Mann - als er versehentlich den falschen Stromzähler abgestellt hatte. Eine Mieterin des Erdgeschosses sagte, der 31- Jährige sei "ein gut aussehender Mann" gewesen, der ihr aber ein Dorn im Auge war, weil er ihre Töchter "zu sehr angesehen" habe.

Am 31. Jänner 1985 in Msaken am Rand der tunesischen Stadt Sousse geboren, war er laut der Zeitung "La Presse" im Jahr 2005 nach Frankreich gekommen. Dort heiratete er eine Franko- Tunesierin aus Nizza, mit er drei Kinder hatte. "Er unterwarf sich nicht Gott, ich habe ihn niemals in der Moschee gesehen", versicherte ein Besucher des Restaurants neben der örtlichen Moschee. Drei praktizierende bärtige Muslime bestätigten dies. Andere Bewohner des Viertels sagten, Bouhlel habe regelmäßig Bier getrunken.

Ex- Frau des Attentäters in Untersuchungshaft

Ermittler durchsuchten unterdessen am Freitag die Wohnung des Attentäters. Die Straße wurde abgesperrt. Nur hundert Meter entfernt wurde wenig später ein verdächtiges Paket von Spezialkräften gesprengt. Bei der Hausdurchsuchung wurden weder "Waffen noch Sprengstoff" gefunden. Allerdings seien Datenträger sichergestellt worden, die nun analysiert würden, berichtete der französische TV- Sender "itele". Wie der TV- Sender BFMTV zudem berichtete, wurde die Ex- Frau des Attentäters am Freitagnachmittag offenbar festgenommen. Derzeit sitze sie in Untersuchungshaft.

Ein ARD- Reporter hat die letzten Sekunden der Amokfahrt gefilmt:

"Bleiben Sie daheim"

Regionalpräsident Christian Estrosi rief nach dem Attentat die Bürger auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. "Bleiben Sie bis auf Weiteres daheim", schrieb er auf Twitter. Auch die Präfektur des Departements Alpes- Maritimes forderte die Bevölkerung auf, aus Sicherheitsgründen zu Hause zu bleiben. Der Tatort wurde weiträumig abgeriegelt.

15.07.2016, 21:26
red/AG
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